Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.10.2011

09:51 Uhr

Herabstufung

Rating-Riese feuert weiteren Warnschuss auf Italien

Die Ratingagentur Moody's warnt: Die Risiken für Italiens Wirtschaft seien gestiegen. Gleich um drei Stufen hat sie deshalb die Kreditwürdigkeit des Landes herabgesetzt. Zu Deutschlands Bonität äußerte sich Moody's auch.

Italiens Premier Silvio Berlusconi. dapd

Italiens Premier Silvio Berlusconi.

New York Die Ratingagentur Moody's stuft die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Italiens herunter. Die Bonitätswächter begründeten die Absenkung des Ratings um drei Stufen von „Aa2“ auf „A2“ am Dienstag mit wirtschaftlichen und ökonomischen Unsicherheiten. Die Risiken für die italienische Wirtschaft seien gestiegen.

Die Märkte reagierten relativ entspannt auf den neuen Tiefschlag für Italien. Die Renditen italienischer Staatsanleihen zogen nur leicht an. Papiere mit zehnjähriger Laufzeit rentierten mit 5,52 Prozent und damit 0,06 Prozentpunkte höher als am Dienstag. Der Euro gab zum Dollar nach, erholte sich aber später wieder auf Kurse um 1,33 Dollar.

Moody's warnte Italien vor weiteren Herabstufungen, indem die Agentur das Rating mit einem negativen Ausblick versah. „Das ungewisse Marktumfeld sowie das Risiko einer weiteren Eintrübung der Investorenstimmung könnte den Zugang des Landes zu den Anleihemärkten behindern“, erklärte Moody's. Falls es eine längerfristige Ungewissheit über die Verfügbarkeit externer Finanzierungsquellen gebe, könne sich die Kreditwürdigkeit Italiens daher noch deutlich verschlechtern, auch wenn die Gefahr eines Zahlungsausfalls bislang sehr gering sei.

Welchen Banken Italien Geld schuldet

Commerzbank

11,7 Milliarden Euro

Die Summe wie auch die folgenden sind Bruttoforderungen gegenüber der öffentlichen Hand. Die Daten stammen aus dem Stresstest des Europäischen Banken-Vereinigung (EBA). Stand: 31. Dezember 2010.

Deutsche Bank

7,7 Milliarden Euro (mit Postbank, keine Aufgliederung)

HRE-Konzern

7,1 Milliarden Euro

DZ Bank

2,7 Milliarden Euro

NordLB

1,9 Milliarden Euro

LBBW

1,4 Milliarden Euro

WGZ Bank

1,4 Milliarden Euro

West LB

1,1 Milliarden Euro

HSH Nordbank

700 Millionen Euro

BayernLB

485 Millionen Euro

LBB

300 Millionen Euro

Dekabank

300 Millionen Euro

Intesa Sanpaolo

Ungleich größer ist das Engagement bei den italienischen Banken. Intesa Sanpoalo hält gegenüber der öffentlichen Hand Brottuforderungen über 60 Milliarden Euro.

Unicredit

49,1 Milliarden Euro

Banca Monte del Paschi di Siera

32,5 Milliarden Euro

BNP Paribas

Viertgrößter Gläubiger ist eine französische Bank: Die BNP Paribas ist mit 28 Milliarden Euro in Italien engagiert.

Dexia

Die sich in Auflösung befindende Bank Dexia hält 15,8 Milliarden Euro.

Banco Populare

11,8 Milliarden Euro

Crédit Agricole

10,8 Milliarden Euro

Ubi Banca

10,5 Milliarden Euro

HSBC

9,9 Milliarden Euro

Barclays

9,4 Milliarden Euro

Societe Generale

8,8 Milliarden Euro

ING Bank

7,7 Milliarden Euro

Royal Bank of Scotland

7,0 Milliarden Euro

Der Vize-Vorsitzende der Unions-Fraktion im Bundestag, Michael Meister, forderte Italien nach der Herabstufung zu energischeren Sparschritten und Reformen auf, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. „Ich würde mir wünschen, dass die italienische Regierung die Empfehlungen der EZB beherzigt“, sagte Meister Handelsblatt Online mit Blick auf einen vergangene Woche bekannt gewordenen Brief, in dem der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet und sein designierter Nachfolger, Mario Draghi, vom italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi Anfang August ultimativ verlangten, seine Wirtschafts- und Finanzpolitik in Ordnung zu bringen.

Meister verteidigte zugleich das Vorgehen der EZB. „Für mich ist es nicht ungewöhnlich, dass eine Notenbank die Fiskalpolitik eines Landes unter dem Blickwinkel der Geldpolitik analysiert“, sagte der CDU-Politiker. „Das macht die Bundesbank in ihren Monatsberichten auch.“

Kommentare (29)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

MikeM

04.10.2011, 23:35 Uhr

Darauf ein heiters Bunga-Bunga! Es lebe dolce vita, es lebe die Korruption! Bald ist der Ofen aus.

Eurofan

04.10.2011, 23:50 Uhr

So siehts aus bald ist der Ofen aus - nicht nur in Italien - Merkel im November 2011: " War ja zu erwarten - ich habe schon immer gesagt eine starke DM ist ein Garant für unsere Wirtschaft. Lang lebe die Nordmark! Schluss mit dem Euro"

Logik

05.10.2011, 00:12 Uhr

Bei der Olivenernte wird solange am Baum gerüttelt, wie es
Früchte regnet.
Ebenso ist es mit den Rettungsgeldern.
Wie bei jeder Erpressung ist es gerade die Zahlungsbereitschaft, die Bail-Out-Erpresser anlockt.
Jede "Rettungsrunde" legt die Saat für eine noch größere
Erpressung ...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×