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08.10.2014

12:30 Uhr

Gegen deutsche Kritik

EZB-Vize verteidigt Kauf von Ramschpapieren

EZB-Vizepräsident Vitor Constancio verteidigte Wertpapierkäufe gegen Kritik aus Deutschland. Die EZB hatte Ramschpapiere aus Zypern und Griechenland gekauft. Constancio zufolge trete die EZB nun in eine neue Phase ein.

EZB-Vize-Präsident Vitor Constancio: Die Hoffnung auf die Lockerung der Kreditklemme in der EU treibt seine Anleihen-Kaufverhalten an. dpa

EZB-Vize-Präsident Vitor Constancio: Die Hoffnung auf die Lockerung der Kreditklemme in der EU treibt seine Anleihen-Kaufverhalten an.

FrankfurtEZB-Vizepräsident Vitor Constancio hat den in Deutschland höchst umstrittenen Kauf von Ramschpapieren aus Zypern und Griechenland durch die Notenbank verteidigt. Durch spezielle Anforderungen an Papiere aus diesen Ländern sei das Risiko nicht größer als beim Kauf von Wertpapieren aus anderen Euro-Staaten, sagte Constancio laut Redetext am Mittwoch in Frankfurt. Die von der EZB gekauften griechischen und zyprischen Papiere müssen beispielsweise stärker besichert sein als Kreditverbriefungen aus anderen Ländern, die von den Ratingagenturen besser benotet werden. Zudem gebe es enge Volumengrenzen für die geplanten Käufe.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will noch im vierten Quartal beginnen, Verbriefungen und Pfandbriefe aufzukaufen. Ihr Ziel ist es, den Banken diese Papiere abzunehmen, damit diese wieder mehr freies Eigenkapital haben, um neue Kredite zu vergeben. Die Notenbanker hoffen, auf diese Weise die Kreditklemme in weiten Teilen der Euro-Zone aufzulösen und die Konjunktur anzukurbeln.

Geldquelle Staatsanleihen

Was sind Staatsanleihen?

Staatsanleihen oder Schuldverschreibungen sind eine der wichtigsten Finanzierungsquellen von Staaten. Im Gegensatz zu Aktien sind diese Wertpapiere mit einem festen Zins ausgestattet und das Kapital wird zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezahlt.

Wie sicher sind Staatsanleihen?

Anleihen werden in verschiedenen Laufzeiten von zumeist 2 bis 30 Jahren ausgegeben. Lange Zeit galten sie als äußerst sichere Anlageform, da das Risiko eines staatlichen Zahlungsausfalls als sehr gering betrachtet wurde. Mit der Schuldenkrise in Europa ist dieses Bild aber ins Wanken geraten.

Woraus ergibt sich der Zins?

Als Zinszahlung erhält der Anleger die Rendite oder den Effektivzins. Dieser ergibt sich aus dem im Vorhinein festgelegten Zins der Anleihe (Kupon) und dem von ihm gezahlten Marktpreis (Kurs) des Papiers. Sinkt die Nachfrage und damit der Kurs der Anleihe, steigt die Rendite.

Damit die EZB auch in allen 18 Euro-Ländern kaufen kann, hatte der EZB-Rat vergangene Woche beschlossen, für Papiere aus Griechenland und Zypern ein niedrigeres Rating zuzulassen als die allgemeine Untergrenze von „BBB-“. Dieser Schritt hatte zu heftiger Kritik in Deutschland geführt. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist gegen die geplanten Wertpapierkäufe.

Constancio sagte, die beschlossenen Restriktionen führten dazu, dass das potenzielle Volumen der Käufe deutlich unter dem Volumen des Marktes für Verbriefungen und Pfandbriefe in der Euro-Zone liege. „Von einem Gesamtmarkt von 1,2 Billionen Euro bei den Pfandbriefen liegt der Anteil der Pfandbriefe, die alle unsere Anforderungen erfüllen, bei etwa 600 Milliarden Euro. Vom Gesamtmarkt der Verbriefungen - etwa 690 Milliarden Euro - sind Papiere im Wert von etwa 400 Milliarden Euro kaufbar.“

Constancio erklärte, mit den jüngst beschlossenen Maßnahmen trete die EZB in eine neue Phase ein. Sie wolle nun aktiv ihre Bilanz ausweiten und dadurch ihre Geldpolitik noch laxer machen. Ähnlich hatte sich in der Vergangenheit bereits EZB-Präsident Mario Draghi geäußert. Er will die Bilanz auf das Niveau von 2012 aufblähen - das wären rund drei Billionen Euro.

Erzielt werden soll dies durch die massenhaften Wertpapierkäufe und zusätzliche Geldspritzen in das Bankensystem über die nächsten gut zwei Jahre. Constancio erklärte wie bereits Draghi, dass die EZB zudem bei Bedarf bereit sei, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die Wirtschaft zu stimulieren und die nach Ansicht der Notenbanker zu niedrige Teuerung anzuheizen.

Von

rtr

Kommentare (3)

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G. Nampf

08.10.2014, 12:48 Uhr

"Constancio erklärte, mit den jüngst beschlossenen Maßnahmen trete die EZB in eine neue Phase ein. "

Ist das schon das Endspiel?

Account gelöscht!

08.10.2014, 17:42 Uhr

Die EZB sieht ihre einzige Aufgabe noch darin, Risiken von PIIGSZF-Anleihen und Privaten auf die Steuerzahler zu verlagern.

Die sind es schon seit Jahren so gewohnt durch ihre Regierungen und Notenbanken.

Da die tatsächlichen Belastungen für die Menschen erst in Jahren anfallen werden, lassen sich die Zusammenhänge bis dahin schon noch vertuschen.

Herr Uwe Warschkow

08.10.2014, 19:12 Uhr

Das der Vertreter Portugals Draghis Politik gut heißt,wenn wundert es....?Schließlich handelt es sich beim Euro um eine reine Transferunion und Portugal ist darin Nehmerland Nummer Eins.
"Ist der Papst katholisch?".Hätte man genau so gut fragen können.

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