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14.02.2012

18:42 Uhr

Günstige Konditionen

Dollar bleibt bei Europas Unternehmen beliebt

VonAndrea Cünnen

Europäische Unternehmen entdecken ihre Liebe zum Dollar: Immer mehr legen ihre Bonds in der US-Währung auf. Gelockt werden die Investoren durch die günstigen Konditionen.

Das Interesse an Dollar-Emissionen wurde durch die Schuldenkrise in Europa verstärkt. dpa

Das Interesse an Dollar-Emissionen wurde durch die Schuldenkrise in Europa verstärkt.

FrankfurtOb Daimler, Fresenius Medical Care, Pernod Ricard, SAB Miller oder Schaeffler - die Liste der europäischen Unternehmen, die sich in diesem Jahr bei Investoren in den USA finanziert haben, ist lang. Immer mehr Firmen aus Europa begeben Anleihen in Dollar. In diesem Jahr lauteten nach Berechnungen des Datenanbieters Dealogic bereits 28 Prozent der neuen Bonds europäischer Firmen auf die US-Währung.

„Die Unternehmen können sich zum Teil günstiger in Dollar als in Euro verschulden, und Investoren in den USA sind an europäischen Unternehmen interessiert, um ihr Anlagespektrum zu erweitern“, erklärt Matthias Minor, der das Kapitalmarktgeschäft mit Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei der Royal Bank of Scotland (RBS) leitet.

Minor geht wie viele Experten davon aus, dass der Dollar auch künftig als Emissionswährung für Europas Unternehmen beliebt sein wird. Die französische Großbank Société Générale rechnet damit, dass der Dollar-Anteil bei Anleihen europäischer Unternehmen in diesem Jahr um weitere sieben Prozent steigen wird. „Viele Unternehmen - gerade solche mit etwas schwächerer Bonität interessieren sich für den US-Markt“, sagt auch Rüdiger Malaun, Partner bei der Anwaltskanzlei Latham & Watkins.

Einen ordentlichen Schub bekamen Dollar-Bonds bereits im Jahr 2011, als Europas Unternehmen knapp 29 Prozent ihres Refinanzierungsbedarfs in Dollar deckten. In den Jahren davor machte der Greenback nur zwischen 21 und 25 Prozent aus.

„Seit Monaten läuft auch bei neuen Unternehmensanleihen in Euro wieder alles rund, aber vergangenen Sommer konnten sich die Unternehmen über mehrere Wochen nicht in Euro finanzieren - unter anderem wegen der Schuldenkrise der Euro-Länder war der Markt zu“, berichtet Minor: „Das hat auch bei den Vorstandschef vieler Unternehmen Eindruck hinterlassen und das Interesse an Dollar-Emissionen verstärkt.“ Denn in Dollar können sich Firmen mehr oder weniger ständig refinanzieren.

„In den USA werden Unternehmensanleihen viel mehr gehandelt als in Europa, wo Investoren die Anleihen tendenziell länger halten“, erläutert Maik Laske, der bei der Société Générale für das Finanzierungsgeschäft mit deutschsprachigen Kunden zuständig ist. „Die Investoren in den USA wissen, dass sie Anleihen schnell wieder verkaufen können und sind deshalb bereit, auch in schwierigen Marktphasen zu kaufen“, informiert Laske.

„In den USA sind die Investoren risikobereiter“, sagt auch Anwalt Malaun. „Deshalb nutzen auch Unternehmen mit einer schwächeren Bonität gerne den US-Markt.“ In diesem Jahr haben europäische Unternehmen mit relativ geringer Kreditwürdigkeit und Ratings im Bereich Non-Investment-Grade nach Berechnungen von Morgan Stanley mehr als 60 Prozent ihrer Anleihen in Dollar aufgelegt.

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