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17.01.2012

19:48 Uhr

Goldman-Stratege im Interview

„Bei Italiens Anleihen versagt der Markt“

VonAndrea Cünnen

Italien ist zu Unrecht in Misskredit geraten ist, meint Franceso Garzarelli, Co-Leiter des globalen Makro- und Markt-Research Teams bei Goldman Sachs. Warum das so ist und warum Italiens Anleiherenditen bald sinken.

Franceso Garzarelli, Co-Leiter des globalen Makro- und Markt-Research Teams bei Goldman Sachs Pressefoto Goldman Sachs

Franceso Garzarelli, Co-Leiter des globalen Makro- und Markt-Research Teams bei Goldman Sachs

Handelsblatt: Die Ratingagentur S&P hat die Bonität von neun der 17 Euro-Länder herabgestuft. Zu Recht?

Francesco Garzarelli: Hauptgrund für die Herabstufung ist die Ansicht von S&P, dass die Politik nicht genügend Maßnahmen ergriffen hat, um die Probleme der Schuldenkrise wirksam anzupacken und dass die bislang errichteten Brandschutzmauern – Hilfen der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Euro-Rettungsfonds (EFSF) – nicht ausreichen. Das dem so ist, kann man kaum verleugnen.

Besonders Italien ist an den Märkten aber schon lange vor der S&P-Aktion in Ungnade gefallen, und Investoren verlangen für Italiens Anleihen hohe Renditen. Warum?

Italien ist ein gutes Beispiel für die anhaltenden Fehlfunktionen am europäischen Anleihemarkt. Die Gespräche über die freiwillige Beteiligung der privaten Gläubiger an der Umschuldung Griechenlands (PSI), die im Juni 2011 begannen, machten einen Zahlungsausfall in Europa möglich. Daraufhin verdreifachten sich die Renditeaufschläge italienischer zu deutschen Staatsanleihen, obwohl sie sich bereits stark ausgeweitet hatten. Das lässt sich unmöglich mit Veränderungen der volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten in Einklang bringen.

Über 120 Prozent Staatsverschuldung vom Bruttoinlandsprodukt beunruhigen Sie nicht?

Nicht wirklich, schließlich konnte Italien zuvor schon lange mit einem hohen Haushaltsdefizit leben. Ironischerweise liegt die Differenz zwischen Italiens und Deutschlands Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt aktuell auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Italien zeichnete sich in der Krise auch durch eine umsichtige Fiskalpolitik aus. Das Land ist die drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum mit einer diversifizierten Industrie und es ist ein wichtiger Handelspartner für Deutschland.

So bewertet S&P die Euro-Länder

Belgien

Aktuelles Rating: AA

Ausblick: negativ

Deutschland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: stabil

Estland

Aktuelles Rating: AA-

Ausblick: negativ

Finnland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Frankreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Irland

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Italien

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Luxemburg

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Malta

Aktuelles Rating: A-

Ausblick: negativ

Niederlande

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Österreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Portugal

Aktuelles Rating: BB

Ausblick: negativ

Slowakei

Aktuelles Rating: A

Ausblick: stabil

Slowenien

Aktuelles Rating: A+

Ausblick: negativ

Spanien

Aktuelles Rating: A

Ausblick: negativ

Zypern

Aktuelles Rating: BB+

Ausblick: negativ

Die Regierung unter Silvio Berlusconi hat also keine Fehler gemacht?

Doch. Sie hat zu spät erkannt hat, dass sich der Fokus der Investoren davon weg verlagert hat, wie Länder ihre Defizite drosseln, und inzwischen stärker darauf liegt, wie sie aus ihren bestehenden Verbindlichkeiten herauswachsen können. Bis vor kurzem wurden zudem alle Bemühungen, Wachstum zu befördern, nur halbherzig angegangen und die Regierung ist nicht geschlossen aufgetreten. Das hat das Misstrauen der Investoren verstärkt. Dazu kommt, dass Italiens Wachstumshistorie eher trübe ist, und das PSI schien darauf hinzudeuten, dass eine Restrukturierung alter Schulden in der Euro-Zone toleriert würde. Investoren dachten: Wenn Griechenland das machen kann, warum sollten es andere Länder nicht auch können? Und das führte schließlich zu Panik.

Sehen Sie Fortschritte unter der neuen Regierung?
Ja. Die neue Regierung unter Mario Monti geht die Reformen energischer an. Sie hat die Rentenreform beschleunigt, Immobilieneigentum und Anlagevermögen besteuert und versucht nun, grundlegende Reformen für stärkeres Wachstum durchzubringen, und zwar durch die Stärkung des Wettbewerbs in verschiedenen Märkten. Zugegebenermaßen ist das eine delikate Phase für das Land. Die Regierung wird auch die politisch schwierige Aufgabe angehen, die Größe des Staatssektors fortschreitend zu reduzieren.

Kommentare (9)

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Peer

17.01.2012, 20:03 Uhr

Dieser nette Herr ist genau so kompetent,
wie der Schlachter bei voll kompenten ist, wenn das Schweiun ihn um Rat für seine Rente fragt.

Account gelöscht!

17.01.2012, 20:07 Uhr

Italien ist das 2. Griechenland und das waren die bereits vor dem Euro Wahnsinn bereits. Wer die Mentalität dort kennt wie auch in Spanien, der weiss worauf wir da zusteuern. Die bekommen nichts gebacken aber auch GAR NICHTS!!!

Betrugsdienstleister-Goldm.Sachs

17.01.2012, 20:33 Uhr

Bei Google erzielt die Kombination der Suchbegriffe "Goldman Sachs" und "Fraud" ( = Betrug) 22 900 000 Fundstellen.
Auch war es Goldman Sachs, die den kreditunwürdigen Griechen beim Frisieren der Verschuldungszahlen behilflich waren. Griechenland bekam auf diese Weise unberechtigt Zugang zu weiteren Krediten - die Betrugsdienstleister von Goldman Sachs strichen dafür eine Prämie im dreistelligen Millionenbereich ein.
Nun lancieren die Betrugsdienstleister in den Medien eine interessengeleitete Sicht über italienische Anleihen ...

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