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22.05.2015

10:54 Uhr

Großbritannien

Das Ende des Börsenblues

VonKatharina Slodczyk

Vor den Wahlen wagten nur wenige Unternehmen in London Aktienemissionen. Das dürfte sich jetzt ändern und zahlreiche IPO-Kandidaten machen sich hübsch fürs Parkett.

Andrew Thorburn, Chef der National Australia Bank: "Es gehört zu unseren Prioritäten, aus dem britischen Geschäft auszusteigen und Clydesdale an die Börse zu bringen." Getty Images

Andrew Thorburn, Chef der National Australia Bank: "Es gehört zu unseren Prioritäten, aus dem britischen Geschäft auszusteigen und Clydesdale an die Börse zu bringen."

LondonDer Zeitpunkt galt als denkbar ungünstig: Ausgerechnet an dem Maitag, an dem die Briten ihr neues Parlament wählten, ging Curtis Banks an die Börse. Für den Anbieter privater Altersvorsorgepläne zahlte sich dieser Mut aber am Ende aus. Um gut acht Prozent sind die Titel am ersten Handelstag gestiegen. 7,5 Millionen Pfund (zehn Millionen Euro) brachte der Sprung aufs Parkett ein - Geld, mit dem das Unternehmen seine Expansion finanzieren will.

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Es dürfte ein Schritt sein, den die Branche sehr gespannt verfolgt: Die britische Anwaltskanzlei Gateley will in diesem Monat an die Börse – zum ersten Mal wagt eine Sozietät auf der Insel den Gang aufs Parkett.

Eine Reihe anderer britischer Börsenkandidaten hat ihre Pläne wegen der erwarteten Untersicherheit über den Wahlausgang dagegen aufgeschoben. "Die werden jetzt das Zeitfenster bis zur Sommerpause dafür nutzen", heißt es nun unter Investmentbankern. "Denn die wahlbedingte Flaute dürfte vorbei sein."

Zu diesen Unternehmen gehören unter anderem die Hotelbetreibergesellschaft Elegant Hotels und die britische Anwaltskanzlei Gateley, die ihre Erstnotierung an der Wachstumsbörse AIM der London Stock Exchange für Ende Mai planen. Der Online-Musik-Shop Gear4Music dürfte im Juni folgen.

Investmentbanker erwarten, dass nach und nach aber auch deutlich größere Unternehmen ihre Börsenpläne umsetzen - etwa der Ferienparkbetreiber Center Parcs und der Sicherheitssoftwarehersteller Sophos. Center Parcs gehört der Private-Equity-Gesellschaft Blackstone und wird mit insgesamt etwa 2,5 Milliarden Pfund bewertet. Finanzkreisen zufolge ist allerdings noch nicht endgültig klar, ob Blackstone das Unternehmen an die Börse bringt oder an andere Private-Equity-Investoren verkauft.

Zu den IPO-Kandidaten zählt auch die Clydesdale Bank, die der National Australia Bank gehört. Die Mutter hat erst jüngst bekräftigt, die britische Tochtergesellschaft noch bis zum Jahresende in London an die Börse bringen zu wollen.

Clydesdale-Konkurrenten wie Shawbrook und Aldermore haben sich dagegen beeilt, um dieses Vorhaben bereits vor den Parlamentswahlen umzusetzen. Fachleute hatten lange Zeit damit gerechnet, dass es unklare Mehrheitsverhältnisse bei den Parlamentswahlen geben würde und die anschließenden Koalitionsverhandlungen sich hinziehen dürften. Das hatte nicht nur das Geschäft mit Börsengängen, sondern auch die britische Währung und den Aktienmarkt teilweise belastet.

Wider Erwarten hat es aber der konservative Premier David Cameron von der Tory-Partei geschafft, im Amt zu bleiben. Dafür braucht er zudem keinen Koalitionspartner mehr. Das hat nach den Wahlen vor allem kleineren britischen Unternehmen, die im FTSE 250 vertreten sind, Auftrieb gegeben. Der Börsenindex hat zuletzt ein Rekordhoch erreicht.

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