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16.12.2014

16:55 Uhr

Griechenland

Weicht Südeuropa vom Kurs ab?

Der strikte Sparkurs in den Peripheriestaaten treibt die Wähler in die Arme der Parteien, die den Staatsbankrott der Troika vorziehen. Die Präsidentschaftswahlen könnten einen Ausblick geben, was Gläubigern droht.

Akropolis in Athen: Wirtschaftlich hat sich Griechenland stabilisiert. Politisch könnte ein Kurswechsel die Ziele der Troika dennoch gefährden. dpa

Akropolis in Athen: Wirtschaftlich hat sich Griechenland stabilisiert. Politisch könnte ein Kurswechsel die Ziele der Troika dennoch gefährden.

AthenDer europäischen Krisenpolitik droht im kommenden Jahr eine schwierige, neue Situation in den südeuropäischen Ländern. In Griechenland steigt die Wahrscheinlichkeit einer Regierung, die die Schulden des Landes nicht weiter bedienen will. Der strikte Sparkurs der Länder begünstigt die Stimmenzahl solcher Parteien allerdings auch in Spanien und Italien. Die nahe politische Zukunft Griechenlands ist erneut unsicher. Die für den 17. Dezember geplante Präsidentschaftswahl dürfte kein klares Ergebnis bringen. Es wird erwartet, dass das Parlament im Falle einer gescheiterten Wahl innerhalb von zehn Tagen aufgelöst und 30 Tage später ein neues gewählt wird.

Aus diesem Wahlgang könnte die Syriza-Partei als stärkste Partei hervorgehen. Seit Mai sehen die Experten sie in sämtlichen Umfragen an der Spitze. Die Partei ist sich ihrer Rolle bewusst und plant schon den zukünftigen Kurs des Landes. Spitzenkandidat Alexis Tsipras traf sich zuletzt mit Vertretern der europäischen Zentralbank, auch mit ihrem Präsidenten Mario Draghi.

Syriza wäre die erste Partei im Euroraum, die sich weigert die Schulden eines Landes zu begleichen. Auf ihrer Webseite kündigt die Partei an, im Falle der Machtübernahme, den Forderungen der Troika nicht weiter nachzukommen. Seit dem Schuldenschnitt des Jahres 2012 steht Griechenland vor allem bei Partnerländern aus dem Euroraum in der Kreide. Die Regierungen der Gläubigernationen haben bereits die Laufzeiten für diese Verbindlichkeiten gestreckt und die Zinsen erheblich gesenkt.

Kapitalbedarf der Euro-Staaten 2014

Deutschland

Refinanzierungsbedarf 2014: 173 Milliarden Euro
Davon im ersten Quartal gedeckt: 26,6 Prozent
Quelle: Commerzbank, Stand: 28.03.2014

Frankreich

Refinanzierungsbedarf 2014: 198 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 29,7 Prozent

Spanien

Refinanzierungsbedarf 2014: 125 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 35,3 Prozent

Österreich

Refinanzierungsbedarf 2014: 24 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 15,3 Prozent

Niederlande

Refinanzierungsbedarf 2014: 50 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 40,5 Prozent

Belgien

Refinanzierungsbedarf 2014: 34 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 41,3 Prozent

Italien

Refinanzierungsbedarf 2014: 247 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 28,2 Prozent

Portugal

Refinanzierungsbedarf 2014: 8 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 65,6 Prozent

Finnland

Refinanzierungsbedarf 2014: 12 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 33,3 Prozent

Irland

Refinanzierungsbedarf 2014: 10 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 47,5 Prozent

Slowenien

Refinanzierungsbedarf 2014: 7,7 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 33,0 Prozent

Slowakei

Refinanzierungsbedarf 2014: 7,0 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 36,4 Prozent

Jede weitere Umschuldung würde Steuerzahler außerhalb Griechenlands belasten. Die öffentliche Meinung im Euroraum ist klar gegen einen solchen Schritt. Die Möglichkeit eines griechischen Zahlungsausfalls sollte ernst genommen werden. Der aktuelle Zeitpunkt wäre für das südeuropäische Land günstig und das erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt. Während der Krise ist die griechische Wirtschaft um 25 Prozent geschrumpft, doch nun beginnt sie wieder zu wachsen. Für dieses Jahr rechnen Volkswirte mit einem Plus von 0,2 Prozent, für das kommende mit 1,5 Prozent. Eine neue Regierung könnte versucht sein, die sich abzeichnende Erholung zu nutzen, um die Vergangenheit - einschließlich Schulden - hinter sich zu lassen.

Kommentare (17)

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Herr Kurt Siegel

16.12.2014, 17:02 Uhr

Die Südstaaten wissen genau, dass sie sich an keinerlei Auflagen halten müssen, drohen eben einfach mit Staatbankrott, denn sie wissen, dass Merkel eher die eigene Bevölkerung kaltlächelnd über die Klinge springen läßt (Vernichtung der hart erarbeiteten Altersvorsorge), statt aus dem Euro auszutreten.

Herr Mike Maier

16.12.2014, 17:05 Uhr

Weicht Südeuropa vom Kurs ab?
Südeuropa war jemals auf Kurs?

Herr Horst Hamacher

16.12.2014, 17:07 Uhr

Das wird die Merkel ganz schön bleiben lassen, denn auch ihr kann die Geschäftsfähigkeit entzogen werden!

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