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26.05.2015

15:10 Uhr

Griechenlandkrise verschärft Trends

Bundesanleihen profitieren von Problemen der Südeuropäer

Nach der Kommunalwahl in Spanien verlieren die Konservativen, die Linke ist wie in Griechenland auf dem Vormarsch. Das verunsichert Investoren, südeuropäische Anleihen verlieren, Bundesanleihen profitieren einmal mehr.

Seine Partei musste bei den Kommunalwahlen in Spanien herbe Verluste hinnehmen: Für den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy geht es bergab, die Renditen der Anleihen seines Landes treibt die politische Unsicherheit in die Höhe. dpa

Verluste sorgen für Unsicherheit

Seine Partei musste bei den Kommunalwahlen in Spanien herbe Verluste hinnehmen: Für den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy geht es bergab, die Renditen der Anleihen seines Landes treibt die politische Unsicherheit in die Höhe.

Bundesanleihen haben am Dienstag zugelegt. Zugleich standen Papiere der Euro-Peripherie unter Druck. Die Märkte reagierten damit sowohl auf die Probleme Griechenlands wie auch auf den Ausgang der Kommunalwahlen in Spanien. Während die Linkspartei Podemos Zuwächse verbuchte, mussten die regierenden Konservativen Verluste hinnehmen.

Die griechische Regierung hatte die Investoren auf eine anhaltende Hängepartie vorbereitet. Damit bleibt offen, ob die Regierung die für eine Zahlung an den Internationalen Währungsfonds (IWF) Ende nächster Woche benötigten rund 300 Millionen Euro auftreiben kann oder die Zahlungsunfähigkeit droht. Finanzminister Yanis Varoufakis hatte sich unterdessen negativ zum Beharren der Gläubiger auf weiteren Sparmaßnahmen geäußert. Seine Regierung werde sich nicht auf Schritte einlassen, die sich über fünf Jahre hinweg als schlimmer als die Krise erwiesen hätten.

Zudem hatte die Europäische Zentralbank bei den Käufen im im Rahmen des EZB-Programms zur quantitativen Lockerung das Tempo gedrosselt. Der Bestand an Anleihen von Staaten und Institutionen stieg in der Woche bis zum 22. Mai um 11,8 Milliarden Euro auf 134,2 Milliarden Euro, wie Daten auf der EZB-Webseite zeigten. Es war der schwächste Zuwachs seit drei Wochen.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen fiel um 5 Basispunkte auf 0,55 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 68 Basispunkte auf 154,68 Prozent. Dagegen zog die Rendite spanischer Zehnjährige um sieben Basispunkte auf 1,84 Prozent an.

US-Treasuries rentierten mit 2,2 Prozent knapp drei Basispunkt niedriger. Einfluss könnten US-Konjunkturdaten am Nachmittag nehmen. Unter anderem stehen die Auftragseingänge langlebiger US-Wirtschaftsgüter an. Von Bloomberg befragte Volkswirte erwarten einen Rückgang von 0,5 Prozent zum Vormonat bzw. ohne den volatilen Transportsektor einen Zuwachs von 0,3 Prozent. Die Daten sind bedeutsam, weil US-Notenbankchefin Janet Yellen in der Vorwoche die erste Zinserhöhung seit 2006 in Aussicht gestellt hat, falls die US-Konjunktur im laufenden Jahr weiter zulegen sollte.

Geldquelle Staatsanleihen

Was sind Staatsanleihen?

Staatsanleihen oder Schuldverschreibungen sind eine der wichtigsten Finanzierungsquellen von Staaten. Im Gegensatz zu Aktien sind diese Wertpapiere mit einem festen Zins ausgestattet und das Kapital wird zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezahlt.

Wie sicher sind Staatsanleihen?

Anleihen werden in verschiedenen Laufzeiten von zumeist 2 bis 30 Jahren ausgegeben. Lange Zeit galten sie als äußerst sichere Anlageform, da das Risiko eines staatlichen Zahlungsausfalls als sehr gering betrachtet wurde. Mit der Schuldenkrise in Europa ist dieses Bild aber ins Wanken geraten.

Woraus ergibt sich der Zins?

Als Zinszahlung erhält der Anleger die Rendite oder den Effektivzins. Dieser ergibt sich aus dem im Vorhinein festgelegten Zins der Anleihe (Kupon) und dem von ihm gezahlten Marktpreis (Kurs) des Papiers. Sinkt die Nachfrage und damit der Kurs der Anleihe, steigt die Rendite.

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

26.05.2015, 17:15 Uhr

M.E. darf man die "Spanien-Wahl" nicht iosliert sehen. Auch in Großbritanien und Polen wurde gewählt. Allen Wahlen ist gemein, dass es ein weiter so nicht mher geben wird.

Aus welchen Gründen auch immer, die Völker der EU sind sich in diesem Konsens völlig einig. Die Abhöraffaire in Deutschland, die "tragenden Säulen" in der deutschen Politik sind da nur "Begleitzeug".

Die EU sitzt auf einem Pulverfass und Griechenland und der ESM könnten die Treibladung darstellen, dass Fass explodieren zu lassen.

"Man muss nur richtig Druck auf den Kessel geben. Pfeifen tut er allein. Und fliegt eine Niete weg, dann muss man sie ersetzen" (Frankfurter Bankvorstand, um 1985).

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