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21.06.2011

16:03 Uhr

Hochfrequenz-Handel

Computer übernehmen die Rohstoffmärkte

Der Hochfrequenz-Handel zieht nun auch am Rohstoffmarkt ein - und führt teilweise zu heftigen Kursausschlägen. Denn die hohe Frequenz der Handelsprogramme erhöht auch die Fehleranfälligkeit.

Handelscomputer lösen die traditionellen Händler auch an den Rohstoffmärkten ab. Quelle: ap

Handelscomputer lösen die traditionellen Händler auch an den Rohstoffmärkten ab.

FrankfurtDer rund achtprozentige Preisrutsch bei Erdgas binnen weniger Minuten hat einem New Yorker Hedgefonds-Manager vorvergangene Woche zu einer Trainingseinheit verholfen. „In dem Moment, als ich das gehört habe, bin ich im wahrsten Sinne des Wortes zu meinem Computer gerannt und habe angefangen zu kaufen“, erinnert er sich. Es sei klar gewesen, dass ein automatisiertes Handelsprogramm verrückt gespielt habe. Sicher haben auch andere Händler einen Spurt eingelegt. Die Preise für Erdgas zogen rasch wieder an. 

Seit dem berühmt-berüchtigten „Flash Crash“ an der Wall Street, als im Mai 2010 die Kurse am Aktienmarkt innerhalb weniger Minuten abstürzten und sich kurz darauf wieder erholten, sind nicht nachvollziehbare Kursausschläge immer öfter an der Tagesordnung. Als treibende Kraft dahinter gilt das High Frequency Trading (HFT). Bei diesem Hochfrequenz-Handel setzen Computerprogramme auf Basis komplizierter Algorithmen in Millisekunden hunderte von Kauf- oder Verkaufsorders ab. Dabei können sich selbst minimale Kursveränderungen zu erklecklichen Gewinnen summieren. Schätzungen zufolge geht rund die Hälfte des Umsatzvolumens am US-Aktienmarkt auf das Konto von HFT. 

Am Rohstoffmarkt beobachtet Analyst Paul Rowady vom Research-Haus Tabb einen vermehrten Einsatz von ursprünglich für den Devisenmarkt entwickelten Handelsprogrammen. „Der Markt kann hochschießen und gleich wieder zurückfallen. Händler wundern sich dann, was eigentlich passiert ist“, sagt er. Der Unternehmensberatung Aite zufolge beläuft sich der Hochfrequenz-Anteil am Gesamtumsatz bei Energie-Futures auf 15 Prozent. 

Die Börsenbetreiber sind sich dieses Problems durchaus bewusst: Jeffrey Sprecher, Chef der IntercontinentalExchange, betont, dass die Branche bereits daran arbeite, „ungewollte“ Kursausschläge zu verhindern. Allerdings sollen dabei die Vorteile von HFT - hohe Umsätze und hohe Einnahmen - nicht gefährdet werden. „Die Börsen sind in der Pflicht, dieses Problem zu lösen“, betont Sprecher. „Die Kunden werden den Glauben an uns verlieren, wenn wir es nicht tun.“ 

Kommentare (1)

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21.06.2011, 16:36 Uhr

Den Hochfrequenzhandel kann man mit der Tobinsteuer bremsen !
(Auch Transaktionssteuer genannt)

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