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10.02.2016

15:10 Uhr

German Pellets

Der Insolvenzantrag ist da

VonAndreas Dörnfelder, Gertrud Hussla, Katharina Schneider

German Pellets hat wie erwartet Insolvenz angemeldet. Der Brennstoff-Hersteller will sich mit einem Chef auf Zeit selbst sanieren. Gläubiger sehen den Plan kritisch. Alle Anleihen sind vom Handel ausgesetzt.

Die Zentrale in Wismar im Jahr 2014: German Pellets macht aus Sägespänen und Baumstämmen Holzpellets für Heizungen. Johannes Arlt für Handelsblatt

German Pellets

Die Zentrale in Wismar im Jahr 2014: German Pellets macht aus Sägespänen und Baumstämmen Holzpellets für Heizungen.

Düsseldorf/FrankfurtAm Ende war es nur noch eine Frage von Stunden. Der schwer angeschlagene Brennstoff-Hersteller German Pellets hat am Mittwoch beim Amtsgericht Schwerin Insolvenzantrag gestellt – dies bestätigte das Gericht. Nach Informationen des Handelsblatts ist eine Insolvenz in Eigenverwaltung geplant. Stimmt das Insolvenzgericht zu, könnte der Pellet-Hersteller seine Insolvenzmasse unter Aufsicht eines Sachwalters selbst verwalten.

Wie Handelsblatt Online bereits am Dienstag berichtete, soll der Sanierungsexperte Frank Günther vorübergehend als Geschäftsführer bei German Pellets einsteigen. Dessen Münchener Beratungsgesellschaft One Square Advisors berät das Unternehmen seit kurzem.

Unter den Gläubigern sorgt die geplante Insolvenz in Eigenregie für Diskussionen. Nach Handelsblatt-Informationen sind manche der großen Geldgeber mit dem Verfahren nicht glücklich. Denn damit wäre Geschäftsführer Peter Leibold, der die Finanznot von German Pellets zu verantworten hat, weiterhin mit am Ruder. Einige Investoren wollen deshalb dagegen stimmen.

German Pellets - Fakten zum Unternehmen

Gründungsjahr

Gegründet wurde German Pellets erst im Jahr 2005 in Wismar. Zuvor hatte Leibold bereits als Geschäftsführer eines Sägewerks Erfahrung in der Holzindustrie gesammelt.

Geschichte

Vor allem durch Zukäufe ist German Pellets in relativ kurzer Zeit stark gewachsen. Dabei profitierte das Unternehmen unter anderem davon, dass Holzpellets als CO2-neutral gelten. Das ist ein Grund, weshalb etwa die Anschaffung von Pellet-Heizungen gefördert wird.

Im Jahr 2016 kollabiert die Firma, sie meldet im Februar Insolvenz an.

Geschäftsentwicklung

Die Firma verzeichnete bis zum Zusammenbruch ein rasantes Wachstum und kratzte zeitweise an der 600-Millionen-Euro-Umsatzmarke. Im Jahr 2011 waren es noch 286 Millionen Euro.

Eigner und Führung

German Pellets gehörte zu 60 Prozent Peter Leibold und zu 40 Prozent seiner Frau Anna Kathrin. Peter Leibold arbeitete als Geschäftsführer, seine Frau hatte sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Tochter Kathrin Leibold führte eine Tochterfirma, die Tiereinstreu vermarktete.

Beschäftigte und Standorte

German Pellets beschäftigte 650 Mitarbeiter. Die Zentrale liegt in Wismar in unmittelbarer Nähe zum Hafen, dort ist auch eine Pellets-Produktion. Weitere 13 Standorte sind in Deutschland verteilt, die beiden größten im Land sind neben Wismar Herbrechtingen und Ettenheim (beide Baden-Württemberg).

Im Jahr 2013 ging die größte Fabrik aber in den USA an den Start mit einer Produktionskapazität von 550.000 Tonnen Pellets pro Jahr (fast ein Viertel der Gesamtkapazität). Ein noch einmal doppelt so großes Werk entstand in Louisiana.

Produkte

Die Firma produziert Holzpellets. Dazu werden Holzspäne unter hohem Druck zu zäpfchengroßen Stäbchen gepresst. Diese werden zur Verbrennung in Kaminöfen, Heizungen, Biomassekraftwerken und als Beimischungen in fossilen Kraftwerken eingesetzt. Die Marke „FireStixx“ gehört zum German-Pellets-Portfolio.

Auch Anlegeranwalt Marc Gericke von der Siegburger Kanzlei Göddecke sieht in der Eigeninsolvenz eine „Täuschung der Anleger“. Ein solches Verfahren diene „der Weiterführung eines zwar angeschlagenen, aber grundsätzlich lebens- und überlebensfähigen Unternehmens“. „Die Probleme erscheinen uns auch tiefgreifender zu sein, als dass „nur“ Liquidität fehlen würde“, so der Anwalt.

Gericke bevorzugt deshalb eine Regelinsolvenz. Das habe schließlich auch bei Prokon geklappt, wo der Insolvenzverwalter binnen relativ kurzer Zeit „ganz vernünftige Ergebnisse“ erzielt habe. Die Rechte der Anleger und übrigen Gläubiger wie Lieferanten und Mitarbeiter könnten durch einen Gläubigerausschuss und einen gemeinsamen Vertreter bei den Anleihen gewahrt werden.

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Im Hintergrund sprechen sich die größten Geldgeber des Unternehmens seit Tagen ab. Ein Insider berichtete von einer Art „vorläufigem Gläubigerausschuss“. Diesem sollen unter anderen die Commerzbank, die Kreditversicherer Euler Hermes und Coface, ein Arbeitnehmervertreter, sowie die Bundesagentur für Arbeit angehören. Die Arbeitsagentur zahlt den rund 550 deutschen Mitarbeitern nach einer Insolvenzanmeldung drei Monate lang einen Teil der Löhne und Gehälter.

Neben Tausenden Anlegern sind weltweit auch etwa 650 Angestellte des Unternehmens von der Insolvenz betroffen.

Kommentare (19)

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Herr Marc Otto

10.02.2016, 15:22 Uhr

Das ist aber schade.

als Ersatz für geruchsneutrales katzenstreu waren diese Pellets echt super gut. Ich hoffe nur für unsere Katzen, dass sich hierfür ein Ersatz findet.

Account gelöscht!

10.02.2016, 15:23 Uhr

Ich hasse Katzen, die fressen unsere Singvögel

Account gelöscht!

10.02.2016, 15:24 Uhr

Ich sehe den Plan auch völlig kritisch, das sollten wir hier mal so richtig diskutieren.

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