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04.05.2015

16:59 Uhr

Hybridanleihen

Anleger stürzen sich auf riskante Bonds

Wegen niedriger Zinsen suchen Anleger hohe Renditeversprechen – und finden sie in riskanten Hybridanleihen von namhaften Unternehmen wie KLM oder Total. Die Konzerne machen sich die Risikofreude der Aktionäre zunutze.

Konzerne wie KLM, Total oder auch Repsol legen Hybridanleihen auf. Kein Wunder: Die Anleger stürzen sich derzeit auf die riskanten Papiere. dpa

Ein KLM-Flieger in Amsterdam

Konzerne wie KLM, Total oder auch Repsol legen Hybridanleihen auf. Kein Wunder: Die Anleger stürzen sich derzeit auf die riskanten Papiere.

Die europäischen Anleger setzen verstärkt auf riskante Anleihen – obwohl deren Qualität abnimmt und der Ertrag schrumpft. Besonders die risikoreichen Hybridanleihen locken die Aktionäre. Unternehmen haben 2015 bereits entsprechende Papiere in Höhe von 19 Milliarden Euro aufgelegt. Im gesamten Vorjahr lag das Volumen insgesamt bei 28 Milliarden Euro, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Die Tendenz ist weiter steigend: Analysten der französischen Société Générale und der ING haben ihre Prognosen für dieses Jahr von 30 Milliarden auf 50 Milliarden Euro beziehungsweise 42 Milliarden Euro heraufgesetzt.

Während die Unternehmen mit Hybridanleihen ihre Schuldenquote verbessern und ihr Rating schützen können, gelten die Papiere für Anleger als riskant. Sie versprechen zwar höhere Zinsen als herkömmliche Bonds, sind aber komplizierter und werden schlechter bewertet. Bei dieser Art der Anleihen können Unternehmen nicht nur die Zinszahlungen ausfallen lassen, die Laufzeiten für die Papiere können zudem unendlich sein. Bei einer Insolvenz bekommen die Anleger solcher Anleihen zudem als letztes Glied der Gläubigerkette ihr Geld zurück.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Dass die Anleger sich trotzdem auf die Papiere stürzen, liegt an der Politik der Europäischen Zentralbank, die mit Anleihekäufen und Niedrigzinsen für sinkende Renditen in ganz Europa sorgt. Dies ermutigt Investoren dazu, ihre Qualitätsstandards zu lockern. Die durchschnittliche Bonitätsnote von Hybridanleihen ist nach Angaben von CreditSights im Februar auf ein Achtmonatstief gesunken.

Das größte Risiko sieht Thibault Colle, Anleihestratege bei der UBS in London, mit einem Blick auf die Zukunft: Die Investoren würden sich wegen der Geldpolitik „immer mehr anfreunden“ mit dem Risiko, die Unternehmen würden „immer aggressiver“ werden. „In diesem Umfeld, praktisch ohne Rendite, gibt es große Nachfrage nach diesen Anleihen“, so Colle.

Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank verzerren den Markt: Mittlerweile weisen Staatsanleihen im Volumen von rund 1,6 Billionen Dollar negative Renditen auf, die durchschnittliche Rendite für Anleihen der Bonitätsklasse Investmentgrade liegt bei einem Prozent. Hingegen rentierten Hybridbonds weltweit laut Indexdaten der Bank of America am vergangenen Donnerstag mit durchschnittlich 2,84 Prozent. Das Rekordtief im März lag bei 2,67 Prozent.

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