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08.10.2015

23:44 Uhr

„Getrieben von Machtwillen und Gier“

Bill Gross verklagt Allianz-Tochter Pimco

VonFrank Wiebe

200 Millionen Dollar will der legendäre Investor Bill Gross von seinem Ex-Arbeitgeber Pimco. Der Grund: Vor einem Jahr hatte ihn die Allianz-Tochter vor die Tür gesetzt. Der Bond-König sieht sich als Opfer einer Intrige.

Der Anleiheprofi verklagt seine ehemalige Gesellschaft Pimco. Reuters

Bill Gross

Der Anleiheprofi verklagt seine ehemalige Gesellschaft Pimco.

New YorkBill Gross und kein Ende: Obwohl der legendäre Investor keine überragenden Ergebnisse mehr erzielt, schafft er es immer noch in die Schlagzeilen. Jetzt verklagt er seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Allianz-Tochter Pimco, auf mindestens 200 Millionen Dollar, wie mehrere US-Medien berichten - sollte er gewinnen, wolle er laut Medien das Geld spenden. Gross reagierte auf Anfrage nicht. Pimco sagte gegenüber Handelsblatt Online: „Die Klage hat keine Grundlage und unser juristisches Team wird vor Gericht entsprechend darauf reagieren. Unser Schwerpunkt bleibt bei unseren Kunden und ihren Wertpapierdepots.“

Die Vorwürfe sind ungeheuerlich. Die Ex-Kollegen bei Pimco hätten ihn, „getrieben von Machtwillen, Gier und dem Wunsch, ihre finanzielle Situation und ihre Reputation aufzuwerten“, aus der Firma gedrängt, heißt es. Gross sieht sich als Opfer einer Intrige, die vor allem von Daniel Ivascyn angezettelt worden sei, der ihm selbst als Chef-Investor bei Pimco gefolgt war. Dabei sei es einer Reihe jüngerer Mitarbeiter auch darum gegangen, sich den 20-Prozent-Anteil am Bonuspool, der Gross zustand, unter den Nagel zu reißen. Das Volumen dieses Pools für 2013 wird mit 1,3 Milliarden Dollar angegeben, das gesamte Gehalt von Gross für das Jahr soll bei mehr als 300 Millionen gelegen haben.

So legen Vermögende ihr Geld an

Ab wann ist man „vermögend“?

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln gehört man bereits mit einem Nettovermögen von rund 261.000 Euro zum reichsten Zehntel der erwachsenen Bevölkerung. Das bedeutet, dass 6,7 Millionen Menschen in Deutschland vermögend sind. Durchschnittlich kommen sie auf ein Nettovermögen von 639.000 Euro je Erwachsener.

Wie viel Vermögen hat der deutsche Durchschnittsbürger?

Das durchschnittliche Nettovermögen beträgt 115.000 Euro.

Wie viele Millionäre gibt es in Deutschland?

Über ein Nettovermögen von mindestens 1 Million Euro verfügt nur ein Prozent der Erwachsenen, das sind rund 670.000 Menschen.

Wie wird man reich?

Ein Blick auf die Altersstruktur der Vermögenden zeigt: Reichsein ist häufig das Ergebnis eines Lebenswerkes. Fast drei Viertel des reichsten Bevölkerungszehntels sind mindestens 50 Jahre alt, rund 40 Prozent sogar bereits in Rente. Und: Neben dem Alter ist vor allem der berufliche Status wichtig. Im vermögensstärksten Zehntel sind gut 21 Prozent Selbstständige – dreimal so viel wie in der gesamten Bevölkerung.

Wie legen Vermögende ihr Geld an?

Durchschnittlich hat ein Vermögender in Deutschland 41.000 Euro auf dem Sparkonto, 16.000 Euro Fondsanteile sowie 11.500 Euro in Anleihen und 12.000 Euro in Aktien. Außerdem sind 199.000 Euro im Eigenheim angelegt und 202.000 Euro in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien.

