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05.11.2012

10:48 Uhr

Griechenland

Schon wieder pleite – und jetzt?

Die Politik will eine Pleite um jeden Preis abwenden. Doch Investoren sind sicher: Griechenland steht erneut vor der Zahlungsunfähigkeit. Ein weiterer Schuldenschnitt träfe diesmal auch die deutschen Steuerzahler.

Ein Mann vor dem Parlamentsgebäude in Athen. Griechenland steht erneut vor der Pleite. dapd

Ein Mann vor dem Parlamentsgebäude in Athen. Griechenland steht erneut vor der Pleite.

AthenGriechenland ist pleite – schon wieder. Die Politik scheut sich noch, das so offen auszusprechen. Aber Investoren und Ökonomen sind sich sicher, dass das Land erneut vor der Zahlungsunfähigkeit steht. Was kann Griechenland jetzt noch helfen? Noch härtere Sparmaßnahmen, ein weiterer Schuldenschnitt, ein neues Hilfspaket oder doch der Austritt aus der Euro-Zone?

„Griechenland ist insolvent und es wird einen Ausfall geben. Es ist nur die Frage, wie und wann das realisiert wird“, sagte Andrew Bosomworth, Managing Director bei Pacific Investment Management Co. (Pimco). „Es fällt sehr schwer, eine Möglichkeit zu sehen, wie das Land seine Schulden zurückzahlen könnte - ohne Unterstützung in Form eines Schuldennachlasses zu erhalten.“

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Beim ersten Schuldenschnitt mussten die Gläubiger bereits 100 Milliarden Euro abschreiben. Doch nur wenige Monate nach diesem Schnitt, wird schon über den nächsten diskutiert. Denn wegen der tiefen Rezession und schleppender Reformbemühungen wächst der Schuldenberg unaufhaltsam weiter - bis 2014 wird er auf 192 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anwachsen.

„Es macht keinen Sinn, die fiskalischen Sparmaßnahmen noch weiter zu verschärfen. Griechenland ist zahlungsunfähig trotz des Hilfspakets”, sagte David Folkerts- Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, im Gespräch mit der FAZ.

Das Land benötige entweder ein weiteres Hilfspaket oder eine Schuldenreduzierung, erläuterte der Ökonom. Er forderte, dass sich an einer Schuldenreduzierung der öffentliche Sektor beteiligen sollte.

Insgesamt haben die internationale Kreditgeber 240 Milliarden Euro an Griechenland verliehen. Diesmal dürfte ein Schuldenschnitt allerdings nicht die privaten, sondern auch die staatlichen Gläubiger und die EZB treffen.
Die Europäische Zentralbank werde Verluste bei ihren griechischen Staatsanleihen hinnehmen müssen, glaubt Bosomworth von Pimco. „Letztendlich ist es die Entscheidung der griechischen Regierung, deswegen wird die EZB wohl - ohne es zu wollen - akzeptieren müssen, dass sie nicht alles zurückbekommt”, sagte Bosomworth.

Kommentare (58)

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Account gelöscht!

05.11.2012, 11:06 Uhr

Wie heißen die Lieder so schön?

"And Greece takes it all..."
Oder: "Euros nach Athen..."

Unsere Politdilettanten haben gerade milliardenschwere Wahlgeschenke beschlossen, ohne vorher das Handelsblatt zu lesen.

Rechtzeitig vor der Wahl wird vielleicht dem deutschen Steuerzahler klar, daß seine Ersparnisse jetzt schon dem EU-Wahnsinn zum Opfer gefallen sind.

Aber gemäß der deutschen Tradition wird er auf die Frage:
"Wollt Ihr die totale Enteignung?" so antworten, wie er es als obrigheitshöriger Depp schon immer getan hat.

maladie

05.11.2012, 11:07 Uhr

Sprichwörtlich weil geographisch passend: ein Finger, die ganze Hand. Das Grexia-Volk liegt noch immer in tiefem Frust darüber, dass es für luftige Jobs einfach keine 7.500 Währungseinheiten - aktuell EURO - sondern häufig garnichts mehr gibt. Da fehlt die Motivation zum Selbstanpacken. Diese aber ist essentiell für ein wirtschaftliches Wiederaufstehen des geostrategisch so wichtigen Landes zwischen West und Zypern/Türkei.
Wenn es für die USA so wichtig ist aus diesen Gründen, sollen doch die USA hier direkt helfen. Die Brüder von Rockefeller, Rothschilds usw. Nur zu!!

MBoudik

05.11.2012, 11:12 Uhr

Interessant.

Vor einiger Zeit habe ich in der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit Herrn Schäuble zum Thema gelesen.

Herr Schäuble sagte, dass es in GR da noch genügend Werte für eine Privatisierung gäbe...

Warum werden denn die Gold-Reserven nicht angesprochen und eingesetzt?

Als Anleger mit EU Staatsbürgerschaft kann man fast überall Gründstücke frei Kaufen. Warum in Griechenland nicht?

Wer erklärt den Schuldenschnitt den Riester-Sparern?

Die Banken haben alle gewarnt. Kann man denen das in die Schuhe schieben?

Warum beschäftigen wir uns überhaupt mit den Griechen, ihr Beitrag zur EU Wirtschaftleistung ist doch gering, Fortschritte sieht man nicht und politisch tut sich zu wenig.

Bitte dieses Thema nicht mehr, alle Schulden abschreiben aber keinesfalls die nächsten 10 Jahre frisches Geld …..


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