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01.05.2016

13:40 Uhr

German Pellets

Pleitefirma hat offenbar einen Käufer

VonGertrud Hussla

Der Insolvenzverwalterin von German Pellets ist es offenbar gelungen, einen Käufer für die Pleitefirma zu finden. Damit besteht Hoffnung für einen Großteil der Arbeitsplätze. Anleger dagegen brauchen noch viel Geduld.

Offenbar gibt es einen Käufer für das insolvente Unternehmen. dpa

German Pellets

Offenbar gibt es einen Käufer für das insolvente Unternehmen.

DüsseldorfDas Amtsgericht Schwerin hat am Sonntag, 1. Mai, das Insolvenzverfahren über German Pellets eröffnet. Damit dürfte es Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde gelungen sein, einen Käufer für den in große Zahlungsschwierigkeiten geratenen Brennstoffhersteller zu finden, der die Werke fortführt.

Am 25. April hatte Schmudde mitgeteilt, mehrere nationale und internationale Investoren hätten verbindliche Übernahmeangebote vorgelegt. Sie hatte allerdings weder Namen noch Inhalt der Gebote genannt. Nach Informationen des Handelsblatts bestand bei mindestens zwei Angeboten die Chance, dass die deutschen Werke von German Pellets als Gesamtpaket an einen neuen Eigentümer wechseln. Damit würde German Pellets nicht zerschlagen und ein großer Teil der mehr als 300 Arbeitsplätze in Deutschland bliebe erhalten.

German Pellets: Chronik einer Pleite

Wie alles begann

2005 gründet Peter Leibold im Alter von 47 Jahren in Wismar an der Ostsee ein Werk für Holzpellets. Die aus Sägespänen und Holzresten gepressten Stifte werden vor allem als Brennmittel in Heizöfen verwendet.

Exzessives Wachstum

2012: German Pellets hat FireStixx übernommen und betreibt inzwischen mehrere Werke. Das Unternehmen erhöht den Umsatz angeblich von 286,1 Millionen (2011) auf 519,1 Millionen Euro. Nach einer ersten Anleihe, mit der das Unternehmen 80 Millionen Euro einsammelte, begibt der Brennstoffhersteller nun verstärkt (eigenkapitalähnliche) Genussrechte. Das Volumen an Genussrechten steigt in den kommenden Jahren von fünf auf 44 Millionen Euro.

Private US-Geschäfte

2013: Familie Leibold eröffnet ein Werk in Texas (USA) und startet den Bau des US-Werks Louisiana, das 2015 in Betrieb geht. German Pellets sammelt mit einer neuen Anleihe 72 Millionen Euro ein und begibt Genussrechte für 13,2 Millionen Euro. Das Anleihevolumen steigt später auf mehr als 226 Millionen Euro.

Die Krise beginnt

Sommer 2015: Peter Leibold meldet zum Halbjahr ein Umsatzplus um elf Prozent auf 294 Millionen und einen operativen Gewinn von 26 Millionen Euro. Doch das Unternehmen hat inzwischen 443 Millionen Euro Schulden. German Pellets braucht frisches Eigenkapital. Im Herbst will der Brennstoffhersteller Anleger dazu verleiten, ihre (vorrangigen) Anleihen in (nachrangige) Genussrechte zu wandeln. Creditreform errechnet eine Eigenkapitalquote von nur noch 5,4 Prozent.

Der Insolvenzantrag

10. Februar 2016: German Pellets beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Schwerin lehnt ab und ordnet vorerst ein klassisches Verfahren an. Bettina Schmudde wird vorläufige Verwalterin. Mehrere Töchter und das US-Werk Louisiana sind später ebenfalls insolvent. Zuvor hatten Lieferanten und Mitarbeiter vergeblich auf Geld gewartet. Die Finanzaufsicht Bafin untersagte dem Unternehmen den Handel mit Genussrechten. Eine für 10. Februar angesetzte Gläubigerversammlung sagte German Pellets kurzfristig ab.

Der Wirtschaftskrimi

12. Februar 2016: Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt gegen Peter Leibold wegen Verdachts auf Unterschlagung. Der Wiener Finanzier MCF Commodities hatte Strafanzeige gestellt, weil ihm wegen unbezahlter Rechnungen angeblich ein Schaden in Höhe von 27 Millionen Euro entstanden sein soll. Peter Leibold schweigt zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Nun geht die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über die nicht verkauften Teile von German Pellets voll auf die Insolvenzverwalterin über. Gründer Peter Leibold, der während der vorläufigen Insolvenz noch als Geschäftsführer eingesetzt war, muss das Unternehmen verlassen.

Die German Pellets Gruppe bezeichnete sich selbst als einen der weltweit größten Hersteller von Holzpellets mit 650 Mitarbeitern. Mitte Februar musste German Pellets vorläufige Insolvenz anmelden. Zuvor hatten die Werke schon mehrere Wochen stillgestanden, weil kein Holz mehr geliefert wurde. Über Monate hatte German Pellets Rechnungen nicht mehr bezahlt, Löhne und Gehälter der Mitarbeiter wurden schon ab Januar nicht mehr ausbezahlt.

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Damit begann für die Insolvenzverwalterin ein Wettlauf mit der Zeit. Es galt, die Werke zumindest teilweise wieder in Betrieb zu nehmen und ein Bieterverfahren anzustoßen. Ab dem 1. Mai bezahlt die Bundesanstalt für Arbeit keine Löhne mehr.

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