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24.04.2014

09:34 Uhr

Großinvestoren

Die neue Lust auf Anleihen

Während die Banken sich immer mehr aus Anleihen zurückziehen, kaufen große Investmentgesellschaften wie Blackrock immer mehr Bonds dazu. Bei manchen hat sich das Investment in Festverzinsliche mehr als verdoppelt.

Banken investieren immer weniger in Bonds, Hedgefonds aber umso mehr. Der Anleihenmarkt wird beherrscht von wenigen, dafür aber großen Investoren. dapd

Banken investieren immer weniger in Bonds, Hedgefonds aber umso mehr. Der Anleihenmarkt wird beherrscht von wenigen, dafür aber großen Investoren.

New YorkBill Gross und Larry Fink verwalten drei Billionen Dollar in Bondinvestments - eine Summe die fast der Größe des deutschen Bruttoinlandsprodukts entspricht. Ihre Vermögensverwaltungsfirmen Pacific Investment Management und Blackrock verdoppelten ihre Anleihebestände seit 2008, während der Markt um lediglich 50 Prozent wuchs.

Auch einige der größten Hedgefonds-Gesellschaften, darunter Bridgewater Associates und Blue Crest Capital Management haben ihre Investments in Festverzinsliche mehr als verdoppelt, wie Daten von Bloomberg zeigen. Gleichzeitig schrumpfen bei den größten Banken an der Wall Street die Bondinvestments. Das geht aus Zahlen der US-Notenbank Federal Reserve hervor.

Der aus dem Lot geratene Markt hat die Aufmerksamkeit der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission auf sich gezogen. Die SEC prüft nicht nur, ob die größten Marktteilnehmer aufgrund ihres Einflusses bessere Preise und besseren Zugang erhalten. Die Aufseher sind auch besorgt, was passiert, wenn die seit fünf Jahren laufende Bond-Rally endet, da sich abzeichnet, dass die Leitzinsen steigen werden.

Geldquelle Staatsanleihen

Was sind Staatsanleihen?

Staatsanleihen oder Schuldverschreibungen sind eine der wichtigsten Finanzierungsquellen von Staaten. Im Gegensatz zu Aktien sind diese Wertpapiere mit einem festen Zins ausgestattet und das Kapital wird zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezahlt.

Wie sicher sind Staatsanleihen?

Anleihen werden in verschiedenen Laufzeiten von zumeist 2 bis 30 Jahren ausgegeben. Lange Zeit galten sie als äußerst sichere Anlageform, da das Risiko eines staatlichen Zahlungsausfalls als sehr gering betrachtet wurde. Mit der Schuldenkrise in Europa ist dieses Bild aber ins Wanken geraten.

Woraus ergibt sich der Zins?

Als Zinszahlung erhält der Anleger die Rendite oder den Effektivzins. Dieser ergibt sich aus dem im Vorhinein festgelegten Zins der Anleihe (Kupon) und dem von ihm gezahlten Marktpreis (Kurs) des Papiers. Sinkt die Nachfrage und damit der Kurs der Anleihe, steigt die Rendite.

„Es wird interessant sein, zu sehen, wer die andere Seite des Handels übernimmt, wenn es zu einem größeren Ausverkauf kommt - was ein enormes Risiko darstellt”, sagt Arthur Tetyevsky, Stratege für Anleihehandel bei Imperial Capital in New York. „Sicher ist, dass wir dem Ende der Rally viel näher sind.”

Die Dominanz der größten Fonds erschwert Verkäufe für jeden Investor, wenn die US-Notenbank Federal Reserve die rekordniedrigen Zinsen anhebt und die Kurse der Bonds ins Trudeln geraten werden. Bislang haben sich die Aufsichtsbehörden mit den Risiken für das Finanzsystem beschäftigt, die von Banken ausgehen, die zu groß zum Scheitern sind. Doch Gefahren haben sich auch zu den Vermögensverwaltern verlagert. Die Banken unterliegen angesichts schärferer Vorschriften Handelsbeschränkungen mit eigenem Geld. Damit hat ihre Bedeutung abgenommen und der Bondmarkt ist anfälliger für Wogen, die von den gigantischen Fonds ausgehen.

Nach Angaben der Federal Reserve Bank von New York haben die größten Händler ihre Bestände an Unternehmensanleihen von 235 Milliarden Dollar im Jahr 2007 auf 56 Milliarden Dollar vor einem Jahr zurückgefahren. Die Bestände fungierten als Puffer, um Kursschwankungen abzufedern und erleichterten es, größere Volumina zu handeln.

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