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05.07.2016

09:08 Uhr

German Pellets

Asche zu Asche

VonAndreas Dörnfelder, Gertrud Hussla

Trauriges Treffen: In Schwerin versammeln sich erstmals die Gläubiger der Pleitefirma German Pellets. Ein Papier aus der Insolvenzakte legt nahe, was mit ihrem Geld geschehen ist.

Das Stammwerk hat inzwischen neue Eigentümer - und einen neuen Namen: Wismar Pellets. dpa

Lager von German Pellets in Wismar

Das Stammwerk hat inzwischen neue Eigentümer - und einen neuen Namen: Wismar Pellets.

Schwerin/WismarEin Werktag im mecklenburgischen Wismar im vergangenen Frühjahr. Der Brief von der großen Privatbank aus Frankfurt bringt die Gewissheit: Die Geduld der Kreditgeber ist zu Ende. Rund 30 Millionen Euro stellt das Geldhaus fällig. Damit ist die Pleite des Brennstoffherstellers German Pellets praktisch nicht mehr abzuwenden. Firmengründer Peter Leibold bleibt nur noch der Gang zum Amtsgericht. Am 10. Februar meldet der Geschäftsführer Insolvenz an. Die erhoffte Sanierung in Eigenverwaltung lehnt die Richterin ab. Danach hat in der Zentrale an der Ostsee nur noch eine das Sagen: Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde.

An diesem Dienstag tritt Schmudde in Schwerin erstmals den Menschen gegenüber, die der German Pellets GmbH und Gründer Leibold ihre Ersparnisse anvertraut haben. Oder sollte man sagen: die auf Leibold hereingefallen sind? Insgesamt 270 Millionen Euro hat der gelernte Industriekaufmann von rund 17.000 deutschen Anlegern eingesammelt.

German Pellets: Chronik einer Pleite

Wie alles begann

2005 gründet Peter Leibold im Alter von 47 Jahren in Wismar an der Ostsee ein Werk für Holzpellets. Die aus Sägespänen und Holzresten gepressten Stifte werden vor allem als Brennmittel in Heizöfen verwendet.

Exzessives Wachstum

2012: German Pellets hat FireStixx übernommen und betreibt inzwischen mehrere Werke. Das Unternehmen erhöht den Umsatz angeblich von 286,1 Millionen (2011) auf 519,1 Millionen Euro. Nach einer ersten Anleihe, mit der das Unternehmen 80 Millionen Euro einsammelte, begibt der Brennstoffhersteller nun verstärkt (eigenkapitalähnliche) Genussrechte. Das Volumen an Genussrechten steigt in den kommenden Jahren von fünf auf 44 Millionen Euro.

Private US-Geschäfte

2013: Familie Leibold eröffnet ein Werk in Texas (USA) und startet den Bau des US-Werks Louisiana, das 2015 in Betrieb geht. German Pellets sammelt mit einer neuen Anleihe 72 Millionen Euro ein und begibt Genussrechte für 13,2 Millionen Euro. Das Anleihevolumen steigt später auf mehr als 226 Millionen Euro.

Die Krise beginnt

Sommer 2015: Peter Leibold meldet zum Halbjahr ein Umsatzplus um elf Prozent auf 294 Millionen und einen operativen Gewinn von 26 Millionen Euro. Doch das Unternehmen hat inzwischen 443 Millionen Euro Schulden. German Pellets braucht frisches Eigenkapital. Im Herbst will der Brennstoffhersteller Anleger dazu verleiten, ihre (vorrangigen) Anleihen in (nachrangige) Genussrechte zu wandeln. Creditreform errechnet eine Eigenkapitalquote von nur noch 5,4 Prozent.

Der Insolvenzantrag

10. Februar 2016: German Pellets beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Schwerin lehnt ab und ordnet vorerst ein klassisches Verfahren an. Bettina Schmudde wird vorläufige Verwalterin. Mehrere Töchter und das US-Werk Louisiana sind später ebenfalls insolvent. Zuvor hatten Lieferanten und Mitarbeiter vergeblich auf Geld gewartet. Die Finanzaufsicht Bafin untersagte dem Unternehmen den Handel mit Genussrechten. Eine für 10. Februar angesetzte Gläubigerversammlung sagte German Pellets kurzfristig ab.

Der Wirtschaftskrimi

12. Februar 2016: Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt gegen Peter Leibold wegen Verdachts auf Unterschlagung. Der Wiener Finanzier MCF Commodities hatte Strafanzeige gestellt, weil ihm wegen unbezahlter Rechnungen angeblich ein Schaden in Höhe von 27 Millionen Euro entstanden sein soll. Peter Leibold schweigt zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Das meiste Geld gaben ihm die Investoren mittels dreier Anleihen, für die er 7,25 Prozent Zinsen in Aussicht stellte. Eine vierte Anlegergruppe zahlte für Genussrechte. In einem seiner Werbevideos lobte Leibold sein Unternehmen, das „wie ganz wenige andere Ökologie und Ökonomie verbindet“. Der Clip steht noch immer im Internet.

Doch bei den insgesamt vier Gläubigerversammlungen im Laufe der Woche in der Schweriner Kongress- und Sporthalle wird Leibold wohl nicht auftreten, hieß es am Montag aus Wismar. Dabei hätten die Anleger durchaus eine Reihe von Fragen an ihn. So mussten die Sparer in den vergangenen Monaten bereits erfahren, dass ein großer Teil ihres Geldes über eine Stiftung als Eigenkapital bei zwei US-Produktionsfirmen gelandet ist. Ein Papier aus der Insolvenzakte enthält dazu eine Reihe pikanter Details.

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Demnach hatte German Pellets am Tag der Insolvenzanmeldung offene Forderungen von rund 168,5 Millionen Euro. Allein mehr als 82 Millionen Euro davon entfielen auf Darlehen an die von der Familie Leibold kontrollierte Pele Holding in Wien. Fast 47 Millionen Euro wanderten an eine Firma mit dem Namen IPBG Pellets Beteiligungs GmbH, laut Registerdaten eine 100-prozentige Tochter der Pele Holding. 29 Millionen Euro sind dem Ofenbauer Kago zugeordnet, der ebenfalls Insolvenz angemeldet hat. Und 2,4 Millionen Euro sind direkt als „Gesellschafterdarlehen“ an Leibold und seine Frau gekennzeichnet.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

05.07.2016, 11:00 Uhr

Bevor man sein Geld in der marktunfähigen Subventionsabhängigen sog. Erneuerbaren Energiebranche (Solarworld, Prokon, Biogas, Pellets) zum Schornstein hinausbläst, sollte man lieber für die Zukunft in die Hochtechnologie und marktfähigen Kernkraftwerken, Kohle, Gas, und Oel anlegen.
Energiewende/Erneuerbare Energien = erst kommt die Lüge, dann der Betrug/Selbstbetrug danach der Mangel und zum Schluss der Verlust!

Frau Annette Bollmohr

05.07.2016, 11:00 Uhr

"... für Journalisten nicht erreichbar."

Überall, wo das der Fall ist, ist, da können Sie ganz sicher sein, etwas faul.

"Dafür redeten andere."

Dann fragt man halt die.

Hauptsache, die Öffentlichkeit wird so umfassend wie möglich informiert.

Novi Prinz

05.07.2016, 11:08 Uhr

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