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05.12.2014

22:51 Uhr

Herabstufung durch S&P

Italiens Anleihen kurz vor „Ramsch“

Italien steckt weiterhin in der Krise, nun senkt die Ratingagentur S&P die Bonitätsnote. Das Land steht damit nur noch eine Stufe über Ramschniveau. Ein anderer Euro-Staat erhielt dagegen ein besseres Rating.

S&P begründete Italiens Abstufung mit der schwachen Wirtschaft. dpa

S&P begründete Italiens Abstufung mit der schwachen Wirtschaft.

LondonDie Kreditwürdigkeit Italiens befindet sich nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wegen der Wirtschaftsflaute nur noch knapp über „Ramsch“-Niveau. Die Bonitätsexperten senkten ihre Bewertung am Freitag auf „BBB-“ von „BBB“ und verpassten der Regierung von Ministerpräsident Renzi damit einen schmerzhaften Rückschlag. Renzi hatte sein Amt im Februar mit ehrgeizigen Reformversprechen angetreten, konnte das Land jedoch nicht aus der Rezession befreien.

Die neue Bewertung ist nur noch eine Stufe vom „Ramsch“-Status entfernt, der Anleihen als spekulativ einstuft. Viele Großanleger wie Rentenfonds dürfen nicht in spekulative Anleihen investieren.

Deshalb ist die Unterscheidung von großer Bedeutung und eine weitere Herabstufung könnte dazu führen, dass Italien bei künftig höhere Zinsen zahlen muss. S&P bezeichnete den Ausblick für die Bonitätsbewertung jedoch als stabil und signalisierte damit, dass auf absehbare Zeit keine weitere Herabstufung zu erwarten sind.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

S&P begründete den Schritt mit einer schwachen Wirtschaftsleistung und einer dürftigen Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Beides erschwere die Finanzierung des hohen und weiter anschwellenden Schuldenbergs.

S&P geht davon aus, dass die italienische Wirtschaft 2015 um lediglich 0,2 Prozent zulegt und in dem Zeitraum von 2014 bis 2017 im Durchschnitt nur 0,5 Prozent pro Jahr. Im Juni war die Agentur noch von einem Durchschnittswachstum von 1,0 Prozent ausgegangen. Die italienische Wirtschaftsleistung dürfte in diesem Jahr bereits das dritte Mal in Folge abnehmen.

Einige Analysten zeigten sich überrascht von der Herabstufung, weil die Hoffnung auf Staatsanleihenkäufe durch die Europäische Notenbank (EZB) am Finanzmarkt die Renditen italienischer Schuldenpapiere auf ein Rekordtief gedrückt hat. S&P prognostizierte aber ein deutliches Anwachsen des Schuldenbergs in den kommenden Jahren. Das Finanzministerium in Rom lehnte eine Stellungnahme zu der Herabstufung ab.

Die Probleme Italiens wurden zusätzlich dadurch unterstrichen, dass S&P die Bewertung von Irland gleichzeitig auf „A“ anhob. Irland war noch tiefer in die Schuldenkrise gerutscht als Italien, aber die Wirtschaft verzeichnet mittlerweile wieder ein solides Wachstum. S&P erklärte, sie lobe die überzeugenden irischen Pläne zur Sanierung des Haushalts.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Herr Vittorio Queri

05.12.2014, 20:19 Uhr

>> Italien kurz vor „Ramsch“ >>

Avanti Dilettanti !

Dafür haben die Itaker aber jetzt den Renzi !

Herr Jürgen Clasen

05.12.2014, 20:33 Uhr

Macht nix, Draghi wird von einer Heuschrecke beraten und kauft diesen Schrott. Die Heuschrecke wird über die Sicherheit dieser Mechanik informiert und kann daraus
Kapital schlagen. Doof, döffer, deutscher Michel !

Herr Helmut Metz

05.12.2014, 20:44 Uhr

Ich bitte Sie - Blackrock ist der weltgrößte Anlagenverwalter. Die sind doch garantiert seriööös.
Und die würden doch bestimmt nie ,nie ,nie auch noch Schrott mit Gewinn an die EZB verkaufen... ;-)

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