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10.09.2015

16:56 Uhr

HNA Group

Chinesisches Unternehmen plant islamische Anleihe

Keine Zinsen, keine Spekulation, keine großen Risiken: Als erstes Unternehmen Chinas plant die HNA Group, sich Geld nach islamischen Regeln zu leihen. 150 Millionen Dollar will HNA einsammeln. Der Anfang eines Trends?

Rund 150 Millionen Dollar will sich die Muttergesellschaft HNA der chinesischen Hainan Airline nach islamischen Regeln leihen. Reuters

Chinesische Airline

Rund 150 Millionen Dollar will sich die Muttergesellschaft HNA der chinesischen Hainan Airline nach islamischen Regeln leihen.

SydneyErstmals will sich ein chinesisches Unternehmen Geld nach islamischen Regeln leihen: Die HNA Group, Eigner der Fluggesellschaft Hainan Airlines, will sich auf diese Weise bis zu 150 Millionen Dollar beschaffen. Damit wolle das Konglomerat Schiffe kaufen, sagte am Donnerstag der Geschäftsführer der in Genf ansässigen Shariah Advisory Group (SAG), Andrew Kinal, der den Deal mit eingefädelt hat. „Mehrere weltweit und am Golf ansässige Banken arbeiten an der Transaktion“, sagte Kinal der Nachrichtenagentur Reuters. „Diese erste China-Geschäft ist nur der Anfang für islamische Finanzdienstleistungen in China“, ergänzte er.

Für chinesische Unternehmen ist die Finanzierung über Kredite im Inland vergleichsweise teuer. „Staatliche Unternehmen haben einen bevorzugten Zugang zum Kreditmarkt, wodurch ihre Finanzierungskosten geringer sind, aber für private Firmen ist das schwieriger“, erläuterte Ben Ping Chung Cheung von SAG in Hongkong. „Für sie stehen weniger Kredite bereit.“ Deshalb wachse das Interesse an Alternativen. Islamische Finanzdienstleistungen werden beispielsweise in Großbritannien, Hongkong und Luxemburg angeboten.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Islamische Finanzierungsmodelle verlangen in der Regel für Kreditgeschäfte den Bezug auf konkrete Güter und Vermögensteile wie etwa Landbesitz oder Immobilien. Hintergrund ist, dass für sie gemäß dem Koran ein Zinsverbot gilt. Stattdessen erfolgt die Vergütung beispielsweise über Gewinnbeteiligungen. Auch Spekulationen und die Übernahme erkennbar großer Risiken sind untersagt. Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen islamischen Finanzierungsmodellen eine größere Rolle bei weltweiten Investitionen einräumen.

Von

rtr

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