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15.07.2015

16:30 Uhr

Griechenland-Hängepartie

Staatsanleihen finden keine Fans

An den Anleihenmärkten herrscht auch nach der Einigung Griechenlands mit seinen Gläubigern Skepsis. Noch immer schreckt ein möglicher „Grexit“ die Anleger. Und kommt das neue Sparpaket überhaupt durchs Parlament?

An den Anleihenmärkten überwiegt beim Blick nach Griechenland die Skepsis. dpa

Athen und die Eurozone

An den Anleihenmärkten überwiegt beim Blick nach Griechenland die Skepsis.

Frankfurt/AthenNach einem sechsmonatigen Verhandlungsmarathon hat sich Griechenland mit seinen Gläubigern auf einen Rettungsplan geeinigt. Die Investoren an den Bondmärkten der Region zeigen indes wenig Begeisterung. Die Parole heißt: Abwarten, ob die Pläne auch wirklich das Parlament in Athen passieren.

Die Staatsanleihen des Euroraums tun sich schwer, eine klare Richtung zu finden, seit die Vereinbarung am Montag verkündet wurde. Nur langsam kommen Investoren zurück in die Bondmärkte der Peripherieländer des Euroraums. Skepsis herrscht vor, ob die Vereinbarung wirklich eine umfassende Verbesserung der Finanzlage in Griechenland bedeuten kann.

Zwar schien die erste Reaktion der Händler Erleichterung darüber zu sein, dass ein Rettungspaket zu Stande kam, mit dem das Land im Euro bleiben kann. Doch die Kursgewinne bei den Staatsanleihen der anderen Euro-Länder mit höherer Verschuldung und höheren Defiziten flauten im Verlauf wieder ab.

„Es hat nicht lange gedauert, bis der Markt festgestellt hat, dass dies nicht die endgültige Vereinbarung und ein Grexit weiterhin nicht völlig vom Tisch ist“, sagte Marius Daheim, leitender Zinsstratege bei der SEB in Frankfurt. Es sei im Wesentlichen ein politischer Markt, in dem hier gehandelt werde. Daher könne man nicht zu validen Annahmen kommen. Die Investoren würden nur kleine Positionen eingehen und versuchen, sich an den Schlagzeilen zu orientieren, so Daheim.

Für Daheim liegt das Risiko, dass die Vereinbarung scheitert und Griechenland die Währungsunion verlassen muss, bei über 50 Prozent. Die Folge könnten ein Ausverkauf bei den Peripherieanleihen, etwa von Italien und Spanien, und andererseits verstärkte Käufe bei deutschen Bundesanleihen sein.

Griechenland - die sechste

Bundestag muss über Hilfen abstimmen

Nachtsitzungen, Pleite-Sorgen, Reformprogramme: Der Kampf gegen die griechische Schuldenkrise beschäftigt Europa nun seit über fünf Jahren. Griechenland war das erste Euroland, das Finanzhilfen der Partner in Anspruch nehmen musste - und ein Ende des Dramas ist auch nach der Einigung von Montagfrüh nicht in Sicht.

...zum sechsten Mal

Nun soll ein drittes Hilfsprogramm ausgehandelt werden. Nötig ist dafür unter anderem grünes Licht des Bundestags, der voraussichtlich am Freitag zusammentritt - und damit zum sechsten Mal über eine Griechenland-Rettung abstimmt.

Erstes Hilfspaket

Um einen Staatsbankrott für Griechenland abzuwenden, schnürten die europäischen Partner im Frühjahr 2010 ein erstes Hilfspaket von 110 Milliarden Euro. Internationaler Währungsfonds (IWF), Europäische Zentralbank (EZB) und EU-Kommission einigten sich mit der griechischen Regierung auf ein Sanierungsprogramm. Am 7. Mai 2010 stimmte der Bundestag dem Hilfspaket zu. Damit erklärte sich Deutschland bereit, dem hochverschuldeten Land Notkredite von bis zu 22,4 Milliarden Euro zu gewähren.

