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19.05.2017

14:52 Uhr

German Pellets

Auch in Belgien ist der Ofen aus

VonGertrud Hussla

Die Pleite von German Pellets beschäftigt Gläubiger seit über einem Jahr. Gründer Peter Leibold hat verbrannte Erde hinterlassen. Auch das Kraftwerk Langerlo, das er vor der Pleite noch gekauft hatte, ist nun insolvent.

Technische Pannen machten alle Umrüstungspläne zunichte.   (Foto: PR)

Früheres Eon-Kraftwerk Langerlo

Technische Pannen machten alle Umrüstungspläne zunichte. (Foto: PR)

DüsseldorfAuf dem Firmengelände des Kohlekraftwerks Langerlo in belgischen Gent ist nur noch der Pförtner da. Ein paar Sicherheitskräfte drehen ihre Runden, ansonsten ist das riesige Terrain mit seinen rot-weiß gestrichenen Schlöten wie ausgestorben. Am 20. April hatte ein Insolvenzverwalter die rund 100 Beschäftigten in die Kantine berufen und ihnen mitgeteilt: Der Ofen ist aus. Alle können nach Hause gehen. Das Kraftwerk hat Insolvenz angemeldet.

Bis zuletzt war das Kraftwerk Langerlo auch ein Hoffnungsträger für Tausende Anleihegläubiger des seit einem Jahr insolventen Brennstoffherstellers German Pellets gewesen. German-Pellets-Gründer Peter Leibold hatte das Kohle-Kraftwerk dem Energiekonzern Eon abgekauft, kurz bevor sein Imperium zahlungsunfähig wurde.

Regeln für Anleger

Was wird hier verkauft?

Immobilien, Erdwärme, Windkraft, Gold in Canada. Die Geschäftsidee klingt oft super. Doch ob die Rechnung aufgeht, können Laien aus den Prospekten nur schwer erkennen. Als Sachwerte eignen sich eher Investments in Dinge, die der Anleger persönlich in Augenschein genommen hat, und von denen er etwas versteht.

Wer verkauft das?

Die Vertrauenswürdigkeit privater Vermittler ist oft schwer zu beurteilen. Sie sind aber allesamt begabte Verkäufer. Wie lange ist der Finanz„experte“ im Geschäft? Was hat er gelernt? Ist er Teil eines Strukturvertriebs? Dann wird er zuerst auf Verwandte angesetzt, weil die besonders leichtgläubig sind. Auch Veranstaltungen in eleganten Hotels oder Hochglanzbroschüren täuschen. Sicherer ist die Nachfrage bei einer Verbraucherzentrale, oder bei einem Honorarberater.

Wie hoch sind die Gebühren?

Die Nebenkosten eines Finanzprodukts können leicht zehn Prozent oder mehr betragen. Im Umfeld von Minizinsen ist damit die Rendite schnell negativ. Kosten sind nicht nur das Agio, der Aufschlag, sondern auch sonstige Vertriebskosten und die regelmäßigen Verwaltungskosten.

Vorsicht bei hohen Renditen

Renditeversprechen von sechs Prozent oder gar zehn Prozent sind unrealistisch. Warum sollte da nicht eine Bank einsteigen, oder ein privater Großinvestor? Hohe Renditen und eine sichere Anlage, so etwas gibt es nicht. Hohe Renditen bedeuten immer auch hohes Risiko.

Tragen Sie gutes Geld nicht schlechtem hinterher

Oft bitten geschlossene Fonds um Nachschüsse, damit das Schiff oder die Immobilie gerettet werden kann. Oder sie verlangen gezahlte Ausschüttungen zurück. Das dürfen sie nur, wenn es im Prospekt vorgesehen ist. Anleger eines Fonds zahlen Eigenkapital ein. Das ist im Ernstfall immer nachrangig. Die Bank wird zuerst bedient. Wenn Anleger nochmal Geld nachschicken, ist es häufig am Ende auch noch weg.

