Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.12.2014

17:11 Uhr

Griechische Börsen

Anleger flüchten aus griechischen Anleihen

VonNiklas Dopheide, Dietmar Neuerer

Die gescheiterte Präsidentschaftswahl in Griechenland schickte die Athener Börse auf Talfahrt. Vor allem die Bankenbranche reagierte heftig auf die Nachricht. Experten sehen die Folgen für Europa unterschiedlich.

Akropolis in Athen: Die politische Unsicherheit nach der missglückten Wahl, treibt Anleger zum Rückzug aus Griechenland. Ob sich die neue Regierung an die fiskalischen Vorschriften hält, ist schwer zu prognostizieren dpa

Akropolis in Athen: Die politische Unsicherheit nach der missglückten Wahl, treibt Anleger zum Rückzug aus Griechenland. Ob sich die neue Regierung an die fiskalischen Vorschriften hält, ist schwer zu prognostizieren

DüsseldorfDie gescheiterte Präsidentschaftswahl in Griechenland hat am heutigen Montag die Märkte bewegt. Das der Kandidat der Partei „Neue Demokratie“ auch im dritten Wahlgang scheiterte, bedeutet das Anfang 2015 das Parlament neu gewählt werden muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass die europakritische Partei Syriza die neue Regierung stellt, steigt damit enorm. Der Vorsitzender der Syriza-Partei Alexis Tsipras hat angekündigt den Forderungen der internationalen Geldgeber nicht mehr nachkommen zu wollen. Der Ausgang der Wahl war erwartet worden, die Märkte reagierten dennoch geschockt. „ Der Ausgang der Präsidentenwahl kommt nicht überraschend“, sagte Manos Hatzidakis, Chef-Analyst bei Beta Securities.

Die Auswirkungen waren am heftigsten an der Athener Börse zu spüren. Sie verlor am Vormittag nach dem die Entscheidung öffentlich wurde fast elf Prozent und fiel auf ein Zwei-Jahres Tief von 756,80 Punkten. Im Laufe des Tages konnten die Verluste etwas abschwächt werden, dennoch standen Kursverluste zu Buche. Besonders betroffen war der Sektor der Finanzinstitute. Der griechische Bankenindex brach um 20 Prozent ein und steht aktuell bei 81,04 Punkten. Das ist ein neues Rekordtief für den Index. Von den fünf Instituten, die in diesem Index gelistet sind, fielen die Titel von vier Banken auf ein Rekordtief.

Kapitalbedarf der Euro-Staaten 2014

Deutschland

Refinanzierungsbedarf 2014: 173 Milliarden Euro
Davon im ersten Quartal gedeckt: 26,6 Prozent
Quelle: Commerzbank, Stand: 28.03.2014

Frankreich

Refinanzierungsbedarf 2014: 198 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 29,7 Prozent

Spanien

Refinanzierungsbedarf 2014: 125 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 35,3 Prozent

Österreich

Refinanzierungsbedarf 2014: 24 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 15,3 Prozent

Niederlande

Refinanzierungsbedarf 2014: 50 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 40,5 Prozent

Belgien

Refinanzierungsbedarf 2014: 34 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 41,3 Prozent

Italien

Refinanzierungsbedarf 2014: 247 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 28,2 Prozent

Portugal

Refinanzierungsbedarf 2014: 8 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 65,6 Prozent

Finnland

Refinanzierungsbedarf 2014: 12 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 33,3 Prozent

Irland

Refinanzierungsbedarf 2014: 10 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 47,5 Prozent

Slowenien

Refinanzierungsbedarf 2014: 7,7 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 33,0 Prozent

Slowakei

Refinanzierungsbedarf 2014: 7,0 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 36,4 Prozent

Am Dax waren die Auswirkungen nicht ganz so heftig aber dennoch spürbar. Kurz nach der Entscheidung gab der deutsche Leitindex um 1,5 Prozent nach, fing sich aber relativ schnell wieder und war am Nachmittag nur noch leicht im Minus. Insgesamt schien die Bankenbranche von der Entscheidung am härtesten getroffen zu sein. Der Index für die Banken in der Eurozone gab um 2,4 Prozent nach. Auch die Titel der deutschen Institute Commerzbank und Deutsche Bank tendierten leicht ins Minus.

Die Staatsanleihen des südeuropäischen Staates gerieten ebenfalls unter Druck. Die Rendite für die Papiere mit zehnjähriger Laufzeit stieg auf 9,7 Prozent. Die Anleger verkauften die griechischen Staatsanleihen und flüchteten sich in Schuldentitel von großen europäischen Staaten. Der zehnjährige Bundesanleihe war deshalb ein gefragtes Wertpapier, die Rendite fiel auf 0,55 Prozent. Die Folgen der misslungenen Präsidentschaftswahl in Griechenland wird unterschiedlich aufgefasst. Der Großteil des Marktes sieht die Entwicklung offenbar negativ, das haben die heutigen Kursentwicklungen gezeigt. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht die Gefahren für die Eurozone gering. „Viele Krisenländer in Europa sind auf einem guten Weg, haben wichtige Reformen umgesetzt und sehen erste wirtschaftliche Erfolge“, kommentiert er die gescheiterte Wahl.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

29.12.2014, 17:30 Uhr

Die Rede wird sein: ja, wir wollen brav sein.
Die Taten aber werden andere sein.

Niemand wird sich um Zusagen oder Auflagen scheren - wie schon bislang nicht. Nur wird es nun ganz offen geschehen.

So betrachtet, wird auch die neue linke Regierung nichts ändern.
Aber es wird, was geschah nun für jeden offensichtlich sein.

Der Selbstleugnung bei allen Geldgebern bis hin zu den dummen Deutschen wird für jeden ersichtlich.
Die Welt wird erkennen, daß alles unterm Euro nur eine Charade ist - eine sehr traurige dazu, billig, jedoch sehr, sehr teuer für die Steuerzahler.

Account gelöscht!

29.12.2014, 17:46 Uhr

Anleger flüchten aus griechischen Anleihen

............................................

Wem wundert es ?????????????????????

Hat doch Griechenland ...

seine letztere Industrien ( INSOLVENZ-MASSE )...

aus Griechenland abziehen lassen ...

und diese sind in Steuer-freundliche Länder produzieren gegangen.

Arbeitsplätze weg...Perspektiven weg...

und schon Lenin sagte dass wenn das Volk hungert...

es sich erst gegen die Politik wehrt.

Griechenland erfüllt dem Kommunismus jede Ehre.










Herr Jürgen Clasen

29.12.2014, 17:55 Uhr

Dieser Artikel zeigt, dass das ein saudummes Gerede war, wenn man von einem Primärüberschuss gesprochen hat.
Vielmehr ist es so, dass es zur Bedienung von Altschulden
für Zins und Tilgung, neuer Schulden bedarf. So hat sich das die ganze Zeit dargestellt und so ist es natürlich leicht zu erklären, dass der Schuldenturm wieder größer geworden ist, als vor dem Schuldenerlass. Klassischer-weise nennt man das Staatsbankrott, außer hirnverbrannte Idioten werfen dem schlechten Geld noch gutes Geld hinter her. Die Staatspleite kommt also nicht mit der
neuen linken Regierung, sondern war vorher schon gegeben.
Ich bin mir aber sicher, es wird dieser Regierung in die
Schuhe geschoben. Besser wäre, sie würden diesen Müll
anderen überlassen und erst nach der offenen Staatspleite
die Regierung übernehmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×