Zweites Hilfspaket

Wegen der desolaten Lage in dem Mittelmeerstaat waren die ursprünglichen Hilfsmaßnahmen schnell überholt. Die Euro-Finanzminister brachten daher im Februar 2012 ein neues Paket in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro auf den Weg. Voraussetzung hierfür war ein weiteres Sparprogramm von griechischer Seite. Der Bundestag stimmte dem Hilfspaket am 27. Februar 2012 zu.

Änderungen am zweiten Hilfsprogramm

Als sich abzeichnete, dass Griechenland den vereinbarten Sanierungsfahrplan nicht einhalten kann, einigten sich die internationalen Geldgeber in mühsamen Verhandlungen darauf, Athen zwei Jahre mehr Zeit zu geben. Der entsprechenden Änderung des Hilfspakets vom Februar stimmte der Bundestag am 30. November 2012 zu.

Erste Verlängerung des zweiten Hilfsprogramms

Bei der Umsetzung der Reformen und deren Überprüfung kam es immer wieder zu Verzögerungen. Deswegen beschloss die Eurogruppe eine "technische Verlängerung" des zweiten Hilfsprogramms, das eigentlich bereits Ende 2014 auslaufen sollte, bis Ende Februar 2015. Der Bundestag stimmte diesem Schritt am 18. Dezember 2014 zu.

Zweite Verlängerung des zweiten Hilfsprogramms

Vier Wochen nach Amtsantritt der neuen linksgeführten Regierung in Athen einigten sich die Euroländer nach nervenzehrenden Verhandlungen mit Griechenland auf eine weitere Verlängerung des Hilfsprogramms um vier Monate. Im Gegenzug musste Athen Reformzusagen machen. Der Bundestag stimmte am 27. Februar dieses Jahres zu. In der Unionsfraktion verweigerten 32 Abgeordnete ihre Zustimmung, Dutzende Parlamentarier von CDU und CSU gaben zudem in persönlichen Erklärungen ihre Bedenken zu Protokoll.

Drittes Hilfsprogramm (1)

Nach dem Auslaufen des zweiten Hilfsprogramms Ende Juni stand Griechenland vor dem finanziellen Kollaps. In dramatischen Sitzungen handelten die Eurostaaten am Wochenende die Eckpunkte eines dritten Hilfspakets aus. Es soll aus dem dauerhaften Euro-Rettungsfonds ESM finanziert werden.

Drittes Hilfsprogramm (2)

Dafür ist aber bereits vor Aufnahme der offiziellen Verhandlungen die Zustimmung des Bundestags nötig. Die Abgeordneten werden deswegen wohl ihre Parlamentsferien unterbrechen und für die Sondersitzung des Bundestags am Freitag nach Berlin zurückkommen müssen. Und es wird nicht die letzte Abstimmung in Sachen Griechenland sein: Auch über das ausverhandelte Paket muss erneut der Bundestag - vermutlich in einigen Wochen - entscheiden.

Die Reaktion auf die Vereinbarung mit Athen sei eher nicht euphorisch oder den Risikoappetit stärkend gewesen, sagt auch Robin Marshall, Direktor Festverzinsliche bei Smith & Williamson Investment Management in London. “Hauptsächlich liegt der Fokus jetzt auf dem Umsetzungsrisiko - dass die Vereinbarungen in Griechenland wirklich in die Tat umgesetzt werden.” Auch gebe es noch keine Klarheit über die Überbrückungsfinanzierung. Das schaffe Unsicherheit.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

15.07.2015, 18:17 Uhr

Kurz laufende Griechenpapiere konnten bis vor kurzem noch über die Nationalbank dort an die EZB gegeben werden - als "Sicherheit" für kurze Kredite.

So hat die EZB schon seit Jahren - die haben das Elend ja auch kommen sehen - vor allem Griechenanleihen aller Laufzeiten c/o EU-Bankensystem angekauft - zu unangemessenen 100%.
Damit wurden alle Risiken auf den Steuerzahler verlagert, der für die Fehler der EZB bezahlen muß.

Um die kompletten damals zwei Billionen Euro zu Schaden der Steuerzahler unterbringen zu können, wurden weitere Anleihen der PIIGSZF-Länder übernommen.
So sind die Euroländer allesamt kurz vor der Pleite - auch Deutschland - nur die Menschen wissen es noch nicht.

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