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26.04.2013

12:07 Uhr

Hunger nach Rendite

Notenbanken kaufen Aktien wie nie

Notenbanken scheuen das Risiko. Kein Wunder, schließlich wachen sie über die Devisenreserven von insgesamt elf Billionen Dollar. Doch fallende Anleiherenditen erzwingen ein Umdenken bei den Währungshütern.

Die japanische Notenbank will bis 2014 ihre Investitionen in börsengehandelte Aktienfonds verdoppeln. Reuters

Die japanische Notenbank will bis 2014 ihre Investitionen in börsengehandelte Aktienfonds verdoppeln.

New YorkEine im April durchgeführte Umfrage der Londoner Beratungsgesellschaft Central Banking Publications und der Royal Bank of Scotland unter 60 Zentralbankern ergab, dass 14 der Notenbanken Aktien besitzen oder den Kauf beabsichtigen. Die Bank of Japan, Eigentümerin der zweitgrößten Reserven, erklärte am 4. April die Absicht, bis 2014 ihre Investitionen in börsengehandelte Aktienfonds auf 3,5 Billionen Yen (27 Mrd. Euro) mehr als zu verdoppeln. Die Bank of Israel kaufte letztes Jahr erstmals Aktien, die Schweizerische Nationalbank und die tschechische Zentralbank hoben ihr Aktienengagement auf mindestens zehn Prozent der Reserven an.

“In den letzten zwölf Monaten etwa habe ich mit 103 Zentralbanken über Diversifizierung gesprochen”, sagte Gary Smith von der Londoner Niederlassung der BNP Paribas Investment Partners. “Wenn die Reserven zunehmen, wächst auch der Druck zu diversifizieren. Aktien sind nicht für alle Zentralbanken das Richtige, aber immer mehr gehen diesen Weg.”

Die Manager der Zentralbankreserven suchen nach Alternativen zu Staatsanleihen, nachdem wachstumsstimulierende Maßnahmen der Federal Reserve, der Bank of Japan und der Bank of England die Renditen in die Nähe ihrer Rekordtiefs gebracht haben. Die Devisenreserven der Zentralbanken sind im letzten Jahrzehnt weltweit um rund 8,5 Billionen Dollar angestiegen.

Die verlässlichsten Dividendenzahler

Platz 15

Siemens
Dax
Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 7
Jährliche Steigerung: 11,8 Prozent

Platz 14

Generali Deutschland

GeneralSt

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 7

Jährliche Steigerung: 16,2 Prozent

Platz 13

Gerry Weber

MDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 7

Jährliche Steigerung: 17,6 Prozent

Platz 12

Henkel

Dax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 10,1 Prozent

Platz 11

Grenkeleasing

SDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 10,3 Prozent

Platz 10

Linde

Dax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 10,7 Prozent

Platz 9

BayWa

MDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 11,7 Prozent

Platz 8

Nürnberger Beteiligungs-AG

GeneralSt

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 12,6 Prozent

Platz 7

Axel Springer

MDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 17,4 Prozent

Platz 6

Munich Re

Dax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 21,1 Prozent

Platz 5

Fielmann

MDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 9

Jährliche Steigerung: 14,5 Prozent

Platz 4

Fresenius Medical

Dax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 10

Jährliche Steigerung: 9,2 Prozent

Platz 3

Fresenius SE

Dax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 10

Jährliche Steigerung: 11,9 Prozent

Platz 2

Fuchs Petrolub

MDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 10

Jährliche Steigerung: 25,0 Prozent

Platz 1

Stratec Biomedical

TecDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 10

Jährliche Steigerung: 40,8 Prozent

Quelle: DSW/dips, April 2013

Zentralbanken halten üblicherweise Vermögensgegenstände wie Staatsanleihen, die leicht verkauft werden können, wenn Mittel gebraucht werden, um einer Bewegung der Währung entgegenzuwirken. Die Abhängigkeit von festverzinslichen Wertpapieren in einer Zeit, da Anleiherenditen in vielen Ländern unter der Inflationsrate liegen, kann den Wert der Reserven sinken lassen.

Die Studie zeigt, dass die niedrigen Bondrenditen fast die Hälfte der Zentralbanker dazu gebracht hat, höhere Risiken einzugehen. 23 Prozent erklärten, dass sie bereits Aktien gekauft hätten oder das in den nächsten fünf Jahren tun wollen.