Wie legt der Durchschnittsdeutsche sein Geld an?

Der durchschnittliche Erwachsene hat 12.000 Euro auf dem Sparkonto, 3.000 Euro Fondsanteile, 1.500 Euro Anleihen und 2.000 Euro Aktien sowie 54.000 Euro im Eigenheim und 27.000 in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien angelegt.

Gross hatte Pimco im September 2014 Knall auf Fall verlassen und war zu der kleinen Fondsgesellschaft Janus Capital gewechselt, wo er einen neuen Fonds managt – bisher mit übersichtlichem Erfolg. Zunächst hieß es, er sei damit einem Rauswurf zuvorgekommen, später sagte Gross deutlicher, er sei gefeuert worden. Pimco hatte schon im Winter ein neues Management unter der Leitung von Douglas Hodge installiert und zunächst versucht, Gross in diese Struktur einzubinden, was aber offensichtlich misslungen ist. Zuvor hatte Mohamed El-Erian, der Co-Chef von Gross, die Fondsgesellschaft überraschend verlassen.

Nach allem, was bisher über die Vorgänge bekannt wurde, ist Gross bei Pimco vor allem ein Opfer seiner eigenen mitunter erratischen Persönlichkeit geworden. Sein Führungsstil galt als barsch, Kritik konnte er nicht gut vertragen. Nachdem im Jahr 2013 der jahrzehntelange Trend zu immer niedrigeren Zinsen endete und Gross Probleme bekam, wie zuvor außerordentlich gute Ergebnisse zu erzielen, spitzte sich die Situation allmählich zu.

Die Tatsache, dass Gross und seine problematischen Charakterzüge auf einmal beständig in den Medien diskutiert wurden, hat ihm offenbar persönlich sehr zugesetzt und nicht zugänglicher gemacht. Legendär wurde ein Auftritt im Juni 2014 in Chicago, wo er hinter einer coolen Sonnenbrille versteckt eine beinahe schon wirr zu bezeichnende Rede hielt, die vor allem eines verriet: dass er in seiner tiefsten Seele getroffen und verwundet war. Immer wieder beteuerte er mit missglückter Selbstironie, er sei doch der netteste Mensch der Welt.

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Nach einem Jahr bei Janus Capital hat sich Ex-Pimco-Star Bill Gross noch nicht bewiesen. Trotzdem: Der angeschlagene Bond-Star dient als Aushängeschild und der US-Vermögensverwalter wächst weiter.

Die Allianz, die im Jahr 2000 Pimco gekauft hatte, wurde irgendwann nervös, weil ihr Gewinnwachstum zu einem erheblichen Teil von der Fondsgesellschaft in Kalifornien abhing. Sie hatte den Amerikanern, solange deren Geschäft reibungslos lief, ihre Unabhängigkeit gelassen und auch die Herausbildung eines Starkults um Bill Gross geduldet, obwohl das der Kultur des Konzerns völlig widersprach. Dazu gehörten auch legendäre Bezüge für Gross, die die Gehälter der Konzernvorstände weit in den Schatten stellten.

Als Pimco Probleme bei den Erträgen und anschließend durch den internen Streit bekam, konnte der damalige Konzernchef Michael Diekmann wenig mehr tun, als dem neuen Management der Tochtergesellschaft den Rücken zu stärken und zu hoffen, dass es die Probleme in den Griff bekommt. Weder die Kultur noch das eigentliche Geschäft von Pimco waren der Konzernspitze in München aus eigener Erfahrung wirklich vertraut.

Gross hatte Pimco 1971 gegründet und über Jahrzehnte vor allem mit dem Flaggschiff-Fonds, dem Total Return Fund, Milliarden an Erträgen verdient. Er gilt als Erfinder des aktiven Managements von Anleihen, bei dem geschickt die Zinsunterschiede einzelner Restlaufzeiten genutzt werden. Als seine Erfolgsserie riss und noch mehr nach seinem Abgang, kam es zu hohen Mittelabflüssen bei Pimco.

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