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15.04.2015

17:26 Uhr

Historisch niedrige Rendite

Bund leiht so günstig Geld wie noch nie

Mit eine historisch niedrigen Rendite von 0,13 Prozent ist am Mittwoch eine zehnjährige Bundesanleihe versteigert worden. Dank dem Anleihenkaufprogramm der EZB kommt der Bund so günstig an Geld, wie noch nie.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kann so günstig Geld leihen wie nie zuvor. dpa

Bundesanleihe mit historisch niedriger Rendite

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kann so günstig Geld leihen wie nie zuvor.

BerlinDer Bund kommt so billig an Geld wie noch nie. Bei der Versteigerung einer zehnjährigen Bundesanleihe begnügten sich die Investoren mit einer durchschnittlichen Rendite von 0,13 Prozent, wie die mit dem Schuldenmanagement beauftragte Finanzagentur am Mittwoch mitteilte. Damit wurde der erst im März erreichte Tiefstwert von 0,25 Prozent um fast die Hälfte unterboten.

Die Auktion spülte 3,27 Milliarden Euro in die Staatskasse. Trotz der extrem niedrigen Rendite war die Versteigerung 1,5-fach überzeichnet. Vor einem Monat übertraf die Nachfrage das angebotene Volumen noch um das 2,4-Fache.

„Grund für die sinkenden Renditen sind die Ankaufprogramme der Europäischen Zentralbank“, sagte NordLB-Analyst Michael Schulz. Dadurch steige die Nachfrage, was die Zinsen drücke. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Renditen noch weiter unter Druck geraten“, sagte Schulz.

Im Kampf gegen Deflationsgefahren will die Europäische Zentralbank bis Ende 2016 für rund 1,1 Billionen Euro Staatsanleihen kaufen. Ziel der EZB ist es, die niedrige Inflation anheizen, um einen konjunkturschädlichen Preisverfall auf breiter Front zu verhindern.

Alle Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Die Geldschwemme beginnt

Im März startete die Europäische Zentralbank (EZB) ihre breits im Januar angekündigte Geldschwemme. Die wichtigsten Details zum Kaufprogramm.

Das kauft die EZB

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

So sollen die Käufe ablaufen

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Kauf fauler Papiere ist möglich

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Die Rolle von EFSM und ESM

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Auch Papiere nationaler Banken werden gekauft

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Reintegration der Schuldtitel in die Märkte

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

Der Bund will sich in diesem Jahr maximal 199,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt besorgen – so wenig wie seit 2002 nicht mehr. Grund für den sinkenden Finanzbedarf sind die steigenden Steuereinnahmen. Dass sich Finanzminister Wolfgang Schäuble trotz des geplanten ausgeglichenen Haushalts in diesem Jahr einen dreistelligen Milliardenbetrag leihen muss, liegt an den Altschulden von mehr als einer Billion Euro. Das geliehene Geld muss regelmäßig an Investoren zurückgezahlt werden – 2015 summieren sich die Tilgungen auf gut 185 Milliarden Euro.

Von

rtr

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