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13.04.2012

09:57 Uhr

Hochfrequenz-Handel

Börsen wollen den Handel entschleunigen

Die Politik will den Börsenhandel regulieren - nun kommen ihr die Börsen zuvor. Die Betreiber gehen gegen den umstrittenen Hochfrequenz-Handel vor - ob die Strafen sinnvoll sind, ist umstritten.

Umstrittene Teile des Hochfrequenz-Handels werden eingedämmt. dpa

Umstrittene Teile des Hochfrequenz-Handels werden eingedämmt.

Frankfurt, LondonDer automatisierte Hochfrequenz-Handel an den Börsen hat etwas Unheimliches. Computer, die mit komplizierten Formeln gefüttert werden, bewegen innerhalb von Millisekunden Milliarden. Politikern und Regulierern ist das sogenannte Algo-Trading seit Jahren ein Dorn im Auge. Sie fürchten, dass durch den Handel per Autopilot Kettenreaktionen und Betrugsfälle wahrscheinlicher werden - und nehmen die Branche deshalb ins Visier.

Im Rahmen einer neuen EU-Richtlinie soll der Hochfrequenz-Handel mit Hilfe mathematischer Algorithmen stärker reguliert werden. Sollte die derzeit diskutierte Finanztransaktionssteuer in der Euro-Zone tatsächlich einführt werden, könnten Teile des lukrativen Geschäfts abwandern oder ganz zum Erliegen kommen. Große Börsenbetreiber gehen deshalb jetzt mit eigenen Maßnahmen in die Offensive - und hoffen, der Politik damit den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Unternehmen wie die Deutsche Börse, die London Stock Exchange und die amerikanische Nasdaq haben zuletzt Strafgebühren gegen besonders umstrittene Teile des Hochfrequenz-Handels angekündigt - und kommen der Politik damit nach Ansicht von Experten entgegen. „Die Börsen versuchen, das Algo-Trading selbst zu regulieren, damit es nicht ganz abgeschafft wird“, sagt Analyst Christian Muschick von Silvia Quandt Research. Prophylaktisch selbst etwas zu unternehmen sei besser als auf die Verordnung der Regulierer zu warten, betont auch Andrew Bowley, der Algo-Trading-Chef der japanischen Investmentbank Nomura in London.

Vorgenommen haben sich Anbieter wie die Deutsche Börse eine Kundengruppe, die ihnen ohnehin seit längerem Probleme bereiten: Händler, die eine Vielzahl von Aufträgen durch das System jagen, am Ende aber extrem selten handeln. Sie verstopfen mit einer Flut von Aufträgen die IT-Systeme - oft mit Orders, die „weit weg von aktuellen Marktpreisen eingestellt werden und die eine extrem geringe Ausführungswahrscheinlichkeit haben“, sagt der zuständige Börsen-Manager Michael Krogmann. „Für uns ist es deshalb wichtig, unsinniges Handelsverhalten zu bestrafen.“

Kommentare (1)

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Istdochklar

15.04.2012, 18:40 Uhr

Aha, eine Ente! Ist für die Börsen nicht so einfach einen HF-Trader von einem Discount-Broker zu unterscheiden. Die Anzahl der Trades pro Sekunde z.B. über Consors kann auch ganz schön hoch sein. Und die Börsensysteme müssen das einfach abkönnen. HF_Trading nimmt aber der Börse die Preisgestaltungsmacht, da nur kleine Pakete gehandelt werden. Also nicht zu unterscheiden von Kleinanlegern.

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