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04.02.2015

14:55 Uhr

Griechenland-Anleihen

Bis in alle Ewigkeit

VonJessica Schwarzer

Würden Sie den Griechen Geld leihen? Auf immer und ewig? Diese Idee hat der neue griechische Finanzminister. Er plant ewige Anleihen. Die Idee ist nicht neu und hat ihren Reiz – zumindest für die Griechen.

Griechenland will Bonds ohne Laufzeitende begeben. Getty Images

Ewige Anleihen

Griechenland will Bonds ohne Laufzeitende begeben.

DüsseldorfDas Wort „Schuldenschnitt“ kam bei den Gläubigern Griechenlands gar nicht gut an. Also vollzog der neue griechische Finanzminister Yanis Varoufakis eine vermeintliche Rolle rückwärts und stellte ein alternatives Umschuldungsmodell vor, um den Streit mit den internationalen Geldgebern beizulegen.  Seine Lösung: ewige Anleihen, also Papiere mit unbegrenzter Laufzeit. Mit ihnen sollen die finanziellen Belastungen für sein Land tragbar gemacht werden.

Klingt erst einmal gut, doch Experten beäugen den neuen Plan kritisch. „Griechenland würde sich mit ewigen Anleihen ein niedriges Zinsniveau für eine noch längere Laufzeit als bislang sichern“, sagt Daniel Hartmann, Euro-Zonen-Analyst des Anleihemanagers Bantleon. „Meiner Ansicht nach stellt diese Idee aber nur ein Ablenkungsmanöver dar.“ Die aktuellen griechischen Kredite würden bereits jetzt sehr günstige Konditionen aufweisen.

Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen mit Griechenland

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner?

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner in der Griechenland-Krise? Seit dem Sieg von Syriza ist das Verhandeln mit dem Staat von der Größe Brandenburgs komplizierter geworden...

Jean-Claude Juncker

Der 60-Jährihe gilt als Europäer aus Leidenschaft. Er war und ist eine der Schlüsselfiguren bei der Euro-Rettung. Acht Jahre lang (von 2005 bis 2013) war der Luxemburger Vorsitzender der Eurogruppe, der die Finanzminister der Staaten mit Euro-Währung angehören. In dieser Funktion hat Juncker seit 2010 maßgeblich die Rettungsprogramme für Krisenstaaten wie Griechenland ausgehandelt. Der Christsoziale war 18 Jahre lang (bis Ende 2013) Premierminister in Luxemburg – inzwischen ist er Präsident der EU-Kommission.

Mario Draghi

Der 67 Jahre alte italienische Bankmanager und Wirtschaftswissenschaftler ist seit November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter seiner Führung pumpte die Notenbank billiges Geld in das Bankensystem, schaffte die Zinsen im Euroraum quasi ab und schuf ein Kaufprogramm, um notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben.

Christine Lagarde

Die französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zuvor war sie Wirtschafts- und Finanzministerin in Paris. Die 59 Jahre alte Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Auf ihr lastet jedoch, dass die französische Justiz gegen sie in einer Affäre um mutmaßliche Veruntreuung öffentlicher Mittel aus ihrer Zeit als Ministerin ermittelt.

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble

Bundeskanzlerin Merkel hatte mit Beginn der dramatischen Finanzkrise in Griechenland auf die Bremse gedrückt. Die eiserne Devise von Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble: Keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. In Athen wurde Merkel dann bei einem Besuch mit Plakaten begrüßt, auf denen sie mit Hitler-Bart zu sehen war. Nach dem Regierungswechsel in Athen ist Berlin für Kompromisse offen: Ein verlängertes Hilfsprogramm oder nochmalige Krediterleichterungen. Ein weiterer Schuldenschnitt wird aber abgelehnt.

„Das Problem Griechenlands besteht derzeit nicht in schlechten Kreditkonditionen oder hohen Zinslasten“, ergänzt er. „Vielmehr hat das Land ein akutes Liquiditätsproblem, weil es nicht kapitalmarktfähig ist – ab März geht dem Land das Geld aus.“ Lösen lasse sich dieses Dilemma nur durch ein  drittes Hilfsprogramm für Griechenland. Die Experten der DZ Bank werden noch deutlich und unterstellen den Griechen, mit den ewigen Bonds lediglich den Begriff „Schuldenschnitt“ vermeiden zu wollen, der in Ländern wie Deutschland politisch inakzeptabel sei.

