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16.11.2012

14:06 Uhr

Heiße Wette

Anleger erzielen Riesenrendite mit Ramsch

Von den Ratingagenturen wird Portugal als Ramsch eingestuft. Dennoch haben Anleger mit portugiesischen Staatsanleihen in diesem Jahr richtig viel verdient. Dabei mussten sie allerdings starke Nerven haben.

Mit Portugal haben Anleger einen 15mal so hohen Ertrag erzielt wie mit US-Staatsanleihen gemacht. Reuters

Mit Portugal haben Anleger einen 15mal so hohen Ertrag erzielt wie mit US-Staatsanleihen gemacht.

Mit portugiesischen Staatsanleihen haben Anleger seit Jahresbeginn einen 15mal so hohen Ertrag erzielt wie mit US-Treasuries. Die Zahl zeichnet jedoch ein schiefes Bild, da sie die Investmentrisiken aufgrund der Kursschwankungen bei den Portugal-Bonds nicht berücksichtigt.

Portugal wird von den drei großen Ratingagenturen Moody's Investors Service, Fitch Ratings und Standard & Poor's mit Noten unterhalb der Güteklasse Investmentgrade bewertet. Die Anleihen des Landes haben den Investoren in diesem Jahr einen Ertrag von 42,4 Prozent eingebracht, einschließlich wieder investierter Zinsen. Damit setzen sie sich an die Spitze der 26 von Bloomberg der European Federation of Financial Analysts Societies beobachteten Märkte. Nimmt man allerdings die Volatilität in die Gleichung auf, kommen die Papiere auf einen Ertrag von weniger als zwei Prozent, wie Bloomberg-Daten belegen.

Nachdem die Europäische Zentralbank am 6. September angekündigt hatte, sie werde unter bestimmten Bedingungen Anleihen verschuldeter Länder ankaufen, sind die Kurse portugiesischer Bonds gestiegen - trotz der schwachen wirtschaftlichen Lage im Lande. Allerdings nahmen die Kursausschläge mit einem Rückgang des Handelsvolumens in den Bonds zu. Damit wird die für September 2013 geplante Rückkehr des Landes an den internationalen Kapitalmarkt erschwert.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Risikobereinigt haben portugiesische Anleihen in diesem Jahr 1,98 Prozent gewonnen. Bei US-Treasuries liegt die Gesamtrendite bei 2,8 Prozent, risikobereinigt bei 0,74 Prozent. Die risikobereinigte Rendite wird errechnet, indem die Gesamtrendite durch die Volatilität, also die täglichen Kursveränderungen, geteilt wird. Damit ergibt sich eine Messzahl für den Ertrag je Risikoeinheit. Eine höhere Volatilität ist mit stärkeren Kursschwankungen in einem kurzen Zeitraum gleichzusetzen, so dass das Verlustpotenzial steigt.

Auf risikobereinigter Basis bieten irische Bonds die beste Performance in der Euroregion. Sie haben 4,31 Prozent zugelegt, wie Bloomberg-Daten zeigen. Auf dem zweiten Platz folgen belgische Anleihen mit einem Plus von 2,96 Prozent. Griechische Bonds, die in den EFFAS-Indizes 26 Prozent gewonnen haben, sind risikobereinigt das Schlusslicht der Eurozone und kommen auf einen Ertrag von 0,65 Prozent.

Ein weiteres Problem für Investoren ist das geringe Handelsvolumen bei den portugiesischen Anleihen, da es zu weiten Abständen zwischen Kauf- und Verkaufskursen für die Papiere führt. Im Oktober lag das tägliche Handelsvolumen für Portugal- Bonds laut Daten der portugiesischen Schuldenverwaltung bei 11 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor betrug es noch 16 Mio. Euro. Seit November 2010 lag das tägliche Volumen nicht mehr über 100 Millionen Euro.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

19.11.2012, 10:13 Uhr

..und wer hat es möglich gemacht? Der beraubt europäische Steuerzahler.

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