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10.03.2012

08:20 Uhr

Griechenland-Pleite

Hedge-Fonds werden für Schuldenschnitt entschädigt

Der Schuldenschnitt für Griechenland löst Kreditausfallversicherungen aus. Das hat der zuständige Derivateverband entschieden. Davon profitieren vor allem Spekulanten. Die befürchtete Kettenreaktion bleibt bislang aus.

Die Kurse an der griechischen Börse sehen nicht gut aus. dapd

Die Kurse an der griechischen Börse sehen nicht gut aus.

Athen/Brüssel/New YorkNach der Aktivierung umstrittener Zwangsklauseln beim Schuldenschnitt in Griechenland werden nun Kreditausfallversicherungen (CDS) in Milliardenhöhe fällig. Der Internationale Derivateverband (ISDA) stufte den Forderungsverzicht der privaten Gläubiger am Freitagabend als Kreditereignis ein, der die CDS auslöst.

Die griechische Regierung hatte erklärt, unwillige Gläubiger mit Collective Action Clauses (CACs) zur Teilnahme an dem Schuldentausch zu zwingen. Die "freiwillige" Annahmequote bei dem Anleihetausch bezifferte Griechenland auf 85,8 Prozent - bezogen auf die Bonds über 177 Milliarden Euro, die nach griechischem Recht begeben wurden. Das Land will diese Quote mit Hilfe der CACs auf 96 Prozent steigern. Der Schuldenschnitt ist zentrale Voraussetzung dafür, dass Griechenland ein neues Hilfspaket seiner Euro-Partner im Volumen von 130 Milliarden Euro erhält.

Kreditausfallversicherungen (CDS)

Was sind Kreditausfallversicherungen?

Mit Credit Default Swaps (CDS) - zu deutsch Kreditausfallversicherungen - können sich Investoren gegen einen möglichen Zahlungsausfall zum Beispiel einer Staatsanleihe oder eines Firmenbonds absichern. Kann der Schuldner nicht zahlen, springt der Versicherer ein. Vorausgesetzt er hat ausreichend dafür vorgesorgt - was nicht immer der Fall ist. 2008 stand der damals größte Emittent solcher Produkte, der US-Versicherungsriese American International Group (AIG), kurz vor der Pleite. Damals ging es um CDS auf den Ausfall hochspekulativer Wertpapiere, die Kredite für den amerikanischen Häusermarkt bündelten. Der Versicherungskonzern konnte die Schadenssummen aus den Ausfällen nur zahlen, weil er vorher vom Staat gerettet wurde.

Wer verdient an den CDS?

Zuerst einmal derjenige, der das Risiko versichert - das kann beispielsweise eine Bank sein. Je schlechter ein Land da steht, desto höher die Summe, die für eine Kreditausfallversicherung gezahlt werden muss. Die Prämien für mögliche Ausfälle Griechenlands oder anderer hoch verschuldeter Euro-Staaten sind deutlich gestiegen. Mit Kreditausfallversicherungen wetten aber auch Zocker auf eine schlechtere Bonität der Schuldner, ohne die entsprechenden Staatsanleihen zu besitzen. Dem schiebt die EU weitgehend einen Riegel vor, weil die Praktiken nach gängiger Meinung den Kursverfall von Staatsanleihen künstlich beschleunigt haben. Prinzipiell sollen sich von November 2012 an nur noch Investoren den Schutz über CDS kaufen können, die entsprechende Staatsanleihen halten.

Warum stehen CDS in der Kritik?

CDS werden nicht an der Börse gehandelt, der Markt gilt als wenig transparent und es gibt bisher keine staatliche Kontrolle über die ausgegebenen Papiere. Welche Investoren wie viele CDS auf Griechenland-Anleihen in ihren Büchern haben, ist kaum zu durchschauen. Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Mählmann von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sieht daher „dringenden Handlungsbedarf“. „CDS sind durchaus sinnvoll. Aber es
muss klar sein, wer welches Risiko trägt. Es darf keinen zweiten AIG-Fall geben“.

Was ist das Risiko?

