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12.09.2011

21:20 Uhr

Geldmarkt

Sicherheit um jeden Preis

Abgekämpfte Anleger zieht es in Staatspapiere von Deutschland und den USA. Sie verleihen ihr Geld oft fast zum Nullzins. Es ist der Preis der relativen Sicherheit. Die Stimmung ist eindeutig: Alles, nur kein Kursrutsch.

Deutschland hat sich am Geldmarkt sehr günstig frisches Geld besorgt. dpa

Deutschland hat sich am Geldmarkt sehr günstig frisches Geld besorgt.

BerlinMit deutschen und US-Staatsanleihen erwirtschaften Anleger derzeit praktisch weniger als nichts: Die Inflationsraten der beiden Länder liegen höher als die Zinssätze, zu denen die Länder sich aktuell neu finanzieren.

Die Bundesrepublik gab am Montag sechsmonatige Schuldtitel für 3,891 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 0,18 Prozent aus, wie die Bundesbank mitteilte. Bei der letzten Emission solcher Papiere Anfang August betrug der Zinssatz demnach noch 0,6945 Prozent.

Bei der vorangegangenen Auktion Anfang August waren es noch 0,695 Prozent. „Das Ergebnis fällt in einem weiterhin volatilen Marktumfeld für den Emittenten Bund sehr gut aus und entspricht den Erwartungen“, teilte die Finanzagentur, der offizielle Schuldenverwalter des Bundes, mit.

Bei kurzfristigen Anleihen sind diese Zinsen besonders niedrig - die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland innerhalb der nächsten sechs Monate zahlungsunfähig wird, halten sie für verschwindend gering. Die mit der besten Bonitätsnote AAA bewertete Bundesrepublik profitiert von der Flucht in sichere Anlagen, die durch den Kursrutsch am Aktienmarkt an Fahrt gewonnen hat. Die Nachfrage übertraf das Angebot um das 2,4-Fache. Im August war die Emission doppelt überzeichnet.

Niedrige Zinsen auf dem Primärmarkt bedeuten immer auch niedrige Renditen für bereits im Umlauf befindliche Staatsanleihen am Sekundärmarkt. So gab es am Montag für zehnjährige Bundesanleihen am Sekundärmarkt eine historisch niedrige Rendite von nur mehr 1,709 Prozent.

Die Inflation in Deutschland liegt derzeit hingegen bei etwa 2,4 Prozent. Anleger machen also unter dem Strich keinen Gewinn. In den USA lag die Inflation seit einigen Monaten sogar über drei Prozent, selbst längerfristige Papiere bieten nur niedrigere Zinssätze.

Die Sorge vor einer möglichen Staatspleite Griechenlands hat auch die Zinsen für US-Schatzwechsel erneut auf ein Rekordtief gedrückt. Die Effektivverzinsung für zehnjährige Staatsanleihen lag am frühen Montagnachmittag (Ortszeit) bei 1,91 Prozent und war zuvor zeitweise auf 1,87 Prozent gefallen, den niedrigsten Wert seit Beginn der täglichen Aufzeichnungen 1962. Das Finanzministerium in Washington platzierte am Montag auch Bundespapiere mit Laufzeiten von drei und sechs Monaten sowie drei Jahren am Kapitalmarkt. Die Nachfrage bei den Auktionen wurde als solide beschrieben.

Kommentare (1)

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Arminius

13.09.2011, 06:43 Uhr

Dass Deutschland dem nächsten nicht Pleite gehen wird scheint klar zu sein.
Aber, sollte Deutschland aus der Eurozone austreten, in welcher Währung werden dann die deutsche Bundes- und Länderanleihen zurückgezahlt?
Da die Anleihen auf Euro lauten, müssten sie in Euro zurückgezahlt werden.
Wenn Deutschland aber nicht mehr der Eurozone angehört dann sollte der Euro wesentlich weniger wert sein als heute.
Und das bei 1,7% Verzinsung die es auf Bundesanleihen z.Z. gibt.
Soviel über Sicherheit!

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