Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2015

13:21 Uhr

Griechenland

Athen peilt 2016 Rückkehr an den Kapitalmarkt an

Griechenland hat schon seit Mitte 2014 keine Staatsanleihen mehr bei privaten Investoren platziert. Das soll sich im nächsten Jahr ändern. Vorher müssen aber noch andere Hürden genommen werden.

In der zweiten Jahreshälfte 2016 will Griechenland an den Anleihe-Markt zurückkehren. dpa

Rückkehr an die Märkte

In der zweiten Jahreshälfte 2016 will Griechenland an den Anleihe-Markt zurückkehren.

LondonDas erst im Sommer mit einem dritten Hilfspaket der Euro-Zone vor der Pleite bewahrte Griechenland will schon in einem Jahr an den privaten Kapitalmarkt zurückkehren. Finanzminister Euklid Tsakalotos sagte am späten Dienstagabend in London, er peile dafür die zweite Jahreshälfte 2016 an. Zuletzt hatte das Land Mitte 2014 länger laufende Anleihen bei privaten Investoren platzieren können. Im Streit mit der Euro-Zone über die Auflagen für weitere Auszahlungen aus dem 86-Milliarden-Hilfsprogramm rechnet die Regierung in Athen bis Montag mit einem Durchbruch.

Das überschuldete Griechenland ist seit 2010 faktisch vom Kapitalmarkt abgeklemmt und bringt seitdem im Wesentlichen nur noch kurzlaufende Papiere bei Investoren unter. Die Finanzierung des Staatsetats stellen die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds sicher – allerdings gekoppelt an Reformauflagen. Tsakalotos sagte, er habe am Dienstag mit Hedge-Fonds über eine Rückkehr an den Kapitalmarkt gesprochen. „Es ging um generelle Sachen wie den Zeitplan, die griechische Wirtschaft, die Rekapitalisierung der Banken, wann wir einen Rückkehr an die Märkte planen und so weiter“, sagte der Finanzminister.

Vor dem politischen Linksruck im Januar und dem folgenden Reformstreit mit der Euro-Zone, der schließlich in das dritte Hilfspaket mündete, war es Griechenland zwar gelungen, einige langfristige Papiere am Markt unterzubringen. Zurzeit wird für die umlaufenden zehnjährigen Anleihen am Markt allerdings wieder ein Risikoaufschlag von 7,7 Prozent fällig. Nach Einschätzung von Experten wäre das bei Neuemissionen deutlich zu hoch für den klammen griechischen Staatshaushalt. Ein dreimonatiger Kurzläufer über 1,138 Milliarden Euro fand dagegen am Mittwoch zu einem Zins von 2,7 Prozent ausreichend Käufer.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Wegen der Reformauflagen für die Hilfskredite der Euro-Zone und des IWF ist der griechischen Regierung an einer möglichst zügigen Rückkehr an den Kapitalmarkt gelegen. Zurzeit dreht sich der Streit mit den Geldgebern um die Banken: Die Gläubiger dringen auf eine stärkere Position der Geldhäuser gegenüber säumigen Immobilien-Kreditnehmern, um den hohen Anteil der faulen Kredite in den Bilanzen zu verringern. Die Regierung will dagegen Zwangsräumungen ärmerer Immobilienbesitzer verhindern.

Wegen des Streits liegt derzeit eine Kapitalspritze von zehn Milliarden Euro aus dem Hilfspaket für die Banken auf Eis. Außerdem wird eine weitere Subtranche von zwei Milliarden Euro für den Staatshaushalt zurückgehalten. Eine Regierungssprecherin sagte, bis Montag werde eine Einigung mit den Geldgebern stehen.

Das viertgrößte Geldhaus Alpha Bank erklärte, durch die Ausgabe neuer Aktien 1,66 Milliarden Euro einnehmen zu wollen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte bei der Bank ein Kapitalloch von 2,74 Milliarden Euro bei einer unvorteilhaften wirtschaftlichen Entwicklung ausgemacht. In einem günstigeren Szenario wären es 263 Millionen Euro. Von den vier großen Banken des Landes schneidet Alpha damit immer noch am besten ab.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×