Viele Finanzhäuser haben ihr Engagement in Griechenland-Anleihen verringert. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie die Papiere verkauft haben. Das Risiko lässt sich auch durch den Erwerb von CDS minimieren. „Die entscheidende Frage ist daher, wo das Risiko geblieben ist. Die Anleihen sind ja nicht verschwunden. Durch die CDS wurde das Risiko lediglich umverteilt“, sagt Mählmann. Zwar führt der amerikanische Finanzdienstleister
Depository Trust & Clearing Corp (DTCC) ein zentrales Register, das Auskunft über die Volumina der Produkte gibt. „Doch CDS müssen nicht darüber laufen. Es gibt nach wie vor keine richtige Transparenz“, kritisiert Mählmann. (Quelle: dpa)

An den Finanzmärkten wurde fest damit gerechnet, dass die CDS fällig werden. Deshalb blieben die ersten Reaktionen an den Handelsplätzen auch moderat.

Unter dem Strich stehen noch Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) über etwa 2,6 Milliarden Euro aus. Ursprünglich waren viel höhere Summen im Gespräch, die Furcht vor einem Flächenbrand wie nach der Lehman-Pleite hatte die Runde gemacht. Die genaue Summe der ausstehenden CDS ist unklar, da der Markt für diese Papiere sehr intransparent ist.

Mit Investitionen in CDS können sich Anleger gegen den Ausfall von Anleihen absichern. Aber das Geschäft ist spätestens seit der Finanzkrise extrem umstritten. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hätte der CDS-Markt beinahe schon einmal einen Flächenbrand ausgelöst. Damals hatten sich Investoren mit mehr als 500 Milliarden Dollar gegen eine Lehman-Pleite abgesichert. Tatsächlich hätte AIG diese gewaltige Summe niemals bezahlen können. Hätte die US-Regierung den Versicherer damals nicht aufgefangen, wäre er in die Pleite gerutscht und mit ihm viele Banken, die sich über die CDS gegen einen Lehman-Kollpas versichert hatten.

Kreditausfallversicherung für Griechische Anleihen

Kreditausfallversicherung für Griechische Anleihen

Profitieren dürften von der Fälligkeit der CDS vor allem Hedge-Fonds, die auf die Aktivierung der Klauseln gewettet hatten. Dieses Vorgehen stieß in der Politik auf heftige Kritik - auch deshalb, weil sich Spekulanten mit den CDS gegen einen Ausfall von Anleihen versichern können, die sie nicht einmal selbst besitzen.

Eine Nichtauszahlung der Kontrakte hätte nach Ansicht der Ratingagentur Moody's negative Folgen haben können. Falls die Investoren das Vertrauen in die CDS als Absicherungsinstrument verlören, könnte darunter die Bereitschaft leiden, überhaupt noch Staatsanleihen aus den Krisenländern der Eurozone zu kaufen.

Kommentare (73)

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Rainer_J

09.03.2012, 19:26 Uhr

Solange man deutsches Steuergeld veruntreut, um in Griechenland eine korrupte, geldgierige Elite an die Macht zu halten, wird sich nichts, aber auch garnichts, ändern.

Account gelöscht!

09.03.2012, 19:40 Uhr

Das ganze Spiel muss gespielt werden damit der Reaktor nicht sofort und von 100 auf 0 heruntegefahren wird (weil gefährlich). Langfristig kann man jedoch sehr wohl vom Euro-Crash ausgehen oder einer systematischen geregelten und sauberen Abschaffung. Ich tipp jedoch auf ersteres, weil man hier einem kranken Organismus so lange weiter Doping verabreicht bis er völlig kollabiert.

Lachen werden am Ende jene, die Ihr Hab und Gut in Sicherheit gebracht haben.

KorrupteWelt

09.03.2012, 20:05 Uhr

..ich lach mich schepp und krumm (So Sooorry!)! Welcher (Entschuldigung!) "Investoren und Anleger-Depp", legt nun nach einer Zwangs-Enteignung noch Geld in EU-Staatsanleihen an? Wer in Papier-Altersvorsorge investiert ist, sollte sein betroffenes Unternehmen (Bank oder Versicherung)/den Staat/den Fond, welches/welcher das freiwillig oder per Zwang, mitmacht, wegen Untreue und vorsätzlichen Betruges verklagen. Schließlich wird hier mit Ihrem Geld/Erspartem gezockt und Ihr Geld für das spätere Leben, sang und klanglos, verjubelt und verschenkt. Hossa..das Schneeballsystem der EU-Staatsanleihen steht vor dem endgültigen AUS!

Griechenland ( Schuldenschnitt 1.0! X.0 wird folgen!) war erst der Beginn. Als nächsten Kandidaten wird Portugal oder Irland in den "Stresstest" genommen. Schaun wir mal..wie der "Kaiser" so schön sagte!

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