Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.09.2012

14:12 Uhr

Geldanlage

Dilemma bei Autoanleihen

VonAndrea Cünnen

Die Zinspapiere von soliden deutschen Herstellern bringen nur noch wenig Rendite. Bis zu sieben Prozent gibt es für Bonds Peugeot oder Fiat. Die halten Experten gerade bei längeren Laufzeiten aber für viel zu riskant.

Autoproduktion bei Volkswagen: Der Konzern borgt sich sein Geld billiger den je. dpa

Autoproduktion bei Volkswagen: Der Konzern borgt sich sein Geld billiger den je.

FrankfurtFast vier Jahre ist es her, dass sich der deutsche Autokonzern BMW als eines der ersten Unternehmen nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers mit einer neuen Anleihe an den Markt gewagt hat. Er musste dafür extrem tief in die Tasche greifen, um die zutiefst verunsicherten Anleger vom Kauf zu überzeugen. Einen Zins von 8,875 Prozent zahlten die Münchener den Anlegern damals für einen Bond mit einer Laufzeit von fünf Jahren.

Von der damaligen Unsicherheit ist heute nichts mehr zu spüren, im Gegenteil: „Die Anleihen deutscher Autokonzerne sind für viele Investoren inzwischen zu so etwas wie sicheren Häfen geworden“, meint Markus Roß, der bei der WGZ Bank Autobonds analysiert. Das zeigt sich deutlich an den sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnden Renditen: Anleihen mit knapp fünf Jahren Laufzeit von BMW, Volkswagen oder Daimler rentieren aktuell mit 1,4 bis 1,5 Prozent - und damit nahe ihrer jüngst erreichten historischen Tiefs.

Unternehmensanleihen

Tops und Flops der Auto-Anleihen

Bonds von deutschen Premiumherstellern sind gefragt und teuer. Bei kränkelnden Firmen gibt es Mondrenditen. Die Übersicht zeigt interessante Auto-Anleihen.

Ist das gerechtfertigt? „Zumindest ist es nachvollziehbar“, meint Roß. Die Autoindustrie sei zwar nach wie vor eine zyklische, das heißt von der Konjunktur abhängige Industrie und gerade in Europa schwächelt angesichts der Euro-Schuldenkrise die Konjunktur. Das merken auch die Autokonzerne beim Absatz. Sie dämpften zuletzt die Erwartungen der Investoren. Aber: „Die deutschen Hersteller haben Schulden ab- und hohe Cash-Reserven aufgebaut und sind damit heute viel besser aufgestellt als vor der Rezession in den Jahren 2008 und 2009“, sagt Roß.

Attraktiv sind die Papiere der deutschen Autobauer aber trotzdem nicht. „Die Anleihen von BMW, VW, Daimler oder auch MAN sind extrem teuer“, meint Gerhard Wolf, Leiter des Researchs für Unternehmensanleihen und Spezialist für Autobonds bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Interessant sind die Renditen allenfalls verglichen mit dem mageren halben Prozent, das zum Beispiel fünfjährige deutsche Bundesanleihen bieten."

Wolf rät vom breiten Einstieg ab: „Anleger müssen sich zwar keine Sorgen um die Rückzahlung machen, aber sich sehr wohl auf zwischenzeitliche zumindest moderate Kursverluste und größere Kursschwankungen einstellen.“ Dies gelte vor allem dann, wenn die schlechten Nachrichten zur Konjunkturentwicklung in Europa zunehmen. Von daher könnte es zu einem späteren Zeitpunkt günstiger sein zu höheren Renditen einzusteigen. Denn auch von der Seite der Bundesanleihen droht Ungemach.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Amen

27.09.2012, 14:47 Uhr

Da will man mal wieder auf der Zielgerade auch noch diesen Scheiß an den Mann / Frau bringen.

Aus eigener Erfahrung läuft die Kiste im Moment ähnlich wie 2007/8. Damals war es "nur" GM und Chrysler, die pleite gingen. In den USA gibt's dafür diesen lovely Chapter 11, der Firmen wieder aufstehen läßt wie Phönix aus der Asche.
In Europa ist das leider nicht so einfach.

Mit anderen Worten: Wenigstens in Europa wird es so knallen, daß 1-2 Autohersteller pleite gehen könnten.
Dahinter jedoch steckt ein weit verbreites und stark vernetztes Gebilde der Zulieferindustrie.
Hier wird dann auch der eine oder andere mitgerissen, d.h. diese Zulieferer müssen dann von den anderen Auto-Herstellern über Wasser gehalten werden, damit sie selber weiter mit Teilen versorgt werden können = zusätzliche Belastungen für den Rest.
So lief's schon vor 4 Jahren.

2008 war's für die europäischen Hersteller noch irgendwie stemmbar (auch Dank staatlicher Verschrottungsprogramme).
Diesmal aber könnte es heftig werden.
Wenn die Lawine erst mal ins Rutschen kommt ... aber so weit will ich noch nicht denken.

Also, meine Einschätzung zum Thema Autoboom bietet ein Gewinnpotential von Null, aber ein extremes Verlustrisiko.

Aber es wird noch so manchen Deppen geben, der auf diese kriminellen Anlegertipps reinfällt. Danke HB.

hg67

27.09.2012, 15:03 Uhr

Autoboom?? Ich lese wohl nicht richtig...gestern noch Artikel über Absatzproblem und Gewinnprognosenrevidierung..der einzige Autoboom findet derzeit in Korea statt..

Nicht umsonst versucht VW den neuen Golf direkt mit 20% Diskount unters Volk zu bringen..ist ja auch problemlos möglich, da die Produktionskosten um 20-30 gesenkt wurden..

Gast

27.09.2012, 17:40 Uhr

Bei den Rabatten die Volkswagen gerade für seinen neuen Golf gewährt verkaufen Fiat, Renault und PSA bald gar nichts mehr in der Golf Klasse.
Solange es keine neue Abwrackprämie gibt, ist von Anleihen französischer und italienischer Autohersteller abzuraten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×