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18.02.2016

17:32 Uhr

Hypotheken

Banker machen Ertrag von 800 Prozent mit totgeglaubten Papieren

Forderungsbesicherte Wertpapiere galten nach der Finanzkrise ab 2007 als tot. Eine Gruppe britischer Banker widersetzte sich 2009 dem Markt – und fuhr einen Ertrag von 800 Prozent ein.

Als Angestellter der angeschlagenen HBOS durften die Banker Anfang 2009 keine Geschäfte mehr betreiben. Doch aus Langeweile entdeckten sie das Geschäft ihres Lebens. dpa

Produktive Langeweile

Als Angestellter der angeschlagenen HBOS durften die Banker Anfang 2009 keine Geschäfte mehr betreiben. Doch aus Langeweile entdeckten sie das Geschäft ihres Lebens.

LondonIm Januar 2009, inmitten der Finanzkrise, machten Milan Patel und einige seiner Kollegen das Geschäft ihres Lebens. Mit ihrem eigenen Geld kauften sie komplexe Wertpapiere, die damals jeder in der Branche loswerden wollte.

Bis zum Verkauf hatte die Gruppe Erträge von bis zu 800 Prozent erzielt – aus Anleihen, die zu wenigen Pence gehandelt wurden, entwickelte sich ein Millionenbetrag. Bei den Aktiva handelte es sich größtenteils um forderungsbesicherte Wertpapiere, die in die Schieflage geraten waren. Die Geschichte um Patel ist eine Erinnerung daran, dass Anleger ruhig bleiben sollten, wenn das gesamte Umfeld die Nerven verliert.

„Nachdem Subprime explodiert war, sagte jeder, man müsse sich von den forderungsbesicherten Wertpapieren trennen“, erklärt Patrick Janssen, Vermögensverwalter bei der Prudential- Plc-Sparte M&G. „Diejenigen, die in der Lage waren, diesem Ratschlag nicht zu folgen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, wurden dafür belohnt.“

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Die frühen Tage des Jahres 2009 waren eine merkwürdige Zeit für Patel gewesen. Er stand zwar noch in den Diensten der britischen HBOS Plc, durfte aber keinen Handel mehr betreiben. Das Institut geriet in die Schieflage und ging schließlich in der Lloyds Banking Group Plc auf.

Patel und sein Chef Richard Paddle langweilten sich damals. Sie gingen durch die forderungsbesicherten Wertpapiere von HBOS – berechneten für das Management, wie hoch die Verluste ausfallen könnten. Dabei entdeckten sie Papiere, deren Preise überhaupt nichts mit den zugrundeliegenden Werten zu tun hatten.

Das Duo wettete darauf, dass der britische Wohnimmobilienmarkt den Massenausfall vermeiden werde, von dem die Vereinigten Staaten heimgesucht wurden. Es würde sich also Geld verdienen lassen, doch ein Kauf für die Bank stand außer Frage.

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