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18.04.2011

14:49 Uhr

Griechenland

Märkte glauben nicht an Umschuldungs-Dementi

VonLaura de la Motte

Obwohl Griechenland bis 2013 Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm garantiert ist, wächst an den Märkten die Sorge vor einem Ausfall der Staatsanleihen. Die Renditen für zweijährige Anleihen steigen auf mehr als 18 Prozent.

Die Diskussionen der Politik beruhigt die Investoren schon lange nicht mehr. Quelle: dpa

Die Diskussionen der Politik beruhigt die Investoren schon lange nicht mehr.

FrankfurtBeharrlich versucht die griechische Regierung die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die Rückzahlung der ausgegebenen Staatsanleihen nicht in Gefahr ist - doch die Märkte glauben den Griechen nicht. Investoren fliehen aus griechischen Staatsanleihen, deren Kurse fallen immer tiefer.

„Eine Umschuldung wird von uns nicht erörtert“, hatte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou noch am Freitag in einem Interview mit Bloomberg News in Washington gesagt. Gestern und heute jedoch berichteten mehrere griechische Zeitungen, die Regierung in Athen habe die Europäische Union und den Internationalen Währungsfonds gebeten, die Laufzeit der bestehenden Anleihen zu verlängern um so einem Zahlungsausfall vorzubeugen. Die Blätter berufen sich auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. Das griechische Finanzministerium dementierte die Berichte umgehend. Von der EU Kommission hieß es „Umschuldung ist keine Option, die auf dem Tisch liegt.“

Die Presseberichte sorgten laut Meinung von Analysten ebenso für Verunsicherung unter den Anlegern wie der überragende Wahlerfolg der populistischen Euro-Kritiker bei den Parlamentswahlen in Finnland. Die Partei „Wahre Finnen“, die nun drittstärkste Kraft ist, ist strikt gegen Hilfszahlungen an überschuldete EU-Länder wie Griechenland, Irland und Portugal. „Wenn Finnland nun über die Rettung meckert, könnten auch andere Länder dazu ermuntert werden, über die Hilfen neu zu verhandeln", sagt Glenn Marci, Rentenanalyst bei der DZ Bank.

Wie eine Umschuldung Griechenlands aussehen könnte

Haircut

Die griechische Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig und handelt mit ihren Gläubigern einen Forderungsverzicht (Haircut) aus. Für die Geldgeber kann das sehr teuer werden: Bei den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) untersuchten Staatspleiten zwischen 1998 und 2005 musste sie zwischen 13 Prozent (Uruguay) und 73 Prozent (Argentinien) ihres Investments abschreiben. Griechenland könnte seine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro auf diese Weise zwar mit einem Schlag deutlich reduzieren, würde aber seine Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt auf Jahre verspielen und sich den Zugang zu frischem Geld verbauen. Auch andere Sorgenkinder wie Irland und Portugal würden dann noch größere Probleme haben, sich neues Geld am Markt zu leihen. Ein weiteres Problem: Die Gläubiger sind vor allem Banken aus Griechenland und anderen Euro-Ländern, denen milliardenschwere Verluste drohten, was wiederum eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

"Sanfte Umschuldung"

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Euro - verbunden womöglich mit einer erneuten Senkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss.Eurogruppen-Chef Juncker will auch die privaten Gläubiger mit ins Boot holen. Dem Krisenland soll so mehr Zeit eingeräumt werden, seine Schulden zurückzuzahlen und sein Sparprogramm umzusetzen. „Reprofiling“ nennt Jucker das. Ob private Gläubiger dazu gebracht werden sollen, Griechenland eine Atempause zu gewähren und dabei auf Geld zu verzichten, ist offen. Die Commerzbank rechnet nur dann mit einem Erfolg, wenn den Anlegern dafür Rückzahlungsgarantien ausgestellt werden. Das Problem: Die über Jahre angehäuften Staatsschulden müssten auf einen Schlag mit Garantien unterlegt werden - für die am Ende die Steuerzahler in anderen Ländern haften müssen.

Brady-Bonds

Diese Lösung hat in den achtziger Jahren Schule gemacht. Der damalige US-Finanzminister Nicholas Brady handelte einen nach ihm benannten Plan aus, der etliche lateinamerikanische Staaten vor der Pleite rettete. Übertragen auf Griechenland würde er wie folgt funktionieren: Banken und andere private Gläubiger tauschen die riskanten griechischen Staatsanleihen zum Marktpreis gegen Papiere ein, die von der Euro-Zone mit einer Garantie versehen werden. Die Gläubiger müssten damit auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten, denn am Markt werden die griechischen Bonds wegen des hohen Ausfallrisikos derzeit mit großen Abschlägen zum Ausgabepreis gehandelt - bei zehnjährigen Bonds sind es fast 40 Prozent. Der Vorteil: Die neuen Papiere sind gesichert, die Gläubiger haben damit Planungssicherheit. Griechenland würde auf diese Weise seine Schuldenlast drücken.

