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29.09.2014

07:32 Uhr

Gross-Rücktritt

Pimco-Kunden ziehen Milliarden ab

Nach dem überraschenden Abgang des „Bond-Königs“ Bill Gross ziehen auch die Kunden der Anlagegesellschaft Pimco ihre Konsequenzen. Der Mutterkonzern Allianz war nach eigenen Angaben auf den Rücktritt vorbereitet.

Bill Gross rückt seine Sonnenbrille zurecht: Der Star-Manager stand zuletzt in der Kritik. Reuters

Bill Gross rückt seine Sonnenbrille zurecht: Der Star-Manager stand zuletzt in der Kritik.

FrankfurtDie Allianz setzt sich gegen Vorwürfe zur Wehr, nicht ausreichend bei der amerikanischen Anleihe-Tochter Pimco durchzugreifen. „In unserer Rolle als Muttergesellschaft stehen wir natürlich im engen Kontakt mit Pimco und wissen, was in Kalifornien vor sich geht“, sagte Allianz-Vorstand Jay Ralph in einem Interview mit dem Handelsblatt. Als Eigentümerin führe sie eng.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

„In das operative Geschäft, also das Investment von Kundengeldern, dürfen wir allerdings nicht eingreifen – das ist Aufgabe des Managements“, betonte der für das globale Asset Management zuständige Allianz-Manager. „Wir sind selbst Pimco-Kunde, es gäbe einen Interessenkonflikt, wenn wir uns in das Tagesgeschäft einmischten.“

Laut US-Zeitung „Wall Street Journal“ haben die Kunden von Pimco nach dem Weggang von „Bond-König Bill Gross am vergangenen Freitag etwa zehn Milliarden Dollar abgezogen. Experten hatten nach dem überraschenden Abgang erwartet, dass die Anleger nun weiteres Geld abziehen würden. Seit Mai 2013 sind bereits 70 Milliarden Dollar aus dem von ihn geleiteten Total Return Fund abgeflossen. Der weltgrößte Anleihenfonds hatte einst ein Volumen von knapp 293 Milliarden Dollar.

Insidern zufolge versuchte Gross mit dem Rücktritt seinem Rauswurf zuvorzukommen. Bereits an diesem Montag beginnt der 70-Jährige bei der im Vergleich zu Pimco kleinen Firma Janus Capital. Die Allianz-Aktie stürzte am Freitag nach dieser Nachricht ab.

Kommentare (1)

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Herr Ich und Ich

29.09.2014, 08:54 Uhr

Wenn Bill Gross - mit Insiderwissen - derzeit nicht an seinen gekauften Anleihen festhält und wechselt, warum sollte der Anleger sich an diesen dann festhalten?

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