Belgische Subventionen in Höhe von rund zwei Milliarden sollten in den nächsten zehn Jahren fließen, sollte das Kraftwerk auf die Verfeuerung umweltfreundlicher Pellets umgerüstet werden. Im Verlauf des German-Pellets-Insolvenzverfahren hatte angesichts eines solchen Geldregens der estländische Pelletshersteller Granuul Invest das belgische Kraftwerk in letzter Minute gekauft. Der Deal: den zweistelligen Millionenbetrag, den Granuul für das Kraftwerk bezahlte, sollten die Estländer je nach Höhe der Umrüstkosten im Verlauf des Verfahrens noch aufbessern. Damit hätte es noch einmal mehr Masse für die deutschen Anleihe-Gläubiger gegeben.

Das Vorhaben in Langerlo ist kläglich gescheitert. 25 Millionen Euro hatte Granuul Invest seit der Übernahme im Juni 2016 schon in das Kohlekraftwerk investiert. Die Estländer hatten davon überwiegend die Löhne der Mitarbeiter bezahlt. Granuul Invest hatte außerdem leere Kassen in Gent vorgefunden. Leibold hatte noch bis kurz vor Schluss als Alleinbefugter rund zehn Millionen Euro Cash aus dem Kraftwerk in andere Töchter und Kanäle geschleust, bestätigen ehemalige Mitarbeiter und andere mit den Vorgängen vertrate Personen. Damit hatte Granuul Invest gerechnet.

Vorbesitzer Eon in der Kritik

Kraftwerkskauf

Im Januar 2016 hat der Energiekonzern Eon das Kraftwerk in Langerlo an German Pellets unter Firmengründer Peter Leibold verkauft. Damals war schon klar, dass die Konzession für die Befeuerung des Kraftwerks mit Kohle im April 2017 auslaufen sollte. Leibold wollte das Kraftwerk auf Holzpellets umrüsten und dafür Milliardensubventionen vom belgischen Staat kassieren.

Insolvenz

Wenige Wochen später, im Februar 2016 ging German Pellets pleite. Die Insolvenzverwalterin und ihr Team fanden in letzter Minute einen Käufer für das Kohlekraftwerk in Belgien, die estländische Granuul Invest. Die Verträge mit der belgischen Regierung konnten gehalten werden. Doch dann sprengten technische Pannen den Zeitplan für die Umrüstung. Das Kraftwerk musste dicht machen. 100 Mitarbeiter stehen ohne Sozialpläne auf der Straße.

Vorwürfe an Eon

Wenige Wochen später, im Februar 2016 ging German Pellets pleite. Die Insolvenzverwalterin und ihr Team fanden in letzter Minute einen Käufer für das Kohlekraftwerk in Belgien, die estländische Granuul Invest. Die Verträge mit der belgischen Regierung konnten gehalten werden. Doch dann sprengten technische Pannen den Zeitplan für die Umrüstung. Das Kraftwerk musste dicht machen. 100 Mitarbeiter stehen ohne Sozialpläne auf der Straße.

Doch dann kam noch eine weitere gravierende Panne dazu: Ein Defekt in einem Wärmetauscher habe den Umbau des Kraftwerks verzögert, schildert es der ehemalige Werksleiter Marc Rommens. Die belgische Regierung habe sich dann geweigert, eine Verzögerung des Umbaus zu akzeptieren –  und die geplanten Zuschüsse gestrichen. Die hohen Subventionen sind mittlerweile in Belgien sehr umstritten. Da kam der Fristverlängerungsantrag aus Langerlo gerade recht, um das ganze Projekt zu stoppen – aus der Traum.

Die Insolvenz von German Pellets war 2016 eine der größten Pleiten im Segment der Mittelstandsanleihen. Von Tausenden Anlegern hatte Leibold 226 Millionen Euro über die Emission von Anleihen und noch einmal 44 Millionen Euro über Genussrechte eingesammelt. Hinzu kamen weitere 546 Millionen US-Dollar über die Ausgabe von Bonds an US-Investoren.

Kommentare (2)

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Herr Hofmann Marc

19.05.2017, 15:18 Uhr

Na gut, dass Belgien noch seine Kernkraftwerke hat und hier in die Zukunft investiert.

Rainer von Horn

19.05.2017, 16:32 Uhr

Irgendwas stimmt da doch nicht, die Sonne, der Wind und der Wald schickt keine Rechnung, aber diese Energiewende-Unternehmen gehen eins ums ander mal pleite. Was läuft da schief? Hat man vielleicht zu spät von Holzpellets auf Kohepellets umgestellt? Kohle ist schliesslich auch nichts anderes als historische Sonnenenergie.

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