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22.09.2011

17:45 Uhr

Globaler Kurseinbruch

Bärendienst der Fed

VonRalf Drescher

Mit der Operation Twist wollte die US-Notenbank den Märkten neue Zuversicht gegeben. Doch statt auf die neuen Milliarden schauen die Anleger auf den pessimistischen Konjunkturausblick der Fed. Die Kurse brechen ein.

Sorgenvoller Blick: Die US-Notenbank hat die Anleger mit einem skeptischen Konjunkturausblick schockiert. Reuters

Sorgenvoller Blick: Die US-Notenbank hat die Anleger mit einem skeptischen Konjunkturausblick schockiert.

DüsseldorfViele hatten es kommen sehen. Als die Aktienmärkte in der vergangenen Woche Tag für Tag deutlich anzogen, warnten die meisten Börsianer davor, die Gewinne überzubewerten. Das Schlimmste an den Märkten sei noch nicht ausgestanden. Es scheint, als sollten die Skeptiker Recht behalten. Binnen zwei Tagen hat der Dax sämtliche Kursgewinne wieder abgegeben. Seit Dienstagabend hat der deutsche Leitindex mehr als 400 Punkte eingebüßt. Zum Schluss lag er fünf Prozent im Minus bei gut 5.164 Punkten.

An anderen europäischen Aktienmärkten sieht es nicht besser aus, an der Wall Street fiel der Dow-Jones-Index am Donnerstag ebenfalls 3,3 Prozent. Und nicht nur an den Aktienbörsen fallen die Anleger in den Panikmodus zurück. Die wieder aufflammende Risikoscheu zeigt sich im Kurs des Euros, der binnen eines Tages um mehr als drei Cent auf 1,3450 Dollar abstürzte. Im Sog des Euros fällt auch der Goldpreis. Bei einem Kurs von 1.728 Dollar lag Gold am späten Nachmittag drei Prozent im Minus. Allerdings rutschte gleichzeitig auch die Notierung in Euro um zwei Prozent ab, was darauf hindeutet, dass Anleger an den Märkten auf breiter Front Kasse machen. Das zeigt sich auch am Ölmarkt: Der Preis für europäisches Brentöl verbilligte sich um 2,7 Prozent auf 110 Dollar je Barrel.

Der Tag an den Märkten (Stand 11:00 Uhr)

Dax

+ 0,6 Prozent

Euro-Stoxx 50

+ 0,7 Prozent

Dow Jones

+ 0,3 Prozent (20.10.)

Nikkei

+ 1,7 Prozent

CSI 300 (China)

- 0,3 Prozent (30.09.)

Euro

1,3774 Dollar (+ 0,01 Prozent)

Öl (Brent Barrel)

110,47 Dollar (- 0,3 Prozent)

Gold

1.621 Dollar (+ 0,2 Prozent)

Einzig am Anleihemarkt herrscht noch Kauflaune. Der Run auf sichere Staatsanleihen hat sich sogar noch einmal verstärkt: Zehnjährige Bundesanleihen rentieren nur noch mit 1,66 Prozent - ein Allzeittief. Gleich laufende US-Treasuries bieten mit 1,77 Prozent kaum mehr Rendite und auch 30-jährige US-Bonds werfen gerade noch 2,86 Prozent ab. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) kletterten unterdessen auf neue Rekordhochs. Vor allem die Absicherung zehnjähriger italienischer und spanischer Anleihen kostete so viel wie noch nie. Erstmals lag auch ein CDS auf Bundesanleihen bei mehr als 100.000 Euro.

Ausgelöst hat den neuen Abwärtssog die US-Notenbank Fed. Dabei haben Ben Bernanke und Kollegen den Märkten vordergründig das gegeben, wonach diese seit Wochen gelechzt haben. Die Fed beließ die Leitzinsen wie erwartet bei nahe Null. Angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche in den USA greift sie zudem noch einmal tief in die Kasse und nimmt weitere 400 Milliarden Dollar in die Hand. Mit dem Geld sollen lang laufende Anleihen gekauft werden. Gleichzeitig werden kurz laufende Anleihen verkauft. Die Idee dahinter: Durch den Anleihentausch sollen die Zinsen von Langläufern gesenkt werden. Hypotheken und langfristige Kredite für Privathaushalte und Unternehmen sollen dadurch billiger und die Konjunktur angeschoben werden.

Kommentare (8)

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Moika

22.09.2011, 16:55 Uhr

Bernankes Twist-Programm ist ein ebensolcher Kurzläufer: Denn auch diese Anleihen müssen einmal zurückgegeben werden.

So lange in den USA nicht die hauptsächlichsten Strukturprobleme beseitigt werden, braucht Ben kein frisches Geld mehr in die Hand zu nehmen. Sie schreiben sehr richtig, Herr Drescher, die Unternehmen würden in Liqudität schwimmen. Für wen also sollen die bereit gestellten Milliarden sein?

Daß sich die Börsianer freuen, ist eine Sache. Nur: Für die war der Segen aber nicht gemeint. Solange Obama glaubt, die Dinge regeln sich von selbst, wenn nur genügend billiges Geld im Umlauf ist, wird überhaupt nichts passieren - außer, daß es weiter abwärts geht.

Od das Obama einmal jemand flüstert?

Account gelöscht!

22.09.2011, 17:16 Uhr

Obama richtet zur Zeit seine Strategie auf seine Wiederwahl aus. Er unternimmt scheinbar auch solche Schritte, die früher für ihn undenkbar erschienen.

Moika

22.09.2011, 17:41 Uhr

Na welche denn? Wenn Sie so sicher sind, können Sie bestimmt ein paar benennen.

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