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05.02.2015

15:41 Uhr

Griechenland und die EZB

Crash an der Athener Börse

VonSara Zinnecker

Panik an der Athener Börse. Nach der EZB-Entscheidung machen Investoren einen großen Bogen um griechische Aktien. Der Athener Leitindex brach zeitweise über neun, der griechische Bankenindex sogar um über 23 Prozent ein.

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DüsseldorfAn der Athener Börse geht die Angst um. Der griechische Leitindex ASE General notierte zuletzt 4,5 Prozent leichter auf 810 Punkten. Zeitweise wuchsen die Verluste auf über neun Prozent an. Der Index der wichtigsten Bankenwerte verlor zwischenzeitlich mehr als 23 Prozent. Auch Staatsanleihen stehen unter Druck. Innerhalb eines Tages stieg die Rendite um mehr als einen Prozentpunkt auf jetzt gut elf Prozent. Den Dax bremsten die Neuigkeiten indessen nur wenig aus.

Investoren reagierten damit auf die überraschende Nachricht der Europäische Zentralbank (EZB) vom späten Mittwochabend, ab 11. Februar keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheiten für Bankkredite zu akzeptieren. Später jedoch ruderte die EZB teilweise zurück. Die Zentralbank genehmigt griechischen Banken Notfallkredite in Höhe von 60 Milliarden Euro. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Notenbankkreisen. Das Notfall-Programm namens ELA richtet sich an Banken, die sich zeitweise in einer außergewöhnlichen Situation befinden.

Bundesbankchef Jens Weidmann hatte zuvor gegen eine zu laxe Gangart bezüglich des ELA-Programms gewettert. Er fordert auch bei der Bewilligung von Notfall-Liquiditätshilfen (ELA) von der EZB gegenüber Griechenland einen harten Kurs. „Ich bin der Auffassung, dass wir bei ELA strenge Maßstäbe anlegen sollten“, sagte Weidmann der „Börsen Zeitung“ (Donnerstagausgabe). Wenn das Konsequenzen für die Finanzstabilität habe, müsse die Politik handeln.

„Das ist eindeutig ein Warnschuss“, sagte Christian Lenk, Stratege für Festverzinsliche bei der DZ Bank in Frankfurt. Die EZB sei nicht bereit, die neue griechische Regierung so vorgehen zu lassen, wie diese es geplant habe.

Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen mit Griechenland

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Jean-Claude Juncker

Der 60-Jährihe gilt als Europäer aus Leidenschaft. Er war und ist eine der Schlüsselfiguren bei der Euro-Rettung. Acht Jahre lang (von 2005 bis 2013) war der Luxemburger Vorsitzender der Eurogruppe, der die Finanzminister der Staaten mit Euro-Währung angehören. In dieser Funktion hat Juncker seit 2010 maßgeblich die Rettungsprogramme für Krisenstaaten wie Griechenland ausgehandelt. Der Christsoziale war 18 Jahre lang (bis Ende 2013) Premierminister in Luxemburg – inzwischen ist er Präsident der EU-Kommission.

Mario Draghi

Der 67 Jahre alte italienische Bankmanager und Wirtschaftswissenschaftler ist seit November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter seiner Führung pumpte die Notenbank billiges Geld in das Bankensystem, schaffte die Zinsen im Euroraum quasi ab und schuf ein Kaufprogramm, um notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben.

Christine Lagarde

Die französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zuvor war sie Wirtschafts- und Finanzministerin in Paris. Die 59 Jahre alte Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Auf ihr lastet jedoch, dass die französische Justiz gegen sie in einer Affäre um mutmaßliche Veruntreuung öffentlicher Mittel aus ihrer Zeit als Ministerin ermittelt.

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble

Bundeskanzlerin Merkel hatte mit Beginn der dramatischen Finanzkrise in Griechenland auf die Bremse gedrückt. Die eiserne Devise von Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble: Keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. In Athen wurde Merkel dann bei einem Besuch mit Plakaten begrüßt, auf denen sie mit Hitler-Bart zu sehen war. Nach dem Regierungswechsel in Athen ist Berlin für Kompromisse offen: Ein verlängertes Hilfsprogramm oder nochmalige Krediterleichterungen. Ein weiterer Schuldenschnitt wird aber abgelehnt.

Bei Marktteilnehmern geht die Angst um, dass Griechenland bald das Geld ausgeht. Denn nicht nur muss die griechische Zentralbank die heimischen Geldhäuser ab sofort auf eigenes Risiko unterstützen. Heißt: Käme die griechische Zentralbank durch die Notkredite in Schwierigkeiten, müsste der griechische Staat einspringen.

