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19.01.2011

10:21 Uhr

Hohe Verschuldung

Belgien wird zum nächsten Sorgenkind der Märkte

VonAndrea Cünnen, Thomas Ludwig

Das kleine Königreich Belgien wird am Anleihemarkt zunehmend kritisch gesehen. Die steigende Verschuldung und die weiterhin unklare politische Situation des Landes verunsichert die Anleger. Dabei braucht der Staat in diesem Jahr noch viel Geld.

Didier Reynders: Der belgische Finanzminister kündigte die neue Anleihe kurzfristig an. DAPD

Didier Reynders: Der belgische Finanzminister kündigte die neue Anleihe kurzfristig an.

FRANKFURT/BRÜSSEL: "Belgien gehört aus Sicht der Investoren nicht mehr zu den Kernländern im Euro-Raum, sondern rückt immer mehr in die Nähe der Peripherieschwergewichte Spanien und Italien", sagt David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank.

Entsprechend musste Belgien am Dienstag für die neue Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit, die Finanzminister Didier Reynders erst am Morgen angekündigt hatte, eine Rendite von knapp 4,4 Prozent bieten. Das sind nur 0,4 Prozentpunkte weniger als Investoren für die vergleichbare italienische Anleihe verlangen. Spanien musste am Vortag für einen neuen zehnjährigen Bond zwar sogar 5,6 Prozent zahlen. Dafür war das spanische Zinspapier auch viel begehrter. Belgien platzierte statt der erwarteten fünf Milliarden nur drei Milliarden Euro und damit nur halb so viel wie Spanien. Gleichzeitig begab Belgien zwar Geldmarktpapiere über gut drei Milliarden Euro, die werden aber schon in drei und zwölf Monaten wieder fällig und helfen nicht bei der langfristigen Refinanzierung.

Dabei braucht auch Belgien in diesem Jahr noch viel Geld. Das Land will längerfristig 34 Milliarden Euro am Anleihemarkt einsammeln und hat damit einen erheblich größeren Finanzbedarf als das noch angeschlagenere Portugal.

Belgiens finanzielle Lage ist alles andere als rosig, und die politische Lage verunsichert die Anleger zusätzlich. Seit der Wahl im vergangenen Juni haben es die flämischen Nationalkonservativen und die wallonischen Sozialdemokraten noch nicht geschafft, eine Regierung zu bilden. Jüngst erst hat König Albert die abgewählte, aber noch geschäftsführende Regierung von Premier Yves Leterme aufgefordert, die Sparanstrengungen zu verschärfen. Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll das Defizit in diesem Jahr auf unter 4,1 Prozent sinken.

Kommentare (2)

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FJS

19.01.2011, 12:09 Uhr

belgien ist ein Kunststaat und gehört zwischen Frankreich, Deutschland und den Niederlanden aufgeteilt. Dann löst sich auch das Finanzproblem dort.

w.schwachtel@gmx.de

25.01.2011, 11:03 Uhr

Hat jemand eine Übersicht, wo MiT DATUM (!) steht, wann welche Länder wieviel Geld "refinanzieren" müssen, also Anleihen ausgeben müssen ?

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