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03.07.2012

14:28 Uhr

Große Lücken

Anleihemärkte belasten Pensionspläne

VonAnke Rezmer

Die Schwankungen an den Anleihemärkten bleiben nicht folgenlos. In den Pensionsplänen von Unternehmen entstehen klaffende Lücken. Unternehmensberater diskutieren Möglichkeiten, um das Eigenkapital der Firmen zu schonen.

Durch die Schwankungen an den Anleihemärkten entstehen klaffende Lücken in den Pensionsplänen großer Unternehmen. ap

Durch die Schwankungen an den Anleihemärkten entstehen klaffende Lücken in den Pensionsplänen großer Unternehmen.

Die derzeitigen Schwankungen an den Anleihemärkten können große Unternehmen gravierend belasten. Grund: In ihren Pensionsplänen entstehen klaffende Lücken. „Für große Firmen bedeutete dies eine massive Belastung ihres Eigenkapitals“, sagt Norman Dreger, Berater der Unternehmensberatung Mercer. Die Entwicklung der Anleihemärkte könnte die Pensionslasten allein der 30 Dax-Konzerne um gut 120 Milliarden Euro erhöhen, meint er.

Dafür sorgen zwei Arten von Problemen: Die Durchschnittsrenditen von Firmenanleihen sehr guter Bonität („AA-Rating“) in der Euro-Zone sind 2012 um einen Prozentpunkt gesunken. Für Firmen, die nach internationalen Bilanzierungsvorschriften mit diesem Zins ihre in Zukunft zu zahlenden Betriebsrenten abdiskontieren müssen, steigt daher der Wert ihrer Pensionslasten.

Ein um einen Prozentpunkt sinkender Zins erhöht die Pensionslasten um 15 Prozent. Im Fall der Dax-Konzerne haben sich die Pensionsverpflichtungen seit Jahresbeginn von 250 Milliarden um 40 Milliarden Euro erhöht, errechnete Dreger. Da aber das Vermögen, dass diese Konzerne zur Finanzierung der Betriebsrenten in Treuhandgesellschaften ausgelagert haben, nicht entsprechend zunimmt, entsteht eine Lücke, die gemäß Bilanzierungsregeln das Eigenkapital belastet.

Das gilt laut Alfred Gohdes, Chefaktuar bei der Unternehmensberatung Towers Watson, aktuell für Quartalsabschlüsse großer Firmen. Debattiert wird auch noch ein zweites Problem: Die Ratingabwertungen für Euro-Land-Firmen stellen den Zins für „AA-Anleihen“ als Diskontierungssatz für Pensionslasten infrage.

„Seit Ende 2010 hat sich das Universum der mit „AA“-gerateten Firmenanleihen rund halbiert“, sagt Dreger. Sollte sich dies fortsetzen, sei es fraglich, wie lange dieser Diskontierungszins noch vertretbar sei.

Wenn der Markt für „AA“-Firmenbonds nicht mehr liquide genug ist, muss laut Bilanzierungsregeln auf Renditen von Staatsanleihen zurückgegriffen werden. Was „liquide“ ist, liegt im Ermessen der Wirtschaftsprüfer. Da die Rendite lang laufender Staatsanleihen aber deutlich niedriger ist als die von Firmenbonds, belastete auch dies die Firmen. Dreger ermittelt für die Dax-Firmen weitere 80 Milliarden Euro höhere Pensionslasten.

„Dieses Thema beschäftigt aktuell viele Firmen“, sagt Dreger. Kein Wunder, dass Wirtschaftsprüfer dazu nichts sagen wollen. Als möglichen Ausweg schlägt Dreger vor, den Diskontierungssatz auf andere Anleihen, etwa mit noch guter Bonität mit „A“-Rating, auszuweiten. Das dürfte die Pensionslasten weniger schwanken lassen und die Firmenbilanzen weniger belasten.

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