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30.08.2014

08:54 Uhr

Geldanlage

Rally bei US-Unternehmensanleihen vor dem Ende

Der Norwegische Staatsfonds ist der größte der Welt. Die Zinsexperten des Fonds erklären nun die Rally bei US-Firmen-Bonds für beendet. Wie Anleger mit Unternehmensanleihen noch gute Renditen erzielen.

Die Skyline von New York: US-Firmenbonds haben keinen Krisenbomus mehr. dpa

Die Skyline von New York: US-Firmenbonds haben keinen Krisenbomus mehr.

Die Rally bei Anleihen von US-Unternehmen steht nach Ansicht des weltgrößten Staatsfonds wohl vor dem Ende. „Bei amerikanischen Unternehmens-Bonds aus dem Bereich Investment Grade beobachten wir, dass der Spread um die hundert Basispunkte liegt. Das ist nahezu genauso gering wie vor der Finanzkrise, sagte Ole Christian Froeseth, Chef für festverzinsliche Anlagen bei dem Norwegischen Staatsfonds. „Es lässt sich argumentieren, dass es bei diesem Spread nicht mehr viel Spielraum gibt.

Hochwertige US-Unternehmens-Anleihen rentierten noch am Mittwoch vergangenen Woche 111 Basispunkte über US-Staats-Bonds mit vergleichbarer Laufzeit. Der Spread ist demnach nur noch 33 Basispunkte von seinem Allzeittief aus dem Jahre 2005 entfernt. Zum Vergleich: Ende des Jahres 2008 lag der Spread laut Bank of America Merrill Lynch noch bei einem Rekordstand von 656 Basispunkten.

Im vergangenen Quartal hatte der Staatsfonds nach eigenen Angaben mit seinem Portfolio an Unternehmens-Anleihen einen Ertrag von rund zwei Prozent erzielt. Von Firmen in den USA begebene Bonds brachten „einen negativen Beitrag zum relativen Ertrag“, wie der Fonds mitteilte.

Es gebe „noch immer Wert“ als langfristiger Investor, sagt Froeseth. „Aber die Herausforderung besteht darin, dass der Aufschlag nicht mehr so groß ist. Und es stellt sich die Frage, ob es einen besseren Zeitpunkt gibt, um diese Unternehmens-Anleihen in der Zukunft zu kaufen.”

Langfristige Anleger schauen auf den alten Kontinent. Europäische Unternehmensanleihen mit Fälligkeit in zehn Jahren oder später entwickeln sich bereits seit drei Monaten besser als vergleichbare Papiere aus den USA. Laut Bank of America Merrill Lynch brachten auf Euro lautende Anleihen mit Investment-Grade-Rating und Fälligkeit in zehn Jahren oder später dieses Jahr 14,4 Prozent Ertrag. In den USA waren es 13 Prozent.

„Schlechte Wirtschaftsdaten sind gut für Anleihen“, erklärt Kreditstratege Ben Bennett von Legal & General in London. „Wir haben niedriges Wachstum, niedrige Inflation und geringe Investitionen. Das bedeutet, dass die lockere Geldpolitik noch länger anhalten wird.“ Bennett bevorzugt derzeit deutsche Bundesanleihen vor Unternehmenstiteln.

Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen

Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben

Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.

Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben

Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen. Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen.

Was passiert wenn die Zinsen steigen

Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten. Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern.

Was tun wenn die Zinsen steigen

Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv. Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell.

Fazit

In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds gut geeignet. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren kaum noch geben.

Die Erholung im Euroraum stockte im zweiten Quartal, nachdem die drei größten Volkswirtschaften - Deutschland, Frankreich und Italien - kein Wachstum zeigten. Die Inflation sank im Juli auf 0,4 Prozent und verfehlte damit das Ziel der Europäischen Zentralbank von knapp unter zwei Prozent. Zugleich wächst in Spanien und Portugal das Deflationsrisiko.

Rekordniedrige Leitzinsen der Zentralbanken drücken die kurzfristigen Kreditkosten. Auf der Suche nach Rendite sind Anleiheinvestoren gezwungen, länger laufende Papiere oder Titel von Emittenten mit schlechterem Rating ins Portfolio zu nehmen.

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