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27.09.2014

16:16 Uhr

Gross-Nachfolge

Neuer Pimco-Chef kommt aus den eigenen Reihen

Starinvestor Gross verlässt Pimco, die Trennung verlief wohl alles andere als einvernehmlich. Die Allianz-Tochter hat schnell einen Nachfolger gefunden. Er kommt aus dem eigenen Haus, das gerade schwere Zeiten erlebt.

Steigt bei Pimco auf den Chefsessel: Daniel Ivascyn. Reuters

Steigt bei Pimco auf den Chefsessel: Daniel Ivascyn.

Newport BeachNur Stunden nach dem überraschenden Abgang von Bill Gross bei der Allianz-Tochter Pimco hat die Fondsgesellschaft einen Nachfolger für den Starinvestor präsentiert. Neuer Investmentchef der Gruppe wird der bisherige Gross-Stellvertreter Daniel Ivascyn, wie Pimco am späten Freitagabend (Ortszeit) im kalifornischen Newport Beach mitteilte. Der wegen seiner jahrelangen Erfolge an den Anleihemärkten als „Bondkönig“ bekannte Gross geht zum Vermögensverwalter Janus Capital. Die Personalie hatte für heftige Reaktionen an den Märkten gesorgt.

Denn die Trennung von Pimco verlief wohl alles andere als einvernehmlich. In Finanzkreisen hieß es, Gross sei mit dem Wechsel zu Janus seiner Kündigung zuvorgekommen. Die Finanzmärkte reagierten am Freitag heftig auf die Personalie: Die Janus-Aktie hob ab, das Allianz-Papier rutschte kräftig ins Minus.

Mit dem Abgang spitzt sich die Lage bei Pimco weiter zu. Nach dem überraschenden Abgang von Gross' Kronprinzen Mohamed El-Erian zu Jahresbeginn kämpfte das Unternehmen zuletzt auch mit massiven Mittelabzügen. Nach 16 Monaten mit Abflüssen ist das Volumen des Flaggschifffonds „Pimco Total Return“ um etwa 70 Milliarden auf zuletzt 222 Milliarden Dollar geschrumpft.

Abschied vom Allianz-Konzern: Bill Gross gibt bei Pimco auf

Abschied vom Allianz-Konzern

Bill Gross gibt bei Pimco auf

Der „Bondkönig“ verliert sein Reich: Bill Gross verlässt Pimco. Der 70-Jährige soll damit seinem Rauswurf zuvorgekommen sein. Die Nachricht sorgte an der Börse für ein Erdbeben. Der Nachfolger steht bereits fest.

Diese Woche wurde zudem noch bekannt, dass die US-Börsenaufsicht wegen des Verdachts auf geschönte Bilanzen ermittelt. Das Unternehmen soll die Renditen eines 3,6 Milliarden Dollar (2,8 Mrd Euro) schweren Indexfonds künstlich aufgebläht haben, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwoch unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Der 70-jährige Gross, der bislang den weltweit größten Anleihefonds managte, tritt den Job bei Janus bereits am 29. September an und wird dort ein neu aufgelegtes Rentenportfolio verwalten. „Ich habe Janus wegen der langjährigen Beziehung zu CEO Dick Weil und meinem Respekt für ihn als nächstes Zuhause gewählt“, sagte Gross, der Pimco 1971 gegründet hat.

Die Pacific Investment Management Company oder kurz Pimco gehört seit 2000 zum deutschen Versicherer Allianz. Pimco verwaltete Ende Juni laut eigenen Angaben knapp zwei Billionen Dollar an Anlegergeldern und ist damit eine der treibenden Kräfte an den internationalen Finanzmärkten.

In einer Pressemitteilung erklärte Pimco zum Abschied von Gross: Im Laufe des Jahres sei immer klarer geworden, dass Gross und die restliche Führungsmannschaft „fundamentale Differenzen“ über den künftigen Kurs hätten.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann erklärte: „Gemeinsam mit unseren Kollegen von Pimco zollen wir der Arbeit Respekt, die Bill Gross in den 43 Jahren seit Pimcos Gründung geleistet hat. Wir wünschen Bill viel Glück.“ Die im Januar eingeführte Management- und Investmentstruktur sowie die sorgfältige Nachfolgeplanung „geben uns volles Vertrauen in Pimcos Investment- und Unternehmensleitung“, so Diekmann weiter.

Der neue Chef-Anlagestratege Ivascyn arbeitet seit 1998 für Pimco. Mit ihm ernannte der Konzern einige weitere Manager für das Topmanagement. Pimco verfüge mit mehr als 240 Portfoliomanagern weltweit über ein großes Potenzial an Investmentexpertise, Ressourcen und Fähigkeiten, erklärte er laut einer Mitteilung. „Wir werden weiterhin unsere Fähigkeiten auf allen Bereichen ausbauen und fördern.“

Von

dpa

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