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18.04.2006

20:04 Uhr

ICF-Chef Rainer Roubal

Makler schlägt Fusion der Regionalbörsen vor

VonRolf Benders

Der Chef des größten Frankfurter Börsenmaklers ICF, Rainer Roubal, plädiert angesichts der geplanten Fusion der Deutschen Börse und der Vierländerbörse Euronext für eine Fusion der Regionalbörsen.

FRANKFURT. „Offen ist aber immer noch, ob die kleineren Börse das untereinander schaffen und damit einen Gegenpol zu Frankfurt bilden“, sagte Roubal, der als Chef des größten Skontroführers im Börsenrat der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) sitzt. „Aus Sicht des Marktes wäre allerdings Wettbewerb wünschenswert“, fügte er hinzu und sprach sich damit gegen eine Fusion aller deutschen Börsen aus. Der Wettbewerb zwischen den Börsen habe dem Markt immer gut getan. Er erinnerte daran, dass es Stuttgart als deutsche Börse Nummer zwei durch Verlängerung der Handelszeiten und durch Einführung von Kleinstorders für Innovation gesorgt hat. Der Marktführer Frankfurt musste dann nachziehen.

In Deutschland gibt es neben dem Branchenprimus noch sechs Regionalbörsen. Die sich abzeichnende Fusion Frankfurts mit der Euronext könnte die kleineren Marktteilnehmer nun zum Handeln zwingen. Bislang standen dem aber unter anderem lokalen Befindlichkeiten in den einzelnen Landeshauptstädten im Wege.

Spätestens wenn 2007 die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid in Kraft trete, sei eine Fusion der kleinen Börsen aber auch aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll, da größere Investitionen in die Handelssysteme zu erwarten seien, sagte Roubal, dessen Firma das Handelssystem der Münchener Börse „Max-One“ betreibt. „Möglich wäre ein Zusammenschluss nach dem Vorbild der Euronext: Eine Holding organisiert das Zusammenspiel, die jeweiligen Börsenplätze behalten eine Teilautonomie“, skizzierte Roubal eine mögliche Antwort auf lokalpatriotische Widerstände.

Als eine andere Hürde gilt die Verteilung der Skontren, also der Betreuermandate für Wertpapiere an den einzelnen Börsen, die von Börsenmaklern wie ICF wahrgenommen werden. Eine Fusion der Börsen würde eine Neuorganisation der zum Teil seit Jahrzehnten vergebenen Skontren erzwingen. Roubal schlägt dazu eine Verteilung nach Marktanteilen und Leistungsstandards der Makler vor, wie dies die Frankfurter Börsenordnung vorsieht.

Für seine Branche sieht Roubal durch eine europäische Börsenfusion mehr Chancen als Risiken. „Eine Fusion würden auch für uns Skontroführer die Nischen größer machen. Zum Beispiel in den Auslandsskontren mit Euronext-Werten könnte die Zahl der Geschäfte steigen“, hofft er.

Die Branche ist in den vergangenen Jahren durch einen harten Anpassungsprozess gegangen. Die Einführung des elektronischen Handels und die Börsenbaisse nach dem Platzen der Internetblase haben viele Börsenmakler zur Aufgabe gezwungen.

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