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28.03.2014

10:10 Uhr

Griechenland-Anleihen

Rückkehr aus der Unterwelt

VonJörg Hackhausen

Griechenland drängt zurück an den Kapitalmarkt. Die Regierung will einen Erfolg um jeden Preis. Aber ist das Land überhaupt dafür bereit? Und wer soll neue Anleihen kaufen? Ein gewagtes Experiment steht kurz bevor.

Die Wiederkehr aus dem Hades, der Unterwelt in der griechischen Mythologie, ist ein schwieriges Unterfangen. Eine ähnliche Herkulesaufgabe erwartet Griechenland mit der Rückkehr an den Anleihemarkt. Getty Images

Die Wiederkehr aus dem Hades, der Unterwelt in der griechischen Mythologie, ist ein schwieriges Unterfangen. Eine ähnliche Herkulesaufgabe erwartet Griechenland mit der Rückkehr an den Anleihemarkt.

DüsseldorfDie Euro-Krise nahm ihren Anfang in Griechenland. Und sie wird erst beendet sein, wenn das Land nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen ist. Ein erster Schritt in diese Richtung steht kurz bevor: Griechenland drängt auf eine Rückkehr an den Kapitalmarkt. Wenn es nach griechischen Politikern geht, wird das Land schon bald neue Anleihen begeben, noch vor der Europawahl im Mai. „Wir sind fast bereit“, sagte der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras am Mittwoch im griechischen Rundfunk.

Wenn alles glatt geht, könnte der Tag der Anleiheauktion zum Fanal werden: ein politischer Triumph nicht nur für die Griechen selbst, sondern für die gesamte Euro-Zone. Aber ist Griechenland überhaupt schon wieder bereit für die Märkte? Und sind die Investoren bereit für Griechenland?

Hinter den Kulissen sind die Vorbereitungen in vollem Gange. Die griechische Finanzagentur lotet aus, welche Konditionen sie den Anlegern bieten muss. Im Gespräch ist der Verkauf eines fünfjährigen Schuldtitels im Volumen von zwei Milliarden Euro - auch wenn eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen, wie ein ranghoher Beamter des Finanzministeriums bekundet.

Kapitalbedarf der Euro-Staaten 2014

Deutschland

Refinanzierungsbedarf 2014: 173 Milliarden Euro
Davon im ersten Quartal gedeckt: 26,6 Prozent
Quelle: Commerzbank, Stand: 28.03.2014

Frankreich

Refinanzierungsbedarf 2014: 198 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 29,7 Prozent

Spanien

Refinanzierungsbedarf 2014: 125 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 35,3 Prozent

Österreich

Refinanzierungsbedarf 2014: 24 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 15,3 Prozent

Niederlande

Refinanzierungsbedarf 2014: 50 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 40,5 Prozent

Belgien

Refinanzierungsbedarf 2014: 34 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 41,3 Prozent

Italien

Refinanzierungsbedarf 2014: 247 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 28,2 Prozent

Portugal

Refinanzierungsbedarf 2014: 8 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 65,6 Prozent

Finnland

Refinanzierungsbedarf 2014: 12 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 33,3 Prozent

Irland

Refinanzierungsbedarf 2014: 10 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 47,5 Prozent

Slowenien

Refinanzierungsbedarf 2014: 7,7 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 33,0 Prozent

Slowakei

Refinanzierungsbedarf 2014: 7,0 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 36,4 Prozent

„Es hat den Anschein, dass es der griechischen Finanzagentur mit einem ersten Bond auf absehbare Zeit sehr ernst ist“, sagt David Schnautz, Anleihespezialist der Commerzbank. Es sollte mindestens ein Volumen von zwei Milliarden Euro werden; noch besser wären vier Milliarden Euro, um die bestehende Finanzierungslücke in diesem Jahr zu schließen. Schnautz schätzt, dass die Rendite für eine fünfjährige Anleihe mit einem Volumen von drei Milliarden Euro unter sechs Prozent liegen dürfte. „Die Rendite wäre zwar hoch, aber nicht jenseits von Gut und Böse“, so Schnautz.

Seit vier Jahren hat die Finanzagentur keine länger laufende Anleihe mehr unterbringen können. Nach dem Schuldenschnitt, der nichts anderes als eine verkappte Staatspleite war, war Griechenland bei Investoren unten durch. Die anderen Euro-Staaten, allen voran Deutschland, sowie die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) mussten aushelfen. Die ersten beiden Hilfspakete hatten ein Volumen von insgesamt 240 Milliarden Euro.

„Idealerweise würden wir am liebsten keine neuen Kredite unserer europäischen Partner annehmen“, erklärte Finanzminister Stournaras. Dass es sich dabei um Wunschdenken handelt, weiß der Politiker selbst wohl am besten. Griechenland braucht dringend die nächste Kredittranche, um einen Zahlungsausfall im Mai zu verhindern. Dann muss die Regierung in Athen nämlich Staatsschulden im Umfang von 12,5 Milliarden Euro zurückbezahlen.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

28.03.2014, 11:01 Uhr

"Und sie wird erst beendet sein, wenn das Land nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen ist."
---
Also nie. Griechenland ist seit 200 Jahren entweder zahlungsunwillig oder ~unfähig.
Btw. wenn's mit den geplanten, neuen Anleihen schiefgeht, darf dann wieder der (deutsche) Steuerzahler dafür geradestehen, anstatt der, der Hochrisikopapiere kaufte. Alternativlos selbstverständlich!

Account gelöscht!

28.03.2014, 11:28 Uhr

Oky, der Riss zur Neuen Weltordnung ist nun wohl unverkennbar. Bisher war es nur das volk, was sich gegen die NWO gewehrt hatte. Egal, ob es gegen die NYC Bankster an der Wallstreet ging oder sich der Widerstand in den Mittelmeerländern gegen die EU Vereinnahmung ging.

Aber nun stuert Herr Putin von oben das alles noch.

#### Volksbefragung ####

Alle Handlanger der NWO bekommen Panik Attacken und werden gerade von Alpträumen geplagt. Denn gegen Volksbefragungen kommen sie nicht an.

Account gelöscht!

28.03.2014, 11:30 Uhr

der deutsche Steuerzahler haftet in jedem Fall, denn die neuen Anleihen sind garantiert so gestaltet, daß erneut der Steuerzahler haftet. Also für die großen Fonds NULL Risiko.

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