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30.08.2016

17:20 Uhr

Hedgefonds wetten auf fallende Kurse

Eigentor für Wirecard-Zocker

VonJürgen Röder, Georgios Kokologiannis

Zocken wie „The Wolf of Wall Street“? Vor gut einem halben Jahr attackierten Spekulanten die Aktie des Zahlungsabwicklers, der Kurs von Wirecard brach drastisch ein. Doch die Lage hat sich komplett gedreht.

Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort in einer Szene des Kinofilms „The Wolf of Wall Street“. Der aus einfachen Verhältnis stammende Börsenmakler wollte schnell reich werden, was aber nicht funktionierte. Bei der Wirecard-Aktie dürften viele Hedgefonds auch nicht reich werden, sondern Verluste erzielen. dpa

"The Wolf of Wall Street"

Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort in einer Szene des Kinofilms „The Wolf of Wall Street“. Der aus einfachen Verhältnis stammende Börsenmakler wollte schnell reich werden, was aber nicht funktionierte. Bei der Wirecard-Aktie dürften viele Hedgefonds auch nicht reich werden, sondern Verluste erzielen.

Düsseldorf/FrankfurtIn der Sportlersprache war es eine Einladung zum Elfmeter – zumindest für Spekulanten: Das bislang völlig unbekannte Analysehaus „Zatarra Research“ wirft Anfang März 2016 dem Zahlungsabwickler Wirecard betrügerisches Geschäftsgebaren vor. Als Folge bricht die Aktie, die zu den wertvollsten Unternehmen im Technologieindex TecDax gehört, um rund ein Viertel ein.

Während die Anteilseigner innerhalb eines Handelstages einen Verlust von insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro verkraften müssen, erzielen sogenannte „Leerverkäufer“ aus solchen Aktionen hohe Gewinne (aktuelle Leerverkäufe finden Sie in unserer Datenbank).

Welche Hedgefonds auf fallende Wirecardkurse setzen

Platz 1

Blue Ridge Capital, Anteil der Leerverkäufe am Streubesitz: 3,35 Prozent, Datum 8.8.2016, Quelle: Bundesanzeiger.de, 30.8.2016

Platz 2

Canada Pension Plan Investment Board, Anteil der Leerverkäufe am gesamten Streubesitz: 1,36 Prozent, Datum 29.7.2016

Platz 3

Coatue Management, Anteil der Leerverkäufe am gesamten Streubesitz: 1,29 Prozent, Datum 16.8.2016

Platz 4

Darsana Capital Partners, Anteil der Leerverkäufe am gesamten Streubesitz: ein Prozent, Datum 25.5.2016

Platz 7

Oxford Asset Management, Anteil der Leerverkäufe am gesamten Streubesitz: 0,64 Prozent, Datum 18.9.2015

Platz 5

QVT Financial, Anteil der Leerverkäufe am gesamten Streubesitz: 0,79 Prozent, Datum 10.8.2016

Platz 6

Theleme Partners, Anteil der Leerverkäufe am gesamten Streubesitz: 0,74 Prozent, Beginn 24.2.2016

Platz 8

Thunderbird Partners, Anteil der Leerverkäufe am gesamten Streubesitz: 0,63 Prozent, Datum 18.8.2016

Platz 9

Blue Mountain Capital Management, Anteil der Leerverkäufe am Streubesitz: 0,58 Prozent, 5.8.2016

Deren Vorgehensweise: Sie leihen sich bei anderen Marktteilnehmern – vor allem bei Fonds - Dividendenpapiere, um diese sofort wieder zu verkaufen. Sinkt der Aktienkurs wie geplant, können die im Fachjargon auch als „Shortseller“ bezeichneten Investoren die Titel später zu einem verbilligten Kurs zurückkaufen und dem Verleiher zurückgeben. Die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem gesunkenen Rückkaufskurs streichen die Leerverkäufer als Profit ein.

Die Hintermänner der dubiosen Analystenstudie mit dem „Kursziel null“ bleiben unbekannt. Allerdings hatten damals neben mehreren angelsächsischen Hedgefonds zuletzt etwa das „Canada Pension Plan Investment Board“ auf fallende Wirecard-Kurse gesetzt – also die kanadische Rentenkasse. Doch wie viel diese „Shortseller“ mit ihren Aktionen verdienen, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis der verschwiegenen Investoren.

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Unterschiedliche Fonds wetten im großen Stil auf fallende Kurse deutscher Aktien. Dazu gehören auch große Konzerne. Eine Übersicht über die Papiere mit den meisten Leerverkäufen.

Doch aus der Einladung zum Elfmeter ist mittlerweile ein Eigentor geworden. Denn laut den Daten des Finanzdienstleisters Markit vom 22. August 2016, die dem Handelsblatt vorliegen, beträgt der Anteil der leer verkauften Papiere immer noch 15,4 Prozent von den im Streubesitz befindlichen Aktien. Bei einer Marktkapitalisierung von 5,3 Milliarden Euro und einem Anteil der frei verfügbaren Aktien in Höhe von 93 Prozent setzt immer noch ein Kapital von mehr als 750 Millionen Euro auf fallende Kurse.

Das Problem für die Zocker: Die Aktie fällt nicht, sondern ist seit der Attacke Anfang März dieses Jahres wieder deutlich gestiegen. Von einem Tiefpunkt von 29,40 Euro im März auf mittlerweile auf 45 Euro – ein Plus von mehr als 30 Prozent.

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