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23.07.2013

18:15 Uhr

Hohe Geldstrafe

Hochfrequenzhändler wegen Manipulation verurteilt

Mit Scheinaufträgen soll ein Hochfrequenzhändler Rohstoffmärkte manipuliert haben. Als Strafe muss er nun annähernd sechs Millionen Dollar zahlen. Das haben die US-Handelsaufsicht und die britische Behörde entschieden.

An der Deutschen Börse macht der Hochfrequenzhandel fast die Hälfte der Umsätze aus, in den USA sind es mehr als zwei Drittel. dpa

An der Deutschen Börse macht der Hochfrequenzhandel fast die Hälfte der Umsätze aus, in den USA sind es mehr als zwei Drittel.

London/ WashingtonDer Hochfrequenzhändler aus den USA muss wegen der Manipulation der Rohstoffmärkte annähernd 6 Millionen Dollar zahlen (4,6 Mio Euro). Nach Ansicht der US-Handelsaufsicht CFTC und der britischen Behörde FCA hat er zum Schein große Kauf- und Verkaufsaufträge platziert, um Preise in seinem Sinne zu beeinflussen. Sobald andere Marktteilnehmer angebissen und die manipulierten Preise bezahlt hätten, habe er seine Scheinaufträge dann gleich wieder gelöscht.

In Großbritannien ist er erstmals wegen umstrittener Geschäfte zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden. Die britische Aufsichtsbehörde FCA sah es als erwiesen an, dass der in den USA ansässige Händler Michael Coscia den britischen Rohstoffmarkt zu seinen Gunsten manipuliert hat und verdonnerte ihn am Montag zu einer Strafzahlung von knapp einer Million Dollar. „Herr Coscia hat den Markt und andere Marktteilnehmer betrogen“, erklärte die FCA. Die Strafe wäre sogar noch um 30 Prozent höher ausgefallen, hätte Coscia sich nicht auf einen Vergleich mit der Behörde eingelassen

Der Hochfrequenzhändler habe den Markt und andere Teilnehmer betrogen, erklärte Tracey McDermott von der FCA am Montag. Nach Angaben der CFTC trieben der Händler und seine Firma ihr Unwesen unter anderem auf den Handelsplätzen für Öl, Gas, Soja, Weizen und Mais.

Nach Einschätzung der FCA sorgte der Händler 2011 mit Hilfe eines bestimmten Algorithmus dafür, dass ein falscher Eindruck von Angebot und Nachfrage für verschiedene Futures entstand. So habe er mit Hilfe eines Brokers aus den USA heraus an der in Großbritannien angesiedelten Börse ICE Futures Europa tausende falsche Orders platziert. Allein binnen sechs Wochen strich Coscia dabei einen Gewinn von 279.920 Dollar ein. Strafen drohen ihm nun laut FCA auch in den USA.

Die größten Börsenpannen

Nasdaq lahmgelegt

Ein Softwarefehler führt dazu, dass die US-Börse Nasdaq im August 2013 einige Stunden den Handel komplett einstellen muss. Nach der Wiederaufnahme des Handels steigt der Markt – die Aktie des Börsenbetreibers aber verliert.

Dow Jones (2013)

Am 23. April 2013 meldete der Twitter-Account der US-Nachrichtenagentur eine Explosion im Weißen Haus. Die Meldung war jedoch falsch – Hacker hatten das Nutzerkonto übernommen. Dennoch brach die Börse innerhalb von Sekunden um mehr als ein Prozent ein. Möglicher Grund: Computer werteten die Meldung als wahr und lösten Verkaufssignale aus.

Kraft-Aktie (2012)

4. Oktober 2012: Die Nasdaq und mehrere andere Börsen haben nach einem ungewöhnlichen Kurssprung von Kraft Foods einen Teil des Handels mit der Aktie annulliert. Grund für den plötzlichen Anstieg der Papiere von 45,55 auf 58,54 Dollar war nach Angaben der US-Technologiebörse der Fehler eines Börsenmaklers. Nähere Angaben machte sie nicht. „Die Systeme von Nasdaq haben normal funktioniert und der Prozess der Industrie zum Umgang mit solchen Angelegenheiten verlief wie geplant“, hieß es in einer Erklärung.

