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29.01.2010

11:22 Uhr

Großbritannien

Kritik von Ratingexperten belastet Märkte

VonMichael Maisch

Großbritannien leidet massiv unter den Folgen der Finanzkrise und tauchte als letztes großes Industrieland nach 18 Monaten aus der Rezession aus. Nun äußert die Ratingagentur Standard & Poor?s Zweifel am Bankensystem im Königreich. Die Aufsichtsbehörde FSA will nun noch härter durchgreifen.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s äußert Zweifel am Bankensystem im Königreich. Die Aufsichtsbehörde FSA will nun noch härter durchgreifen. Reuters

Die Ratingagentur Standard & Poor’s äußert Zweifel am Bankensystem im Königreich. Die Aufsichtsbehörde FSA will nun noch härter durchgreifen.

LONDON. Kritische Aussagen der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) zum britischen Bankensystem haben die Finanzmärkte des Königreichs gestern deutlich belastet. Die Bonitätswächter warnten, dass sie Großbritannien nicht länger als eines der sichersten und risikoärmsten Bankensysteme in der Welt ansehen würden. Die schwache wirtschaftliche Entwicklung werde die Institute auf der Insel weiter belasten, betonte S&P.

Die Warnung der Ratingagentur verunsicherte die ohnehin misstrauischen Investoren weiter. Terminkontrakte auf britische Staatsanleihen verloren deutlich an Wert, am Aktienmarkt fiel der Leitindex FTSE um 1,4 Prozent, und das britische Pfund gab seine anfänglichen Gewinne komplett ab und sackte auf 1,6147 Dollar beziehungsweise 1,1573 Euro.

Großbritannien leidet massiv unter den Folgen der Finanzkrise und tauchte als letztes großes Industrieland nach 18 Monaten aus der Rezession aus. Allerdings fiel das Wachstum im vierten Quartal 2009 mit 0,1 Prozent nur minimal und deutlich schlechter als erwartet aus. Wegen der hohen Staatsschuld drohen die Ratingagenturen bereits damit, dem Land die Bonitätsbestnote "AAA" zu entziehen.

Die Folgen der Finanzkrise haben dem britischen Bankensystem schwer zu schaffen gemacht. Die Royal Bank of Scotland gehört inzwischen zu über 70 Prozent dem britischen Staat, und an der Lloyds Banking Group hält die Regierung mehr als 40 Prozent.

Für mehr Stabilität im Finanzsystem soll die Reform der Bankenaufsicht sorgen. Gestern hat die Aufsichtsbehörde FSA einen weitreichenden Plan zur Kontrolle des Managements von Finanzinstituten vorgestellt. Die Reform wird dazu führen, dass auch die Führungskräfte ausländischer Banken, die in London tätig sind, von der FSA genehmigt werden müssen. Alle Manager, "die für die Entwicklung britischer Töchter relevant sind", werden sich damit einem Interview bei der FSA unterziehen müssen.

Bislang mussten nur die Führungskräfte britischer Banken von der FSA genehmigt werden. "Unser neuer strikterer Ansatz legt großen Wert auf die Unternehmensführung", betont der zuständige FSA-Direktor Graeme Ashley-Fenn. "Unsere Erfahrung zeigt, dass alles andere folgt, sobald ein effektives und starkes Management etabliert ist." Die neuen Pläne definieren neun Management-Positionen, die von der FSA genehmigt werden müssen, vom Aufsichtsratschef bis zum Vorsitzenden des Vergütungsausschusses. Bereits seit vergangenem Sommer greift die FSA bei der Genehmigung von Managern härter durch. In einigen Fällen hätten es die Anwärter nach dem Interview für besser gehalten, ihre Bewerbungen zurückzuziehen, betonte Behördenchef Hector Sants damals.

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