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18.05.2016

15:40 Uhr

German Pellets Gläubigerversammlung

Pleitefirma lädt Anleger im Juli nach Schwerin

VonAndreas Dörnfelder, Gertrud Hussla

Deutlich früher als zunächst erwartet lädt der insolvente Brennstoffhersteller German Pellets seine Gläubiger ein. Anleger sollten sich den Stichtag für die Anmeldung merken. Bei den Treffen dürfte es turbulent zugehen.

Kleinanleger bangen um Erspartes. (Foto: PR)

Holzpellets von German Pellets

Kleinanleger bangen um Erspartes. (Foto: PR)

Fliegende Fäuste beim Boxen, wilde Angriffe beim Handball, donnernde Bässe bei Konzerten: Die Kongress- und Sporthalle in Schwerin war schon oft ein Ort für große Auftritte. Anfang Juli dürfte die Halle zum Schauplatz für ein Drama werden. Auf dem Podium: Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde. Im Publikum: Kleinanleger, die um ihr Erspartes bangen.

Schmudde verwaltet die Pleite des Brennstoffherstellers German Pellets, der am 10. Februar Insolvenz angemeldet hat. Rund 17.000 deutsche Anleger hatten dem Unternehmen mittels Anleihen und Genussrechten rund 270 Millionen Euro anvertraut. Doch der Gründer und Geschäftsführer Peter Leibold transferierte offenbar einen großen Teil des Geldes aus der German Pellets GmbH hinaus in zwei US-Werke. Spätestens seit klar ist, dass auch diese in Not sind, besteht für die Sparer kaum noch Hoffnung, dass sie ihr Geld wiedersehen.

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Während die Insolvenzverwalterin von German Pellets nach neuen Geldquellen sucht, tourt der alte Chef Peter Leibold in seinem Privatflugzeug quer durch Europa. Eine seltsame Rolle spielt dabei sein Wirtschaftsprüfer.

Und so dürfte es bei den Gläubigerversammlungen hoch hergehen, für die das Amtsgericht Schwerin nun die Termine bekannt gegeben hat. Am 5. Juli um 10.30 Uhr sind die Besitzer der ersten Inhaberschuldverschreibung geladen, die German Pellets eigentlich im April hätte zurückzahlen sollen. Umfang: Bis zu 100 Millionen Euro. Ein Tag später ist die bis 2018 laufende Schuldverschreibung mit bis zu 50 Millionen Euro Volumen dran. Am 7. Juli folgt das dritte Papier (Laufzeit bis 2019; Umfang bis zu 130 Millionen Euro). Die Inhaber der Genussscheine im Gesamtnennbetrag von 15 Millionen Euro sind am 8. Juli an der Reihe.

Auf der Tagesordnung stehen zwei Punkte: Insolvenzverwalterin Schmudde wird einen kurzen Überblick zur Lage geben. Anschließend sollen die Gläubiger einen gemeinsamen Vertreter wählen, der allein berechtigt und verpflichtet ist, ihre Rechte geltend zu machen. Teilnahmeberechtigt sind alle Anleger, die am Tag der Gläubigerversammlung Inhaber des entsprechenden Wertpapiers sind. Interessenten können sich bis zum Stichtag 30. Juni um 16 Uhr bei der Firma STP Solution in Karlsruhe anmelden. Diese hat folgende Faxnummer geschaltet: +49 (0)721 / 82815-209 (Betreff: German Pellets Gläubigerversammlungen).

Experten halten es für unwahrscheinlich, dass Anleger noch etwas von ihrem Geld wiedersehen. Denn obwohl Schmudde bereits drei Werke von German Pellets an Investoren verkauft hat, dürfte vom Erlös kaum etwas für die Anleihegläubiger übrig bleiben. Doch wie so oft in solchen Situationen werden wohl viele trotzdem nach Schwerin kommen – allein schon um zu erfahren, was mit ihrem Geld passiert ist. Und wohl auch um ihrem Ärger ein wenig Luft zu machen.

German Pellets: Chronik einer Pleite

Wie alles begann

2005 gründet Peter Leibold im Alter von 47 Jahren in Wismar an der Ostsee ein Werk für Holzpellets. Die aus Sägespänen und Holzresten gepressten Stifte werden vor allem als Brennmittel in Heizöfen verwendet.

Exzessives Wachstum

2012: German Pellets hat FireStixx übernommen und betreibt inzwischen mehrere Werke. Das Unternehmen erhöht den Umsatz angeblich von 286,1 Millionen (2011) auf 519,1 Millionen Euro. Nach einer ersten Anleihe, mit der das Unternehmen 80 Millionen Euro einsammelte, begibt der Brennstoffhersteller nun verstärkt (eigenkapitalähnliche) Genussrechte. Das Volumen an Genussrechten steigt in den kommenden Jahren von fünf auf 44 Millionen Euro.

Private US-Geschäfte

2013: Familie Leibold eröffnet ein Werk in Texas (USA) und startet den Bau des US-Werks Louisiana, das 2015 in Betrieb geht. German Pellets sammelt mit einer neuen Anleihe 72 Millionen Euro ein und begibt Genussrechte für 13,2 Millionen Euro. Das Anleihevolumen steigt später auf mehr als 226 Millionen Euro.

Die Krise beginnt

Sommer 2015: Peter Leibold meldet zum Halbjahr ein Umsatzplus um elf Prozent auf 294 Millionen und einen operativen Gewinn von 26 Millionen Euro. Doch das Unternehmen hat inzwischen 443 Millionen Euro Schulden. German Pellets braucht frisches Eigenkapital. Im Herbst will der Brennstoffhersteller Anleger dazu verleiten, ihre (vorrangigen) Anleihen in (nachrangige) Genussrechte zu wandeln. Creditreform errechnet eine Eigenkapitalquote von nur noch 5,4 Prozent.

Der Insolvenzantrag

10. Februar 2016: German Pellets beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Schwerin lehnt ab und ordnet vorerst ein klassisches Verfahren an. Bettina Schmudde wird vorläufige Verwalterin. Mehrere Töchter und das US-Werk Louisiana sind später ebenfalls insolvent. Zuvor hatten Lieferanten und Mitarbeiter vergeblich auf Geld gewartet. Die Finanzaufsicht Bafin untersagte dem Unternehmen den Handel mit Genussrechten. Eine für 10. Februar angesetzte Gläubigerversammlung sagte German Pellets kurzfristig ab.

Der Wirtschaftskrimi

12. Februar 2016: Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt gegen Peter Leibold wegen Verdachts auf Unterschlagung. Der Wiener Finanzier MCF Commodities hatte Strafanzeige gestellt, weil ihm wegen unbezahlter Rechnungen angeblich ein Schaden in Höhe von 27 Millionen Euro entstanden sein soll. Peter Leibold schweigt zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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