Die Ausgabe von Anleihen ohne Fälligkeit erlaubt es Staaten theoretisch, Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen, ohne es jemals zurückzuzahlen. Ein Kredit für die Unendlichkeit sozusagen. Und genau das ist Analysten mit Blick auf Griechenland ein Dorn im Auge. Auch die Experten der Essener National-Bank bezeichneten die angedachte Umwandlung von Verbindlichkeiten in  ewige Anleihen sogar als „Schuldenschnitt durch die Hintertür“.

Wunsch nach Entlastung: Rolle rückwärts in Athen

Wunsch nach Entlastung

Premium Rolle rückwärts in Athen

Der griechische Finanzminister Varoufakis hat die Forderungen nach einem Schuldenschnitt zurückgezogen. Auf ihrer Tour durch Europa wird ihm und dem neuen Premier Tsipras klar: Die Geldgeber halten die Taschen zu.

Bislang sind die „Ewigkeitsanleihen“, Konsols oder Perpetuals,  wie sie im Jargon der Börsianer genannt werden, von Industrieländern eher selten ausgegeben worden. Neu ist die Idee der Griechen aber nicht, es gibt sie quasi schon seit einer Ewigkeit. Erfunden haben sie die Briten. Die Tradition der ewigen Anleihen reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Und das Thema ist bei den Finanzministern in London bis heute aktuell. Denn mitunter endet die Ewigkeit auch: Das Königreich will beispielweise Anfang März eine 1,9 Milliarden Pfund schwere Kriegsanleihe tilgen.

Das mit 3,5 Prozent verzinste Papier war 1932 begeben worden, um Schulden aus dem Ersten Weltkrieg zu refinanzieren. Nach Daten der Nachrichtenagentur Reuters entfallen knapp 1,5 Prozent des Emissionsvolumens britischer Anleihen auf die Ewigkeitspapiere. Die Bundesrepublik hat bislang keine solchen Anleihen ausgegeben.

Kommentare (42)

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Herr Roland Hegglin

04.02.2015, 15:05 Uhr

Wie die Umschuldung oder auch der Schuldenschnitt aus Sehen wird, spielt keine Rolle. Die Sozis haben noch nie Verstanden wie man ein Projekt finanziert. Und abgesehen sind die andern immer für ihr Scheitern verantwortlich. Ein Zeichen von Schwäche und Inkompetenz.
Da hilft nur noch Zuckerbrot und Peitsche. Wenn die Steuerreformen umgesetzt ist und wirken und jeder seinen gerechten Steuerbetrag bezahlt, gibt es einen prozentualen Schuldenerlass. Für die Bekämpfung von Vetternwirtschaft und Korruption, gibt es den nächsten prozentualen Schuldenerlass. Und so weiter. Und wenn sie das nicht wollen, dann müssen Sie sich am Kapitalmarkt rekapitalisieren.
Denn auf ihre Versprechungen kann man nicht Bauen, sie müssen Beweisen das sie es können, ansonsten ist das nur ein Verlust Geschäft. Ein Zeichen von Schwäche und Inkompetenz.

Herr Peter Kaminski

04.02.2015, 15:14 Uhr

Bis dass der Tod euch scheidet...:-)

Murksel und der Wolfgang werden es garantiert irgendwie versteckt von der Öffentlichkeittun, den Hellenen auf ewig Geld zu leihen. Dieses Land war, ist und bleibt eines der dümmsten auf diesem Planeten.
Da sah man, dass Teutonen einmal vor den Franzosen auf die Straße gingen, zu meiner vollsten Überraschung, und nun haben sie sich wie immer selbst zerlegt.
Freue mich auf meinen Favoriten im Herbst in Spanien, Senor Pablo Iglesias von Podemos, demFreund von Alexis Tsipras, dann werden Murksel und Wolfgang noch mehr Druck erfahren, und später erst recht noch noch durch Fronkreisch...
Bewundere inzwischen mehr doe Poltis von Hellas und Spanien als die hiesigen.
Und das als Bürgerlicher Teutone. Wie weit ist es gekommen.

Herr Michael Müller

04.02.2015, 15:18 Uhr

Wie sagte schon FJS:
"Das eigenartige an Sozialisten ist doch, dass sie ihre Lehren aus der Vergangenheit ziehen, in der Gegenwart versagen und für die Zukunft goldene Berge versprechen"
Zitat von 1975, in: Quick 23.12.1975

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