Das ist umso brisanter, da der griechische Staat bereits vor großen finanziellen Problemen steht. Zum einen steht noch eine letzte Rate von gut sieben Milliarden Euro aus dem aktuellen Hilfsprogramm aus, das noch bis Ende Februar läuft. Zum anderen muss Griechenland bis Ende März weitere vier Milliarden Euro an Schulden bedienen.

Die neue griechische Regierung versucht die Ängste zu beschwichtigen. Aus Regierungskreisen verlautete es am Donnerstag, dass man keine „Erpressung“ akzeptiere. Im Übrigen sei die Zahlungsfähigkeit der Banken „vollkommen gesichert“ und eine Geldversorgung aus anderen Kanälen möglich. Die Kreditinstitute können auch Geld aus dem sogenannten ELA-Programm bekommen, ein Notfallinstrument im europäischen Zentralbanksystem. Die griechische Notenbank bestätigte das und erklärte, das griechische Bankensystem und die Liquidität der Banken nicht gefährdet seien.

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An eine Abkehr vom sparkritischen Kurs denkt die Regierung in Athen indes nicht. Griechenland „hält unerschütterlich an ihren Zielen des Sozialrettungsprogramms fest, welches das griechische Volk mit seinem Votum gebilligt hat“, hieß es am Donnerstag in einer Erklärung des Finanzministeriums in Athen. Ziel sei es, „eine europäische Politik zu erreichen, die der sich mittlerweile selbst verstärkenden Krise der griechischen Wirtschaft definitiv ein Ende setzen wird“, hieß es weiter.

Das Dilemma Griechenlands in Zahlen und Fakten

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit liegt bei 25,5 Prozent. Bei den unter 25-jährigen Erwerbspersonen ist sogar fast jeder zweite ohne Job. Nach jüngsten Erhebungen liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 48,4 Prozent.

Staatsschulden

Griechenland hat insgesamt Schulden in Höhe von rund 320 Milliarden Euro (Stand September 2014). Das sind fast 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die EU und der Internationale Währungsfonds haben dem Land mit Darlehen in Höhe von rund 240 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen.

Einkommen

Nach übereinstimmenden Angaben von Regierung und Gewerkschaften mussten die Menschen in Griechenland seit 2009 im Durchschnitt Einkommenseinbußen von 30 Prozent hinnehmen. Im öffentlichen Dienst wurden Urlaubs- und Weihnachtsgeld gestrichen. Auch Renten wurden massiv gekürzt.

Öffentlicher Dienst

Nach jüngsten Zahlen arbeiten derzeit 675 000 Menschen im öffentlichen Dienst. Das sind rund 277 000 weniger als noch 2009. Allein im Jahr 2014 wurden 9500 Staatsbedienstete entlassen. Zudem wurden viele Stellen nach altersbedingtem Ausscheiden von Angestellten nicht nachbesetzt. Die Regierung Tsipras steuerte der Entwicklung jedoch gegen – und stellte per Gesetz rund 4000 zuvor entlassene Staatsdiener wieder ein.

Wirtschaftswachstum

Erstmals nach vielen Rezessionsjahren wuchs die Wirtschaft 2014 nach vorläufigen Zahlen um 0,7 Prozent. Für 2015 erwartet die EU-Kommission einen Zuwachs von nur 0,5 Prozent.

Kommentare (10)

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Herr Moritz J. Mueller

05.02.2015, 11:09 Uhr

Merken diese nichtsnutzigen, unfähigen, arroganten, verantwortungslosen, unverschämten und dummen Schuldenmacher eigentlich wie lächerlich sie sind? Dies gilt nicht nur für Griechenland...

Account gelöscht!

05.02.2015, 11:15 Uhr

Sowas wäre doch auch mal was feines in Deutschland. Zum Geld verdienen sind solche (poltischen) Unsicherheit mit extremer Volatilität und Tages-Ranges an den Märkten genial.

Die Formel ist dabei ganz einfach: Je extremer diese Kriterien sind, umso mehr wird sich beim Börsenhandel die Taschen vollgemacht. Da steigt dann mein normaler Brutto-Tagesschnittverdienst (also vor Geb. und Steuern) von ca. 15.000 € auf mehr als das Doppelte. Merke: Panik und Chaos sind gut fürs Geschäft.

(...)
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau Ute Umlauf

05.02.2015, 11:30 Uhr

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