“Ich sehe eindeutig, dass auch andere Zentralbanken Aktien kaufen oder das erwägen”, sagte Jan Schmidt, Risikomanagement- Chef bei der Tschechischen Nationalbank in Prag. Allerdings seien die Risiken, die mit dem Besitz von Aktien verbunden sind, dieselben wie immer.

Dividenden - Fragen und Antworten

Was ist eine Dividende?

Die Dividende ist der Anteil am Gewinn einer Aktiengesellschaft, den ein Konzern direkt an die Anleger ausschüttet. Einen Anspruch auf Dividende haben Aktionäre nicht. Unternehmen können das Geld auch nutzen, um Schulden zurückzuzahlen, Investitionen zu tätigen oder Übernahmen zu finanzieren. Manche Unternehmen wie die Deutsche Telekom zahlen Aktionären auch eine Mindest-Dividende.

Was ist die Dividendenrendite?

Die Dividendenrendite gibt den prozentualen Anteil der Dividende am Aktienkurs an.

Wer bekommt eine Dividende und wann?

Dividendenberechtigt ist jeder, der am Tag der Hauptversammlung mindestens eine Aktie des Unternehmens im Depot hat – egal, ob er sie bereits vor Jahren oder erst am Tag zuvor gekauft hat. Der vom Management vorgeschlagene Bonus wird mit den Stimmen der Aktionäre bei der Hauptversammlung beschlossen. Schon direkt am Folgetag oder kurz darauf landet die Dividende auf dem Konto des Anlegers. In Deutschland ist eine jährliche Dividendenzahlung üblich.

Lohnt es sich, eine Aktie nur zur Ausschüttung zu kaufen?

Von der verlockenden Strategie, kurz vor dem Stichtag zu kaufen, um einen Tag danach wieder zu verkaufen, raten Experten Normalanlegern ab. Denn schon vorher ist üblicherweise die vom Unternehmen angekündigte Dividende im Aktienwert „eingepreist“. Das heißt, der Kurs ist in den Wochen vor der Hauptversammlung um diesen Betrag gestiegen – und fällt danach meist wieder.

Was bekommt das Finanzamt?

Seit 2009 gilt die Abgeltungsteuer für Kapitaleinkünfte, die eine pauschale Besteuerung von 25 Prozent vorsieht. Für Aktionäre bedeutet dies, dass ein Viertel ihrer Dividenden an den Fiskus wandert. Die Banken, bei denen Aktionäre ihre Depots verwalten, führen die Steuer automatisch ab. Bei Wertpapierbeständen im Ausland müssen Anleger selbst aktiv werden und die Dividenden in der Steuererklärung angeben.

Die Aktienkäufe der Zentralbanken zeigten, wie der “Hunger nach Rendite” das Verhalten selbst der konservativsten Investoren verändere, sagt Matthew Beesley, von Henderson Global Investors in London. “Aktien sind die letzte verbliebene Anlagekategorie”, so Beesley. “Wenn man Dividendenrenditen hat, die über den Anleiherenditen liegen, ist das ein sehr logischer Schritt.”

Laut Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg schütten die S&P 500-Unternehmen 2,2 Prozent ihres Aktienwerts als Dividenden aus, verglichen mit einer 1,69 Prozent-Rendite bei Treasuries. Der S&P 500 schloss am 11. April auf einem Allzeithoch von 1593,37 und ist von Jahresbeginn bis zum 23. April um elf Prozent gestiegen. Dagegen haben Investoren mit US-Staatsanleihen mit Fälligkeit in einem Jahr oder später nur 0,7 Prozent verdient, wie Bondindizes der America Corp. zeigen.

Kommentare (14)

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marvelmaus

26.04.2013, 12:25 Uhr

ich sag nur "Sachwerte kaufen"... die Notenbanken wissen halt auch, wo alles enden wird

Entsetzter

26.04.2013, 13:13 Uhr

Wie pervers ist das denn? Die produzieren ihr eigenes Geld und kaufen damit Aktien? Und das ist erlaubt? Heißt das die Zentralbanken kaufen sich in die Privatwirtschaft ein? Wo wird das enden? Das kann doch wohl alles nicht wahr sein...

vandale

26.04.2013, 13:29 Uhr

Das ist sicherlich abwegig...

Allerdings ist das innerhalb des abwegigen Systems konsequent. Aktien des Dow Jones, Stoxx 50 sind liquide und lassen sich im Gegensatz zum Geld nicht beliebig vermehren.

Vandale

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