Software-Panne bei Knight Capital (2012)

Durch einen Fehler hatte die Knight-Software enorm viele Orders platziert, die heftige Kursschwankungen auslösten. Dem Treiben konnte erst nach einer Dreiviertelstunde ein Ende gesetzt werden. In dieser Zeit hatten sich bereits 440 Millionen Dollar Verlust angehäuft, die das US-Brokerhaus fast zum Zusammenbruch brachten.

Das Facebook-Desaster (2012)

Die Erfolgsstory von Facebook bekam an der Börse einen starken Dämpfer. Nach gravierenden Pannen im Handelssystem der Technologiebörse Nasdaq in New York stürzte der Kurs des Börsenneulings rapide in die Tiefe. Beteiligte Firmen erlitten Millionen-Verluste. Die Schweizer Großbank UBS, die 290 Millionen Euro verlor, drohte sogar mit einer Klage gegen die Börse.

Pannen-Start für BATS (2012)

Die Erstnotiz der drittgrößten US-Börse BATS Global Markets im März 2012 endete mit einem Totalschaden. Die neuen BATS-Aktien sackten innerhalb weniger Minuten von 16 Dollar auf unter einen Cent. Schuld daran war eine neue Software. BATS musste die falschen Transaktionen zurücknehmen - und nahm dabei die eigenen Aktien gleich mit von der Börse

Fünf-Minuten-Chaos bei der Citigroup durch Kursrutsch

Die Aktien der Citigroup fielen im Juni 2010 nach Massenverkäufen durch elektronische Handelssysteme zeitweise um 17 Prozent. Doch da die Börsenaufsicht SEC nach dem „Flash Crash“ bereits zuvor beschlossen hatte, Aktien aus dem Index S&P 500 vom Handel auszusetzen, falls diese innerhalb von fünf Minuten mehr als zehn Prozent steigen oder fallen, stoppte das Sicherungssystem den Kursrutsch. Der Handel stand fünf Minuten lang still. Am Ende des Tages lag die Citigroup-Aktie sieben Prozent im Minus.

Flash Crash, 2010

Der „Flash Crash“ wurde im Mai 2010 durch den Hochfrequenzhandel ausgelöst: Durch einen blitzartigen Kurseinbruch lösten sich innerhalb weniger Minuten fast eine Billion Dollar Marktwert in Luft auf. Der Kurs des Dow Jones fiel um rund 1.000 Punkte. Einige Aktien verloren in der Zeit rund die Hälfte ihres Wertes. Der Spuk dauerte eine halbe Stunde lang an. Der sogenannte Hochfrequenzhandel, bei dem Tausende Transaktionen binnen Millisekunden durch Computer ausgelöst werden, stand schon vorher in der Kritik.

Strafe für Morgan Stanley (2007)

Morgan Stanley musste im Februar 2007 für den Fehler eines Händlers 300.000 Dollar Strafe an die Börse New York zahlen. Der Banker wollte einen Order über 100.000 Wertpapiere abgeben, übersah aber automatischen Multiplikator von 1000. Dementsprechend hatte seine Order einen Wert von 10,8 Milliarden Dollar statt der gewünschten 10,8 Millionen Dollar. Erst nachdem Aktien im Wert von 875,3 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt hatten, wurde der Fehler bemerkt. Die Bank hat die Handelsvorschriften am Desk seitdem deutlich verschärft.

Football vermasselt 50 Millionen Dollar Deal

Ein äußerst ungewöhnliches Missgeschick passierte einem Händler der Bank of America im September 2006. Er wartete auf die Anordnung seines Vorgesetzten, um einen fertig vorbereiteten Deal über 50 Millionen Dollar abzuschließen. Es fehlte nur noch der Druck auf die Enter-Taste. Während er wartete, warf ein Trainee einen Football durch den Raum und traf die Tastatur, inklusive der Enter-Taste.

Milliarden statt Millionen, 2002

Ein Händler von Bear Stearns verzählte sich im Oktober 2002 beim Verkauf von Aktien bei den Nullen und handelte sie für vier Milliarden Dollar anstelle von vier Millionen. Bevor der Vertipper auffiel, gingen bereits Wertpapiere im Wert von 600 Millionen Dollar an neue Besitzer. Dadurch sank der Leitindex Dow Jones um 2,3 Prozent.

