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30.08.2016

12:02 Uhr

Hochzins-Anleihen locken Investoren

Die gefährliche Lust auf Ramsch

Je höher der Zins, desto höher das Risiko, ist eine der Grundregeln der Geldanlage. Angesichts von Negativzinsen schwenken viele Anleger auf höher verzinste Unternehmenspapiere um. Wagen sie dabei zu viel?

Europäische Unternehmensanleihen von Firmen mit geringer Kreditwürdigkeit finden mehr Käufer. dpa

Börse in Madrid

Europäische Unternehmensanleihen von Firmen mit geringer Kreditwürdigkeit finden mehr Käufer.

FrankfurtRamsch ist in: Anleihen von Unternehmen, deren Kreditwürdigkeit schlecht benotet wird, finden derzeit reißenden Absatz. Anleger, die vor Jahren noch einen großen Bogen um sogenannte Junk-Bonds gemacht haben, legen sich nun verstärkt Anleihen von Firmen mit einer höheren Ausfallgefahr in ihre Depots. Aus Mangel an Alternativen kämen Anleger an Hochzinsanleihen nicht vorbei, meint Union-Investment-Fondsmanager Marco Salcoacci. „Investoren müssen mit mehr Risiko arbeiten, um ihre Renditeniveaus halten zu können.“

In den großen Industrienationen haben die Notenbanken die Leitzinsen in den vergangenen Jahren auf immer neue Rekordtiefs gesenkt. Mit als relativ sicher geltenden Staatsanleihen lässt sich für große Investoren kaum noch etwas verdienen, Vermögensverwalter, Versicherungen und Pensionskassen haben es daher immer schwerer, auskömmliche Zinsen für ihr Geschäft und ihre Kunden zu erwirtschaften. Daher sind sie gezwungen, in immer riskantere Anlageformen wie Ramschanleihen mit niedriger Bonität zu investieren. Vereinzelt werden aber bereits Stimmen laut, die vor einer Spekulationsblase warnen.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

„Ein so starker Zufluss im Hochzinsbereich wie derzeit ist außergewöhnlich“, sagt Anleihespezialist Thomas Klee von der LBBW. Rechne man die Finanzbranche heraus, habe sich das Volumen der von Firmen ausgegebenen Euro-Anleihen, denen das Gütesiegel „Investment Grade“ der großen Ratingagenturen fehlt, in den vergangenen fünf Jahren auf 240 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Firmen mit besserem Rating gaben zwar auch mehr Papiere aus, allerdings war der Zuwachs nicht ganz so groß.

Während Unternehmens-Anleihen mit guter Kreditwürdigkeit im Schnitt nur noch einen Zins von einem halben Prozent abwerfen, liegt der Zinssatz bei Ramschpapieren in Europa bei durchschnittlich 3,5 Prozent. Zum Vergleich: Für die als risikolos geltenden zehnjährigen Bundesanleihen müssen Investoren sogar noch Geld mitbringen.

Institutionelle Investoren fahren deshalb ihre Anlagen im Hochzins-Bereich nach oben. US-Portfoliomanager Peter Palfrey vom Vermögensverwalter Loomis Sayles stockte den Anteil auf 17 von elf Prozent auf. „Das Wichtigste ist, Rendite einzufangen wo immer es geht“, sagt der Manager des sechs Milliarden Euro schweren Core Plus Bond Fonds. Die Anlagesparte der Münchener Rück, Meag, hat im Hochzins-Bereich neue Produkte und Anlagestrategien eingeführt. „Wir haben unser Engagement in diesem Bereich wegen des Niedrigzinsumfelds in den letzten Jahren verstärkt“, sagt Portfoliomanager Erik Rüttinger.

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