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10.08.2014

13:40 Uhr

Hochzinsanleihen

Die Milliarden-Party geht zu Ende

Die Börse ist eine wundervolle Party – verlasse sie aber nicht als letzter, lautet eine Börsenweisheit. Investoren im Markt für Hochzinsanleihen ziehen sich bereits von der Fete zurück. Der Wendepunkt naht.

Eine Champagner-Flasche in einem Nachtclub. Der Rally bei Junkbonds geht die Puste aus – die Party neigt sich dem Ende. dpa

Eine Champagner-Flasche in einem Nachtclub. Der Rally bei Junkbonds geht die Puste aus – die Party neigt sich dem Ende.

Frankfurt/LondonEs mehren sich die Warnsignale, dass die Verkaufswelle bei Hochzinsanleihen aus den USA über den Atlantik nach Europa schwappt. Investoren in London und Edinburgh sagen, dass sie entweder Derivate kaufen, um sich gegen Verluste bei den renditestarken aber bonitätsschwachen Papieren abzusichern. Oder sie steigen um auf Junkbonds, die mit Sicherheiten wie Bohrinseln und Kabelnetzen unterlegt sind.

„Wir verhalten uns im Hochzinsmarkt sehr vorsichtig“, sagt Ariel Bezalel, in London Fondsmanager des Jupiter Strategic Bond im Volumen von 3,8 Milliarden Dollar. „Wir mussten bei der großen Mehrzahl der Transaktionen in diesem Jahr 'Nein' sagen.“

Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen

Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben

Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.

Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben

Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen. Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen.

Was passiert wenn die Zinsen steigen

Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten. Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern.

Was tun wenn die Zinsen steigen

Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv. Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell.

Fazit

In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds gut geeignet. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren kaum noch geben.

Zwar ist der Stimmungsumschwung noch nicht so ausgeprägt wie in den USA, wo in der Woche bis zum 6. August 7,1 Milliarden Dollar aus Fonds, die in Hochzinsanleihen investieren, abgezogen wurden. Doch Investoren, die dieses Jahr 115 Milliarden Dollar in europäische Junkbonds gepumpt haben, werden argwöhnisch. Sie haben im Juli 0,3 Prozent verloren mit ihren Papieren, nach zwölf Monaten mit Gewinnen in Folge. In den USA kommen die Junkbonds auf Verluste von 1,3 Prozent im Juli.

Die Finanzierungskosten für Europas riskanteste Unternehmen sind sechs Jahre lang durch die Zentralbankpolitik niedrig gehalten worden. Jetzt beginnen sie zu steigen. Die durchschnittliche Rendite von Hochzinsanleihen ist seit Anfang Juli um 0,5 Prozentpunkte auf 4,15 Prozent geklettert, wie Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch zeigen. Das ist die höchste Rendite seit Februar. Noch im Mai lag sie auf einem Rekordtief bei 3,46 Prozent.

Auch beginnen die Bondanleger, sich gegen die zunehmende Aufweichung von Schutzklauseln in den Anleihebedingungen zu stemmen. Repräsentanten von mindestens sechs Investoren haben sich im Juli in London mit der Association for Financial Markets in Europe getroffen, um über eine Verschärfung der Bedingungen zugunsten von Anlegern zu sprechen.

„Wir nähern uns einem Wendepunkt“, sagt Jon Mawby Vermögensverwalter bei GLG Partners in London. Die Gesellschaft hat den Anteil der Junkbonds in ihrem Bondfonds von 45 Prozent im vergangenen Jahr auf nur mehr 15 Prozent verringert. „Wenn Investoren selbstzufriedener werden, auch wenn sich die Strukturen der Transaktionen ungemein zu Ungunsten der Anleger verschlechtern und die Renditen komprimiert werden, dann sollten wir das als Warnsignal betrachten“, ergänzt er.

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