100 Millionen für Verdreher

Im Dezember 2001 begleitete UBS Warburg den Verkauf neuer Aktien des japanischen Unternehmens Dentsu. Ein Händler vertippte sich und verkaufte statt 16 Dentsu-Aktien zu 600.000 Yen 610.000 Aktien zu je 6 Yen. Innerhalb kürzester Zeit verkaufte die USB dadurch 61.915 Aktien, was etwa der Hälfte des Emissionsvolumens entspricht. Die UBS verlor durch die Panne 100 Millionen Dollar, weil sie die Aktien zum Marktpreis zurückkaufen musste.

Lehman Banker verkauft zu viel (2001)

Ein Händler der Investmentbank Lehman Brothers verkaufte 2001 aus Versehen hundertmal mehr Aktien als er wollte. Darunter waren auch Schwergewichte wie AstraZeneca und BP. Der Banker vernichtete damit zeitweise 30 Milliarden Pfund an Börsenwert.

Tippfehler mit Folgen (1999)

Ein Aktienhändler der UBS gab im Januar 1999 zu viele Nullen in seinen Rechner ein und handelte damit innerhalb von nur zwei Minuten zehn Millionen Aktien des Pharmakonzerns Roche, obwohl nur sieben Millionen Stück existierten. Das Handelsvolumen überstieg die Marktkapitalisierung von Roche um knapp die Hälfte.

Der Schwarze Montag (1987)

Am 19. Oktober 1987 bricht der Dow Jones um fast 23 Prozent auf 1.728 Punkte ein, der größte prozentuale Tagesverlust in der Geschichte des Index. Der seinerzeit beliebte Programmhandel - eine Art Vorläufer des heutigen Algo-Tradings - hat den Absturz noch verschlimmert.

Der Händler muss nun 2,8 Millionen Dollar an Strafe und Gewinnabschöpfung an die CFTC zahlen, rund 900.000 Dollar an die FCA sowie zusätzlich 2,1 Millionen Dollar an den US-Börsenbetreiber CME Group. Zudem verhängte die CFTC ein Handelsverbot von einem Jahr.

Hochfrequenzhändler stehen seit einiger Zeit im Visier der Aufsichtsbehörden. Der computergestützte Handel, bei dem kein Mensch mehr eingreift, wird für starke Schwankungen an dem Börsen verantwortlich gemacht. Computerpannen hatten wiederholt für Kurseinbrüche gesorgt.

Beim Hochfrequenzhandel kaufen oder verkaufen Computer selbsttätig binnen Sekundenbruchteilen Aktien und andere Wertpapiere. In den USA gehen mittlerweile etwa 70 Prozent der Börsenumsätze auf die sogenannten Turbo-Händler zurück, in Deutschland sind es etwa 40 Prozent. Die neue Form des Handels war nach spektakulären Pannen ins Visier der Aufseher geraten: So hatte der Dow-Jones-Index beim sogenannten „Flash Crash“ im Mai 2010 binnen Minuten 1000 Punkte verloren. Die Ursache war ein fehlerhafter Handels-Auftrag, dessen Effekte die Computer noch verstärkten.

Kommentare (3)

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Wrtlbrnft

23.07.2013, 11:07 Uhr

Hochfrequenzhandel an sich ist bereits Manipulation! Die Überschrift klingt wie - Metzger wegen Tötung eines Rindes angeklagt. Vom Unterhaltungswert her aber einwandfrei.

Programmierer

23.07.2013, 11:54 Uhr

Warum wohl machen die Banken wieder Milliardengewinne
Goldmann Sachs usw. regieren an den Börsen durch ihr Kapital und
den technischen Möglichkeiten. Man darf es aber nicht Manipulation nennen
Die Börsen steigen nicht wegen der Konjunktur, das steht wohl außer
Frage. Ein paar wenige verdienen so immer mehr und der Rest wird
dabei immer ärmer.

Account gelöscht!

29.07.2013, 11:05 Uhr

Jede Kursfeststellung ist bereits Manipulation. Wer meint, dass Angebot und Nachfrage den Kurs an globalen Finanzmärkten im Zeitalter der Information festlegt, ist naiv. Es ist eine global erzwungene Messung am geworfenen Würfel. Die Algorithmen entscheiden, auf welche Seite der Würfel fällt.

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