Längere Laufzeiten

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Dollar - verbunden womöglich mit einer erneuten Absenkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss. Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ hält der IWF die Schuldenlast für Griechenland intern für untragbar und soll daher eine Laufzeitverlängerung der Finanzhilfen auf bis zu 30 Jahre erwägen. Der IWF dementierte dies allerdings.

Pariser Club

Die Experten der Großbank UniCredit halten auf mittlere Sicht Verhandlungen zwischen Griechenland und dem Pariser Club für wahrscheinlich. Ihr Argument: Durch bilaterale Kredite und den Ankauf griechischer Anleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird der Anteil der öffentlichen Gläubiger an den Verbindlichkeiten Griechenlands auf mindestens 40 Prozent steigen. Im Pariser Club haben sich 1956 die wichtigsten Gläubigerstaaten zusammengeschlossen und seither 421 Umschuldungsabkommen mit 88 Staaten - von Afghanistan bis Vietnam - im Wert von 553 Milliarden Dollar getroffen. Von 1985 und 1993 stand dem Pariser Club ein Mann vor, der auch in der Schuldenkrise eine zentrale Rolle spielt: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Griechische Staatsanleihen gerieten daher heute erneut unter Verkaufsdruck. Das ließ die sich gegensätzlich entwickelnden Renditen auf neue Höchststände steigen. Am Mittag lag der Kurs für zweijährige Schuldtitel bei 77,6, was einer Rendite von 18,5 Prozent entsprach – ein Plus von 108 Basispunkten gegenüber dem Vortag. „Obwohl die Refinanzierung Griechenlands durch den Euro-Rettungsschirm gesichert ist, steigt die Unsicherheit, dass es schon vorher zu einer Umschuldung kommen könnte“, so Marci. Ein partieller Zahlungsausfall („Haircut“) sei eingepreist. Auch die Kurse zehnjähriger Anleihen gaben nach und fielen auf 60,61, was einer Rendite von 14,71 Prozent entspricht.

Kommentare (3)

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Ondoron

18.04.2011, 15:52 Uhr

Man muss sich fragen, warum die EUliten und Merkel und Schäuble sich so fanatisch daran klammern, dass GR keinen Haircut anstrebt.
Nun, es ist eine dramatische Situation: Wenn GR einen Haircut anstrebt, dann erfolgt weltweit eine Flucht aus den €-Anleihen. Gerechtfertigte Panik wird evoziert werden, und das ganze schöne €-Gebäude wird zusammenstürzen wie ein Kartenhaus. Mit dem Ergebnis, dass alle(!) europäischen Staaten bankrott sind. Deutschland nicht ausgenommen!
Das haben wir also unseren Politikern zu verdanken, die kaltblütig an "politischen Projekten" festhalten, weil sie sonst ihre Macht einbüssen. Kommt das bekannt vor? Na klar: Hatten wir schon alles! Früher im Osten Deutschland, davor in ganz Deutschland. Die Sozialisten im Osten konnten sich früher auch nicht vorstellen, dass deren Kritiker Recht behalten sollten. Die heutigen €-Apologeten sind auch weit davon entfernt sich vorstellen zu können, dass ihr Baby schon längst im Brunnen ertrinkend liegt. Sie werden später noch das tote Baby im Arm halten und hätscheln, und sich fragen, was denn falsch gelaufen ist.

Account gelöscht!

19.04.2011, 07:33 Uhr

Die Glaubensbekenntnisse der Politik - speziell aus der griechischen Ecke - sind einfach nicht genügend mit Belegen untermauert. In welcher Form und in welcher Mischung auch immer, die Umschuldung wird kommen.

Diese Aussicht ist zwar düster, aber sie ist realistisch. Zweckoptimismus ähnelt hier eher schillernden Seifenblasen.

Petra

19.04.2011, 10:08 Uhr

Wer glaubt den Griechen überhaupt noch nach den ganzen VORSÄTZLICHEN Lügen und Betrügereien?
Griechenland steht das Wasser bis zum Hals und die würden für weiteres Geld einfach ALLES machen. Was sind da schon ein paar Politikerworte, die eh keinen interessieren? Richtig, Schall und Rauch!

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