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16.12.2014

10:21 Uhr

Hochzinsanleihen

Gefährliche Sicherheit

VonJessica Schwarzer

Ramsch ist bei Anlegern heiß begehrt. Hochzinsanleihen mit schwacher Bonität erscheinen vielen als Ausweg aus der Niedrigzinsfalle, zumal die Ausfallraten niedrig sind. Doch wiegen Investoren sich in falscher Sicherheit?

Anleihe-Investoren wiegen sich in gefährlicher Sicherheit. Der Absturz kann schneller kommen als gedacht. Getty Images

Anleihe-Investoren wiegen sich in gefährlicher Sicherheit. Der Absturz kann schneller kommen als gedacht.

DüsseldorfDie Suche nach renditestarken, aber halbwegs sicheren Anlagen lässt manchen Investor verzweifeln. Vor allem konservative Anleger haben es schwer. Nachdem die Notenbanken die Zinsen quasi abgeschafft haben, bieten Anleihen mit bester oder doch zumindest guter Bonität kaum noch Rendite. Die Not der Investoren ist groß.

Kein Wunder, dass immer mehr Geld in Zinspapiere von bonitätsschwachen Staaten und Unternehmen fließt. Stolze 78,6 Milliarden Dollar sind insgesamt im laufenden Jahr in Anleihe-Indexfonds (ETFs) geflossen, fast jeder zweite Dollar ging in Indexfonds auf hochverzinsliche Bonds, wie der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock – in Deutschland  mit der ETF-Marke iShares vertreten – in seiner Jahresstatistik schreibt. Die Papiere bieten deutlich mehr Rendite als eine Bundesanleihe und amerikanische Staatsbonds, sind dafür aber auch riskanter.

Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen

Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben

Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.

Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben

Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen. Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen.

Was passiert wenn die Zinsen steigen

Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten. Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern.

Was tun wenn die Zinsen steigen

Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv. Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell.

Fazit

In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds gut geeignet. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren kaum noch geben.

Dieses erhöhte Risiko scheinen viele Investoren allerdings auszublenden. Dass ihnen das derzeit relativ leicht fällt, hat einen Grund: In der aktuellen Lage haben die weltweiten Notenbanken ein künstliches Marktumfeld geschaffen, in dem fundamentale Risiken nicht mehr adäquat reflektiert werden. „Die Notenbanken machen es vor“, sagt Heinz Werner Rapp, Vorstand der Vermögensberatung Feri. „Sie geben den Marktteilnehmern das klare Signal, dass es praktisch kein Risiko mehr gibt.“

Das gilt für Staatsanleihen aus den krisengeschüttelten, südeuropäischen Ländern ebenso wie für Anleihen von Staaten und Unternehmen aus den Schwellenländern mit schwacher oder sehr schwacher Bonität. Nicht umsonst werden solche Bonds auch Schrottanleihen oder Junk-Bonds genannt. Sie locken mit deutlich höheren Zinskupons, allerdings ist auch das Ausfallrisiko deutlich höher. „Hochzinsanleihen sind in der Regel für risikofreudige Anleger erwägenswert“, sagt Michael Mewes, Leiter des Frankfurter Anleiheteams bei JP Morgan Asset Management. Doch auf ihrer verzweifelten Suche nach Rendite greifen auch konservative und damit eher risikoscheue Investoren immer öfter zu diesen Hochzinsanleihen. „Das Risiko wird klein geredet“, sagt Rapp.

Und auch ihre ausgeklügelten Frühwarnsysteme, also die Risikomanagement-Systeme geben Entwarnung. „Viele Investoren verwenden ähnliche Risikomodelle, die sie mit den gleichen Informationen füttern“, erklärt Feri-Experte Rapp. Es fließt beispielsweise nach wie vor viel Geld in Schwellenländeranleihen, die Volatilität ist gering und die Renditeaufschläge gegenüber sicheren Bundesanleihen sind zwar etwas geschmolzen, aber noch immer gut. Für die Risikomodelle heißt das: Alles in Ordnung, die Ampel steht auf grün. „Das erzeugt ein Gefühl von Sicherheit und diese scheinbare Sicherheit ist gefährlich.“ Es entstehe eine Scheinrealität. Experten sprechen von einem „Paradox of Risk“, auch „Persaud Paradox“ genannt. Das Modell geht auf den Ökonomen Avinash Persaud von der London School of der Economics zurück. Es besagt, dass das Gefühl der Sicherheit eines der größten Risiken für die Märkte überhaupt ist. Denn Scheinsicherheit erzeugt Herdentrieb und prozyklisches Anlegerverhalten.

Kommentare (2)

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Herr Tobias Wahrsager

16.12.2014, 16:37 Uhr

Die Argumentation der Dame Schwarzer überzeugt mich überhaupt nicht. Gewiß, Hochzinsanleihen mögen ein Risiko
haben, das im Markt vielleicht noch nicht richtig eingepreist ist. Gleichwohl ist aber zu sehen, dass
bei zukünftigen Zinserhöhungen die Gefahr eines nachhaltigen und weitreichenden! Absturzes der Aktienindexes noch ungleich höher ist als bei den angeblich so gefährdeten Hochzinsanleihen. So dürfte
bei einem eventuell in den nächsten zwei Jahren einsetzenden Leitzinserhöhungszyklus Wertverfalle
bei den Weltaktienmärkten von 50 Prozent und mehr durchaus auf Sicht von 3-4 Jahre realistisch sein.
Da ist jeder Schwellenländerrentenfonds noch Gold gegen. Zudem stellt sich im Hinblick auf die Euro-Zone zunehmend die Systemfrage. Wo Griechenland demnächst wohl den nächsten Schuldenschnitt braucht und somit den Rest der Euro-Zone teilweise mitinfizieren dürfte, könnte es mit der Langlebigkeit der viel zu früh aus dem Boden gestampften Euro-Währung schnell vorbei sein. Dies gilt um so mehr, als nationale Kräfte in Frankreich die Eurowährung zunehmend auch in Frage stellen. Sollte ein solcher zUsammenbruch der Euro-Zone stattfinden ist man in jedem Schwellenländerfonds besser investiert als in Aktien oder als in Europa. Frau Schwarzer, bekommt für ihre Aktienfreundliche Einstellung, gewichtet deshalb in dieser Angelegenheit die Risiken wohl nicht korrekt.

Rocco Siffredi

17.12.2014, 09:03 Uhr

@Herr Tobias Wahrsager

Das scheint daran zu liegen, dass Sie keine Ahnung haben. Wären Sie, wie ich seit 1970 an der Börse, dann wüssten Sie, dass Frau Schwarzer vollkommen recht hat.

Aktien sind alternativlos. Genau, wie der Euro.

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