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28.03.2017

17:35 Uhr

Hedgefonds-Attacke auf Aurelius

Gotham City in München

Nach Wirecard und Ströer steht die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius im Fokus eines Hedgefonds. Ein negativer Kommentar – und mehr als eine halbe Milliarde Euro Börsenwert sind vernichtet.

Vor drei Jahren hatte der Münchner Finanzinvestor Aurelius seine Beteiligung an der Reederei Peter Deilmann und am Kreuzfahrtschiff „MS Deutschland“ - dem „Traumschiff“ - weiterverkauft. Nun steht das Unternehmen im Fokus eines Hedgefonds. dpa

Traumschiff

Vor drei Jahren hatte der Münchner Finanzinvestor Aurelius seine Beteiligung an der Reederei Peter Deilmann und am Kreuzfahrtschiff „MS Deutschland“ - dem „Traumschiff“ - weiterverkauft. Nun steht das Unternehmen im Fokus eines Hedgefonds.

FrankfurtDie Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius ist ins Visier des Hedgefonds Gotham City geraten. Die Aktie sackte am Dienstag nach einem kritischen Kommentar von Gotham City um bis zu 32 Prozent auf 44,10 Euro ab. Es war der größte Kurssturz in der Geschichte des Münchener Finanzinvestors, der in den vergangenen Jahren ein Portfolio mit fast drei Milliarden Euro Umsatz aufgebaut hat. Bis zum Mittag wurden 20-mal so viele Aktien der im wenig regulierten Freiverkehr notierten Firma gehandelt wie an einem durchschnittlichen Handelstag. Mittlerweile konnte die Aktie auf Verluste auf rund 20 Prozent begrenzen. An der Börse war Aurelius vor dem Kurseinbruch rund zwei Milliarden Euro wert.

Gotham City schrieb in einem im Internet veröffentlichten Bericht, die Aurelius-Aktie sei seiner Ansicht nach nicht mehr wert als 8,56 Euro. Der Hedgefonds wirft Aurelius unter anderem Ungereimtheiten bei der Bilanzierung vor.

Aurelius wies die Vorwürfe zurück. Die Studie von Gotham City bestehe aus bekannten Fakten, die aber bewusst in irreführender Weise und mit falschen Behauptungen und Annahmen präsentiert worden seien, um den Aktionären des Unternehmens zu schaden - und zum Nutzen des Leerverkäufers. Aurelius prüfe Schadenersatz-Forderungen und eine Strafanzeige wegen Marktmanipulation gegen Gotham City. Die Wertpapieraufsicht erklärte, sie prüfe den Handel mit den Aktien routinemäßig.

Um den Kurs zu stützen, legt das Unternehmen sofort ein weiteres, 50 Millionen Euro schweres Aktienrückkaufprogramm auf. Die Hauptversammlung solle am 21. Juni zudem einen Rückkauf von weiteren zehn Prozent des Grundkapitals beschließen. Die im kaum regulierten Freiverkehr der Münchner Börse gehandelte Aktie stabilisierte sich etwas und lag am Nachmittag noch 19 Prozent im Minus. Damit hat Aurelius aber immer noch rund 400 Millionen Euro an Wert verloren.

Aurelius-Chef Dirk Markus hat sein Geschäftsmodell, den Kauf angeschlagener Unternehmen zu günstigen Preisen, von Deutschland auf ganz Europa ausgeweitet. Dabei profitiert der Finanzinvestor von Buchgewinnen, weil der Kaufpreis unter dem Buchwert liegt. Das sei „ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells“, hieß es in der Stellungnahme von Aurelius. Der größte Zukauf war jüngst die Europa-Sparte des US-Bürobedarf-Händlers Office Depot. Zu den bekanntesten Beteiligungen gehören die Fernhochschule AKAD, die Nachhilfe-Organisation Studienkreis und der Segelyachtbauer HanseGroup. Vom börsennotierten Spirituosen- und Saft-Hersteller Berentzen hat sich das Unternehmen im vergangenen Jahr getrennt.

Laut Bundesanzeiger hielt Gotham City am vergangenen Freitag (24. März) Leerverkaufs-Positionen im Volumen von 0,61 Prozent des Grundkapitals von Aurelius. Mit Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse. Sie leihen sich bei solchen Geschäften Aktien, um diese zu verkaufen. Dabei hoffen sie, dass sie die Papiere bis zum Ende der Ausleihfrist billiger zurückkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen können.

Schon öfter sind deutsche Unternehmen ins Visier solcher Short-Seller geraten. Bei Wirecard war der Kurs im Februar 2016 massiv eingebrochen, nachdem die bis dahin unbekannte Firma Zatarra Research & Investigations auf ihrer Internetseite Betrugs- und Geldwäschevorwürfe erhoben hatte. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen dubioser Handelsaktivitäten in dem Fall.

Beim Werbevermarkter Ströer hatte der US-Investor Muddy Waters vor knapp einem Jahr mit einer negativen Analyse einen Kurssturz ausgelöst. Beide Aktien haben sich von den Kursverlusten aber wieder deutlich erholt. Die Wirecard-Papiere haben vor kurzem sogar ein neues Allzeithoch erreicht.

Aurelius hat sich in den vergangenen Jahren vom Käufer angeschlagener oder insolventer Unternehmen zum Investor in Firmen mit bis zu 750 Millionen Euro Umsatz in ganz Europa entwickelt. Der größte Zukauf war jüngst die Europa-Sparte des US-Bürobedarfs-Händlers Office Depot. Zu den bekanntesten Beteiligungen gehören die Fernhochschule AKAD, die Nachhilfe-Organisation Studienkreis und der Segelyachtbauer HanseGroup. Die Beteiligung an der Reederei Peter Deilmann und am Kreuzfahrtschiff „MS Deutschland“ - dem „Traumschiff“ - hat Aurelius vor drei Jahren weiterverkauft. Vom börsennotierten Spirituosen- und Saft-Hersteller Berentzen hat sich Aurelius erst im vergangenen Jahr getrennt.

Von

rtr

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