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29.06.2011

14:02 Uhr

Griechenland-Abstimmung

Aktien, Anleihen und Euro legen deutlich zu

Die Investoren sind sich ihrer Sache sicher. Sie rechnen fest damit, dass Griechenland für ein neues Sparpaket stimmt. Nur was passiert, wenn doch alles anders kommt?

Demonstranten protestieren vor dem Parlament in Athen. Die Abgeordneten stimmen über ein neues Sparpaket ab. Quelle: dpa

Demonstranten protestieren vor dem Parlament in Athen. Die Abgeordneten stimmen über ein neues Sparpaket ab.

DüsseldorfAlles hängt von dieser Abstimmung ab: Heute entscheiden die Abgeordneten im griechischen Parlament, ob sie den harten Sparkurs der Regierung unterstützen. Nur wenn das Parlament zustimmt, gibt es weitere Kredite von den anderen Euroländern und dem IWF. Andernfalls droht die Pleite.

Am Finanzmarkt rechnet kaum jemand damit, dass die Griechen das riskieren wollen. Es zeichne sich ab, dass das Parlament dem Sparpaket zustimme und damit eine Insolvenz Griechenlands vermieden werden könne, heißt es in einem Kommentar der HSH Nordbank.

Prominente Stimmen zur Schuldenkrise

Axel Weber, Ex-Chef der Bundesbank

„Ab einem bestimmten Punkt muss man seine Verluste einschränken und das System neu starten“

Horst Köhler, ehemaliger Bundespräsident und einst Chef des IWF

„Die Euro-Gruppe und das ganze europäische Projekt stehen wegen gravierender politischer Versäumnisse in der Vergangenheit vor einer nie dagewesenen Zerreißprobe.“

George Soros, Großinvestor und Präsident von Soros Fund Management

„Seien wir mal ehrlich: Wir stehen am Rand des Zusammenbruchs, der - sagen wir mal - mit Griechenland anfängt, aber sich leicht ausweiten kann.“

Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister

„Wir stehen vor dem realen Risiko der ersten ungeordneten Staatsinsolvenz innerhalb der Euro-Zone.“

Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleiheinvestors Pacific Investment Management Co (Pimco)

„Griechenland hat zu viele Schulden und kann nicht wachsen, solange diese Probleme nicht gelöst sind. [...] Das Land wird um eine Umschuldung nicht herumkommen.“

Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung

„Also das Geld ist verloren. Die Griechen können ja jetzt schon nicht zurückzahlen. Griechenland war im Grunde schon vor einem Jahr pleite.“

Barack Obama, US-Präsident

„Eine Spirale der Zahlungsunfähigkeit wäre eine Katastrophe.“

Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank

„Solidarität darf nicht in der Weise missverstanden werden, dass die europäischen Partner und die internationale Gemeinschaft keine andere Wahl hätten, als die Finanzierung fortzusetzen. Niemand ist erpressbar und niemand darf erpressbar sein. [...] Das Schicksal des Euro hängt nicht an Griechenland.“

Warren Buffett, Investmentlegende

„Ein Kollaps des Euro ist nicht undenkbar.“

Kenneth Rogoff, Harvard-Professor und ehemaliger Chefökonom des IWF

„Die EU schiebt das Schuldenproblem nicht nur vor sich her, sondern wie einen Schneeball den Berg hinunter.“

Jean-Claude Juncker, luxemburgischer Premier und Eurogruppenchef

„Es wird keine vollständige Umschuldung Griechenlands geben. Auch der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist niemals ein Thema gewesen“.

Jim Rogers, Börsenexperte

„Lasst Griechenland pleitegehen!“

Jim O'Neill, Chef der Vermögensverwaltung bei Goldman Sachs

„Es wäre besser für die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Währungsunion, die Restrukturierung Griechenlands schnell über die Bühne zu bringen. Wenn nicht, wird die Krise immer schlimmer und breitet sich womöglich auch auf andere Länder aus.“

Bill Gross, Manager des größten Anleihefonds der Welt

„Die Währungshüter versuchen, das Ungleichgewicht von zu hohen Schulden und zu attraktiven Zinsen auf Ersparnisse auszugleichen. Man könnte das als finanzielle Repression bezeichnen. Wir nennen es Taschendiebstahl.“

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Wenn der Euro als Ganzes in Gefahr ist, ist es das deutsche Interesse zu helfen, um den wirtschaftlichen Aufschwung nicht zu gefährden.“

Im Vorfeld der Abstimmung machte sich Optimismus an den Märkten breit. Der Euro kletterte auf 1,4421 Dollar. Die Kurse für griechische Staatsanleihen machten Boden gut - die Rendite für zweijährige Papiere fiel um 155 Basispunkte auf 24,61 Prozent. Kursgewinne verzeichneten auch portugiesische, spanische und italienische Papiere. Die Renditespreads gegenüber den Bundesanleihen verringerten sich den dritten Tag in Folge. Die Renditen von zweijährigen portugiesischen Bonds fielen beispielsweise um 81 Basispunkte auf 11,81 Prozent.

Auch am Aktienmarkt herrschte gute Stimmung. Der Dax stieg um 1,8 Prozent auf 7300 Punkte. „Die Anleger setzen darauf, dass das Sparpaket durchgeht. Alles andere würde Griechenland in ein noch größeres Chaos stürzen“, sagte ein Händler.

Kommentare (13)

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gdopamin

29.06.2011, 11:30 Uhr

Was glauben all die Finanzheinis eigentlich damit erreicht zu haben, wenn GR. jetzt noch mal „gerettet“ wird?
Das System ist am Ende.
Will man in Zukunft monatlich „Rettungen“ feiern. Von Portugal, von Spanien oder Irland oder im August die Rettung der USA oder die Rettung der italienischen Banken oder von Slowenien oder GB?
Oder die Rettung vor der chinesischen Immoblase?

Das bedeutet doch nur, dass der Knall um so lauter ausfällt.

Je eher reiner Tisch gemacht wird um so besser. Alles andere ist Konkursverschleppung.


Bilanzbuchhalter

29.06.2011, 12:14 Uhr

Wie soll sich Griechenlands Wirtschaft in der erkauften Zeit erholen, wenn in genau dieser Zeit auf "Teufel komm raus" gespart werden muss? Das ist Blödsinn und kann nicht funktionieren. Griechenland ist am Ende!

gdopamin

29.06.2011, 12:36 Uhr

Ich kann mich nicht entsinnen Ihnen das „Du“ angeboten zu haben.

Ihrem „Namen“ nach zu urteilen, sind Sie ein Profiteur dieses ganzen Ponzi Schema.

Na ja für jemanden der davon lebt, das produktiv schöpferische Menschen das Zinseszinssystem aufrecht erhalten und der leistungsloses Einkommen bezog, indem er sein Geld für sich „arbeiten“ lies, sind das schon ziemlich bittere Zeiten.

Könnte ja sein, dass das System in Frage gestellt wird und dann müsste man ja echt wiedr richtig arbeiten.

Aber vielleicht versuchen Sie es mal wieder mit richtiger, ehrlicher, harter Arbeit. Ist ein echtes Realitätserlebnis. Insbesondere was die Dimensionen von Zahlen angeht.

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