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29.09.2014

13:44 Uhr

Herausforderung IPO

So meistern Sie den Börsengang

VonManuel Heckel

Quartalszahlen, Pflichtmitteilungen, internationale Buchhaltung: Der Kapitalmarkt fordert ein hohes Maß an Transparenz. Insbesondere für scheue Mittelständler ist der Gang aufs Parkett eine enorme Herausforderung.

Beim Börsengang ist es mit den Geheimnissen vorbei: Da müssen Unternehmen das erste Mal Interna im großen Maße offenlegen. Getty Images

Beim Börsengang ist es mit den Geheimnissen vorbei: Da müssen Unternehmen das erste Mal Interna im großen Maße offenlegen.

KölnEin knappes Jahr an der Frankfurter Börse ist überstanden. Und mittlerweile sind auch die Mitarbeiter von Bastei Lübbe richtig angekommen: „Natürlich bricht alle drei Monate die Hektik aus“, sagt Thomas Schierack, Vorstandsvorsitzender des Kölner Verlagshauses, „aber man entwickelt relativ schnell eine gewisse Routine. So hoch springt der Puls jetzt nicht mehr.“ Die fälligen Quartalsberichte wurden geliefert, der erste Geschäftsbericht präsentiert. „Eigentlich lief alles recht glatt bislang“, bilanziert Schierack.
Mittelständische Unternehmen, die in den vergangenen Jahren den Schritt aufs Parkett gewagt haben, sind rar. Bremsend wirkt nicht allein das allgemeine Börsenklima. Viele scheuen auch die organisatorischen Herausforderungen: Vom Berichtswesen bis zur richtigen Unternehmensführung – vor einem Börsengang muss intern einiges auf den Prüfstand. Der gemeinsame Nenner im Unterschied zu vorherigen Strukturen: „Am Kapitalmarkt wird ein erhebliches Maß an Transparenz von den Unternehmen gefordert“, sagt Thomas Fräbel, Kapitalmarktrechtsexperte bei Rödl & Partner.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Eine Pflichtübung ist dabei das Reporting, also das ordnungsgemäße Aufbereiten und Veröffentlichen der Geschäftszahlen. Während GmbH-Unternehmen das in der Regel nur einmal im Jahr machen, werden am Kapitalmarkt regelmäßig Informationen verlangt. Statt der Hausbank lesen plötzlich auch Analysten, Investoren und Journalisten mit – und haken nach, wenn sie etwa über zu kühne Expansionspläne stolpern. „Das sind Themen, die für ein Unternehmen häufig neu sind“, sagt Lutz Krämer, Leiter der Bereiche Corporate und Capital Markets der Anwaltssozietät White & Case in Deutschland. „Plötzlich wird man von verschiedenen Seiten angegangen.“

Viele Unternehmen üben den Weg an die Börse mit der Ausgabe einer Anleihe, die ebenfalls Publizitätspflichten mit sich bringt. Ansonsten ist es spätestens mit dem Wertpapierprospekt mit den Geheimnissen vorbei: „Da müssen die Unternehmen das erste Mal Interna im großen Maße offenlegen, das ist für Mittelständler schon ein Thema“, sagt Fräbel.
Denn wo vorher häufig Verschwiegenheit zur Geschäftsphilosophie gehörte, drohen an der Börse hohe Bußgelder bei zu langsamen Reaktionen. Das gilt insbesondere für sogenannte Pflichtmitteilungen, die das Unternehmen veröffentlichen muss, wenn erhebliche Auswirkungen auf den Börsenkurs drohen. „Wichtig ist vor allem der zeitliche Vorlauf, da kann man eigentlich nicht früh genug anfangen“, sagt Krämer. „Ab Tag eins nach dem Börsengang bleibt keine Zeit mehr zum Üben.“

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